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Hannover Keine Beweise für Gewalttat nach Liebesnacht
Nachrichten Hannover Keine Beweise für Gewalttat nach Liebesnacht
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00:20 10.08.2018
Trotz des Freispruchs konnte der Angeklagte das Amtsgericht nicht als freier Mann verlassen - er sitzt derzeit wegen eines Drogendelikts in Haft. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Die Anklagevorwürfe wogen schwer. Eine Frau hatte einen 27-jährigen Mann beschuldigt, sie im Laufe einer flüchtigen Datingportal-Bekanntschaft eingesperrt und verprügelt zu haben. Am Ende aber sprach Amtsrichter Burkhard Littger den Angeklagten frei: Als zu unglaubwürdig sah er die Aussagen der 30-Jährigen an. Er wolle nicht ausschließen, so Littger, dass es in besagten zwei Nächten im Oktober 2017 zu Gewalttätigkeiten vonseiten des Mannes gekommen sei. Doch nachzuweisen seien dem 27-Jährigen die behaupteten Taten nicht. Der Prozess warf unabhängig vom strafrechtlichen Aspekt ein Schlaglicht auf die verzweifelte Suche mancher Menschen nach etwas Zuneigung oder einer festen Beziehung, die sie über viele Unzulänglichkeiten ihres Partners hinwegsehen lässt.

Die 30-Jährige aus Salzgitter hatte den Angeklagten über ein Internet-Portal kennengelernt. Im Vordergrund stand offenbar bei beiden der Wunsch nach einer sexuellen Beziehung. Die Frau reiste nach Hannover, ein erstes Treffen fand in einem Haus im Roderbruchviertel statt, das dem Großvater des Mannes gehört. Laut ihrer Aussage verbrachte man dort eine gemeinsame Nacht mit einvernehmlichem Sex. Am Folgetag allerdings habe es einen immer wieder aufflammenden Streit um Zigaretten gegeben, dabei habe der 27-Jährige die Rolläden heruntergelassen, die Türen verschlossen und sie geschlagen. Alle Verfahrensbeteiligten zeigten sich verwundert, dass sich das Paar anschließend von einer Tante des Mannes in seine Wohnung in der List chauffieren ließ; dort soll es wieder Sex, Streit und Prügel gegeben haben.

Fraul leidet unter Wahnvorstellungen

Wie sich im Laufe der Verhandlung herausstellte, leidet das mögliche Opfer seit Jahren unter einer Psychose, hat Wahnvorstellungen und hört Stimmen. Derzeit nimmt die Frau Medikamente und steht unter Betreuung. Auf mehrfache Nachfrage des Richters versicherte sie, nach dem unschönen Techtelmechtel keinen Kontakt mehr zu dem 27-Jährigen aufgenommen zu haben. Tatsächlich aber existieren etliche Text- und Sprachnachrichten, in denen die Frau über mehrere Tage um die Zuneigung des Mannes und eine Fortsetzung der Beziehung buhlt. Einem Bekannten hatte sie dagegen kurz nach dem Treffen in Hannover erzählt, ihr Bekannter habe sie vergewaltigt.

Der Angeklagte ist strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt, sitzt derzeit wegen eines Drogendelikts eine 22-monatige Freiheitsstrafe ab. Verteidiger Thomas Mügge bestritt in der Verhandlung, dass sein Mandant die Zeugin eingesperrt und geschlagen habe; die bei der Frau festgestellten Prellungen an Armen und Hals könnten auch ganz andere Ursachen haben als brutale Attacken vonseiten des 27-Jährigen. Da schlussendlich Aussage gegen Aussage stand und die Glaubwürdigkeit der Frau arg erschüttert war, folgte das Gericht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, den Angeklagten freizusprechen.

Von Michael Zgoll

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