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Hannover Neues Fössebad zu klein für internationale Wettkämpfe
Nachrichten Hannover Neues Fössebad zu klein für internationale Wettkämpfe
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00:20 12.10.2018
Das Fössebad in Limmer bekommt ein 50-Meter-Becken und eine Tribüne, über deren Größe noch gestritten wird. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Mit dem Neubau des Fössebads soll Hannover eine weitere Wettkampfarena bekommen – doch jetzt wird deutlich, dass es für große Turniere zu wenig Zuschauerplätze gibt. Die geplante Tribüne umfasst 250 Plätze, 500 müssten es sein, um Deutsche Meisterschaften und Champions League Spiele im Wasserball auszutragen. „Hannover nennt sich Stadt des Sports, aber eine solche Planung wird dem nicht gerecht“, kritisiert Rolf Jägersberg, Vizepräsident des Stadtsportbunds. Auch der Verein Waspo 98, amtierender Deutscher Meister im Wasserball, ist verärgert. „Dann müssen wir demnächst nach Braunschweig ausweichen, um Champions League Spiele zu veranstalten“, sagt Waspo-Präsident Bernd Seidensticker.

Das Fössebad in Limmer wird im kommenden Jahr für rund 20 Millionen Euro abgerissen und neu errichtet. Die Schwimmhalle soll mit einer wettkampftauglichen 50-Meter-Bahn ausgestattet werden, das Außenbecken entfällt.

Im Vorfeld hatte es viel Streit gegeben. Anwohner und Kommunalpolitiker wünschten sich einen Erhalt des Freibads sowie eine familienfreundliche Ausrichtung des gesamten Bads. Am Ende entschied die Ampel-Mehrheit im Rat (SPD, Grüne, FDP), dass das neue Fössebad sowohl Sport- als auch Familienbad werden soll – ohne Außenbecken.

Tribüne: Mindestens 500 Plätze nötig

„Auch für Schwimmwettkämpfe im Breitensport brauchen wir mehr Platz für Zuschauer“, sagt Waspo-Chef Seidensticker. Es sei nicht ungewöhnlich, dass mehrere Hundert Jugendliche bei Turnieren gegeneinander antreten, und sie brächten meist Eltern und Freunde mit. Im Grunde wäre eine Tribüne für 1000 Zuschauer angemessen. „500 Plätze ist das Mindestmaß“, sagt Seidensticker.

Die Stadtverwaltung, verantwortlich für die Neubaupläne, verweist auf die Kosten. Eine Tribüne mit 250 Plätzen kostet rund 700.000 Euro. „Der Bau einer Tribüne für 500 Personen und eine Beckenumgehung für ebenfalls 500 Personen würde die Kosten um mindestens 1,2 Millionen Euro, eher 1,5 Millionen Euro erhöhen“, teilt Stadtsprecherin Ulrike Serbent auf Nachfrage mit. Das Fössebad solle für kleinere Wettkämpfe zur Verfügung stehen, große Turniere im Wasserball sollen im Stadionbad ausgetragen werden. Dort finden 500 Besucher auf der Tribüne Platz, weitere 400 können sich am Beckenrand aufhalten.

Stadionbad schließt zwei Jahre

Stadtsportbund und Waspo entgegnen, dass das Stadionbad wegen Sanierungsarbeiten zwei Jahre schließen muss. „Eigentlich haben wir uns darauf eingestellt, dass wir dann aufs neue Fössebad ausweichen“, sagt Seidensticker. Doch diese Option sei jetzt hinfällig. Die Stadt räumt ein, dass eine „Übergangslösung“ gefunden werde müsse, falls zwischen 2022 und 2024 größere Wasserballturniere in Hannover stattfinden. „Für die Überbrückung dieser Phase Mehrinvestitionen von mindestens 1,2 Millionen Euro zu begründen, hält die Stadtverwaltung weder für notwendig noch für darstellbar“, sagt Serbent.

In der Ratspolitik sind die Tribünen-Pläne umstritten. SPD und Grüne unterstützen die Linie der Stadt. „Mit den Zuschauern am Beckenrand können im neuen Fössebad 500 Besucher gleichzeitig bei einem Wettbewerb anwesend sein, das ist völlig ausreichend“, sagt SPD-Sportpolitiker Angelo Alter. Sein Kollege von den Grünen, Mark Bindert, sieht die Kostengrenze erreicht. „Vielleicht lassen sich vor den geplanten Schiebetüren zum Außengelände Zelte anbringen, um mehr Platz für Zuschauer zu schaffen“, schlägt er vor. Die FDP, Partner im Mehrheitsbündnis mit SPD und Grünen, ist anderer Ansicht. „Wenn wir uns als Sportstadt präsentieren wollen, sollte es nicht an 250 zusätzlichen Tribünenplätzen scheitern“, sagt FDP-Sportpolitiker Andreas Bingemer. Das sieht die CDU ähnlich. „Eine solche Planung ist eine Frechheit“, sagt CDU-Sportexperte Thomas Klapproth.

Von Andreas Schinkel

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