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Hannover Freimaurer feiern 300-jähriges Bestehen
Nachrichten Hannover Freimaurer feiern 300-jähriges Bestehen
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00:16 04.09.2017
Von Simon Benne
Freimaurer feiern im Sprengel Museum. Quelle: Benne
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Hannover

Sinistre Verschwörer? Geheimbündler auf dem Weg zur Weltherrschaft? Viele dunkle Mythen umwehen die Freimaurer, doch wie im Epizentrum einer Weltverschwörung geht es im Sprengel Museum eigentlich nicht zu. Es gibt Saft aus Plastikbechern, man plaudert in kleinen Grüppchen. Arrivierte Herren in dunklen Anzügen sind nicht unterrepräsentiert. "Uns alle verbindet, dass wir am Tempel der Humanität bauen", sagt Siegfried Schildmacher, der dieses Treffen organisiert hat. Er übersetzt seine Worte ins Weltliche: "Dass wir an der eigenen Persönlichkeit arbeiten und uns mit gesellschaftlichen Problemen befassen." Schildmacher ist Altstuhlmeister der Loge Friedrich zum weißen Pferde. Ein Freimaurer.

An diesem Tag ist das Sprengel Museum die erste Adresse für die Mitglieder der rund 500 Freimaurerlogen Deutschlands. Seit 300 Jahren gibt es die moderne Freimaurerei: Am Johannistag 1717 kamen Vertreter von vier Logen in einer Londoner Taverne mit dem kuriosen Namen „Goose and Gridiron“ („Gans und Bratrost“) zusammen und hoben die welterste Großloge aus der Taufe. Weltweit feiern Freimaurer dieses Jubiläum – und der zentrale Festakt der deutschen Logenbrüder geht in Hannover über die Bühne, mit rund 300 Besuchern.

Ein Zeremonienmeister pocht mit einem Silberstab auf den Boden, es geht in den Vortragssaal. Ein Freimaurerfestakt mit Publikum wäre vor wenigen Jahren noch so undenkbar gewesen wie eine öffentliche Jahreshauptversammlung des Verbandes der Geheimagenten. „Als deutsche Freimaurerei beschreiten wir damit in diesem Jahr einen ganz neuen Weg und öffnen uns der Öffentlichkeit“, sagt Christoph Bosbach, Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland: „Das wird sicher viele überraschen, da unser Traditionsbund eher für seine Verschwiegenheit bekannt ist.“

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD, l-r), Grand Master Peter Lowndes aus England und der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Christoph Bosbach. Quelle: dpa

Hannover als "Hotspot der Freimaurerei"

Pianist Noah Vinzenz spielt Wagner. Der versierte Fernsehmann Max Schautzer, der den  Festakt souverän moderiert, würdigt Hannover als "Hotspot der Freimaurerei". Oberbürgermeister Stefan Schostok preist  freimaurerische Werte wie Humanität und Toleranz: "Das passt gut zu unserer Stadt."

Vor 300 Jahren waren die Logen eigentlich Geburten aus dem Geist der Aufklärung: Freie Denker strebten jenseits aller Standes- und Konfessionsgrenzen nach Brüderlichkeit und Freiheit. Der Kirche und den Fürsten waren diese Zirkel mit ihren religiös anmutenden Ritualen bald suspekt. Die Freimaurer mussten diskret agieren. Und so gerieten ausgerechnet die Streiter für Offenheit und Toleranz in den Ruch, elitäre, geschlossene Geheimbündler zu sein. Bis heute werfen Kritiker ihnen vor, vor allem ihr eigenes Mysterium zu zelebrieren.

Die meisten Logen treffen sich regelmäßig in sogenannten Tempeln zu Ritualen, unter Ausschluss von Uneingeweihten. Die Freimaurer eint, dass sie alle am eigenen Charakter arbeiten, so wie ihre Vorbilder, die Steinmetze der mittelalterlichen Dombauhütten, an rauen, noch unbehauenen Steinen arbeiteten.

Leibniz wäre hier gut aufgehoben gewesen

"Menschen, die an sich selbst arbeiten, sind weniger anfällig für Fanatismus", sagt der frühere Landtagspräsident Rolf Wernstedt in seiner klugen Festrede. "Leibniz wäre in einer Freimaurerloge gut aufgehoben gewesen", sagt er. "Donald Trump eher nicht." Der Chor der hannoverschen Logen umflort den Festakt musikalisch mit Klängen von Mozart. Natürlich. Schließlich war dieser Freimauerer, ebenso wie Goethe, Lessing und Eddy Murphy.

Der Festakt soll zeigen, dass die Freimaurerei ihren festen Platz in der Kulturgeschichte des Abendlandes hat. Und sie soll um Sympathien und Nachwuchs werben. "Es gibt ein breites Interesse bei jungen Menschen an moralischem Beistand und einer ruhigen Mitte in der schnellebigen Welt", sagt der britische Pro Grand Master Peter Lowndes, der Stargast des Tages. Offene Worte statt verschwörerischem Raunen. Mit seinen Reden geht der Festakt so nüchtern über die Bühne wie eine Tagung von Kommunalpolitikern oder Kirchenvertretern. Ganz ohne Geheimniskrämerei.

Hannover hat zwölf Logen

Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es in keiner anderen deutschen Stadt mehr Logenbrüder als hier: Hannover ist eine Hochburg der Freimaurerei. Die älteste Loge der Stadt, „Friedrich zum weißen Pferde“, wurde bereits 1776 gegründet. Insgesamt zwölf Logen gibt es heute in Hannover. Darunter sind eher humanistische und eher christlich orientierte, es gibt auch englischsprachige und zwei Frauenlogen. Insgesamt gehören den zwölf Logen, die sich regelmäßig in den beiden Logenhäusern in der Lemförder Straße und der Heiligengeiststraße versammeln, mehr als 500 Mitglieder an.

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