Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover MHH übermittelte beim Todespfleger falsche Daten
Nachrichten Hannover MHH übermittelte beim Todespfleger falsche Daten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 30.04.2018
Krankenpfleger Niels H. muss sich jetzt noch für einen Mord mehr verantworten.  Quelle: dpa
Hannover/Oldenburg

 Weil die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) Daten falsch übermittelt hat, muss die Staatsanwaltschaft im größten deutschen Mordprozess seit dem Ende der NS-Zeit gegen den früheren Krankenpfleger Niels H. ihre Anklageschrift überarbeiten. Niels H. sollte sich in dem im Herbst startenden Prozess zunächst für 97 Morde in Krankenhäusern verantworten, nach Bekanntwerden des Fehlers der MHH wird die Klage nun auf 98 Fälle erweitert. 

Wie die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag mitteilte, hatte es im Fall einer Delmenhorster Patientin einen Übermittlungsfehler gegeben. Die Rechtsmediziner der MHH hätten nach der Exhumierung in einer Gewebeprobe der Leiche Rückstände des Herzmedikaments Lidocain gefunden, den Ermittlern bei der Polizei  in Oldenburg durch einen Übertragungsfehler aber versehentlich ein negatives Ergebnis mitgeteilt, sagte Oberstaatsanwalt Martin Koziolek. Der Fehler sei erst aufgefallen, als es bei der Anfertigung eines Gutachtens die Daten noch einmal verglichen werden. Der Wirkstoff Lidocain ist eines von fünf Medikamenten, mit denen Niels H. Patienten tötete. 

Der Direktor des Institus für Rechtsmedizin an der MHH, Prof. Michael Klintschar, sprach auf HAZ-Anfrage von „enormen Datenmengen“, die in diesem Fall an die Ermittler übertragen wurden. Die Staatsanwaltschaft wollte möglichst schnell Ergebnisse haben, erläuterte Klintschar. Dabei sei es zu einem Übertragungsfehler gekommen, der jedoch im Institut für Rechtsmedizin zeitnah erkannt worden sei. Das sei der Staatsanwaltschaft auch mitgeteilt worden, dennoch sei der Todesfall zunächst nicht in die Anklageschrift eingearbeitet worden. 

H. hat der Anklage zufolge den Patienten eigenmächtig Medikamente gespritzt, um absichtlich bedrohliche Herzprobleme bis hin zum Herzflimmern auszulösen. Anschließend versuchte er seine Opfer zu reanimieren, um Kollegen sein Können zu beweseisen und als Held zu dazustehen. Nach den Erkenntnissen der Ermittler hat H. zwischen 2000 und 2005 im Klinikum Oldenburg 35 Patienten und im Klinikum Delmenhorst 69 Patienten ermordet. Die Ermittler hatten in den vergangen Jahren mehr als 130 Gräber öffnen und Gewebeproben entnehmen lassen. Die Toxikologen der MHH untersuchten die Proben auf Rückstände von Medikamenten. 

Der 41-Jährige ist bereits in sechs Fällen verurteilt worden, er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Ab Ende Oktober steht der ehemalige Krankenpfleger dann wegen der 98 später ermittelten Fälle erneuit vor Gericht. Der Prozess findet in einem Saal der Weser-Ems-Halle in Oldenburg teil, weil an dem Sitzungen mehr als 100 Nebenkläger und ihre Rechtsanwälte teilnehmen wollen. 

In einem weiteren Prozess müssen sich auch eine damalige stellvertretende Stationsleiterin, zwei Ärzte und ein Leiter der Intenbsivstation verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Verdachtsmomenten gegen Niels H. nicht nachgegangen zu sein. 

Von Mathias Klein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Dauer-Autobahnbaustelle auf der A 7 zwischen Schwarmstedt und Mellendorf soll sicherer werden. Allein in diesem Jahr haben sich am Beginn der Baumaßnahme bei Schwarmstedt rund 200 Unfälle ereignet.

29.04.2018

Vier Monate nach dem Fund von Brandsätzen im Finanzamt Hannover-Land I gehen die Ermittler einer Spur zum möglichen Täter nach. Innerhalb des Gebäudes wurden die geplanten Sicherheitsmaßnahmen inzwischen fast alle umgesetzt.

06.05.2018

Ob an der Werkbank, im Krankenhaus oder im Verlag – beim Zukunftstag machen sich Zehn- bis 15-Jährige ihr Bild vom Job. Einfach mal mit Mama oder Papa mitgehen, das war einmal, heute legen Unternehmen ein ausgefeiltes Unterhaltungsprogramm vor.

29.04.2018