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Hannover Leitstellen-Desaster alarmiert die Politik
Nachrichten Hannover Leitstellen-Desaster alarmiert die Politik
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00:29 27.05.2018
Die Eröffnung der neuen Regionsleitstelle der Feuerwehr in der Nordstadt verzögert sich. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Die Nachricht von zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe im Zusammenhang mit dem Neubau der neuen Leitstelle der Berufsfeuerwehr Hannover haben in der Politik massive Kritik hervorgerufen. „Das ist ein unglaublicher Vorgang“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Jetzt müsse genau analysiert werden, wie es so weit kommen konnte. Die SPD hofft auf eine Einigung durch das Schiedsverfahren. „Dabei muss die Frage geklärt werden, wer für die Mehrkosten aufkommt“, sagt SPD-Baupolitiker Lars Kelich. Er glaube nicht an Planungsfehler der Stadtverwaltung. Ärgerlich sei, dass jetzt viel Geld in die Hand genommen werden müsse, um die alte Feuerwache in der Calenberger Neustadt nachzurüsten. „Aber Sicherheit geht vor“, sagt Kelich.

Die neue Leitstelle der Berufsfeuerwehr am Weidendamm sollte am 15. Juni einsatzbereit sein. Wegen massiver und anhaltender Streitigkeiten zwischen der Stadtverwaltung und der beauftragten Baufirma Züblin kann der Termin nicht gehalten werden. Ein neuer Eröffnungstermin ist bisher nicht genannt worden. Die Verwaltung hat am Mittwoch die Reißleine bezogen und beantragt, die alte Leitstelle in der Calenberger Neustadt für insgesamt 4,8 Millionen Euro technisch aufzurüsten, damit die Sicherheit der Menschen in der Stadt und dem Umland gewährleistet werden kann.

Die Verantwortlichen bei der Stadt halten sich bedeckt. Man wolle sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern, teilte ein Stadtsprecher mit. Die Sicherheit der Bevölkerung in der Region sei aber auf jeden Fall gewährleistet. Auch die Baufirma Züblin will den Streit derzeit nicht kommentieren. Abgetaucht sind Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange und Regionsbrandmeister Karl-Heinz Mensing, die Hauptbetroffenen des Baudesasters. Sie erteilten Interview-Anfragen der HAZ Absagen. Dabei müssen sie und ihre Kollegen die Folgen der massiven Verzögerungen tagtäglich ausbaden, weil deshalb auch die Einführung des Digitalfunks auf sich warten lässt. Fast alle angrenzenden Kommunen haben die digitale Verständigungstechnik bereits. Das führt dazu, dass beispielsweise die Feuerwehr Lehrte mit zusätzlichen digitalen Handfunkgeräten ausgestattet werden musste, damit sich die Helfer bei Einsätzen auf der Autobahn 2 überhaupt mit ihren Kollegen aus Peine, die oft zur Unterstützung anreisen, vor Ort überhaupt verständigen können.

Die zusätzlichen Kosten von 4, 8 Millionen könnten aber noch einmal deutlich in die Höhe schnellen. Denn in das neue Leitstellen-Gebäude soll auch die Telefonzentrale der Stadt einziehen. Nach HAZ-Informationen sucht die Verwaltung inzwischen Ersatzräume zum Anmieten für die Telefonzentrale, falls sich die Eröffnung der Leitstelle noch weiter verzögern sollte.

„Wir müssen uns auch Gedanken darüber machen, wie wir künftig mit solchen Projekten umgehen“, regt CDU-Fraktionschef Seidel an. Es könne doch nicht sein, dass sich immer mehr öffentliche Bauvorhaben verteuern und am Ende der Steuerzahler die Rechnung trägt. Der Ansicht ist auch die FDP. „Ich mache mir Sorgen um die Stadtfinanzen“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Tatsächlich haben sich in den vergangenen Monaten mehrere Bauvorhaben der Stadt erheblich verteuert. So muss das Budget für die Sanierung der Sporthalle an der IGS Roderbruch um 1,4 Millionen Euro erhöht werden, angeblich weil Baufirmen höhere Preise nehmen als ursprünglich geplant. Mehr Geld als ursprünglich kalkuliert kostet auch die Einrichtung des Lernorts zur NS-Geschichte im ehemaligen VHS-Gebäude gegenüber dem Rathaus. Rund 900.000 Euro müssen aufgestockt werden, weil die Heizungs- und Lüftungstechnik aufwendiger ausfällt als geplant. Zu nennen ist auch die Brandschutzsanierung im Sprengel Musuem, die um 7,5 Millionen Euro höher ausfällt, als veranschlagt. Auch die Komplettsanierung des maroden Bauamts belastet die Stadtkasse in höherem Umfang als gedacht. 38 Millionen Euro soll das Vorhaben jetzt kosten, in einer früheren Machbarkeitsstudie war von 15 bis 20 Millionen Euro als Basisvariante die Rede. Die teuerste Variante wurde damals mit 35 bis 45 Millionen Euro angegeben - in diesem Höchstereich ist man jetzt angekommen.

Von Tobias Morchner und Andreas Schinkel

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