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Hannover Fünf Elefanten ziehen vom Zoo Hannover nach Belgien
Nachrichten Hannover Fünf Elefanten ziehen vom Zoo Hannover nach Belgien
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00:15 11.09.2018
Sayang, Saphira, Sitara, Ravi und Thambi verlassen demnächst den hannoverschen Zoo. Quelle: Frank Wilde
Hannover

„Ich packe meine Koffer und nehme mit...“: Jeder, der mit Kindern reist, weiß um die notwendigen, umfangreichen Vorbereitungen für so ein Vorhaben. Bei Tieren ist das im Prinzip ähnlich, aber noch komplizierter. Zumal, wenn die Tiere groß sind: Sagen wir zum Beispiel: Asiatische Elefanten.

Im hannoverschen Zoo machen sie diese Erfahrung gerade. Denn fünf Tiere aus der Gruppe der Asiatischen Elefanten werden demnächst ihr vertrautes Gehege verlassen und in den Zoo Pairi Daiza südwestlich der belgischen Hauptstadt Brüssel übersiedeln. Die Reisegruppe besteht aus der älteren Elefantenkuh Sayang, ihren Töchtern Saphira und Sitara sowie Sohn Ravi und aus Enkelin Thambi. Sechs weitere Tiere der Gruppe bleiben in Hannover. Der Abschied hat zwei Gründe: Einerseits sorgt der Zuchterfolg inzwischen für einiges Gedränge im Dschungelpalast. Andererseits soll das Gehege modernisiert werden. Bereits 2014 war eine Gruppe von Elefanten von Hannover in den belgischen Tierpark umgezogen.

Gestern hat der Zoo eingeladen und Details zu den bevorstehenden Veränderungen erklärt. Damit es attraktive Fotos zum Anlass gibt, wurden die Tiere mit einer Extraportion Obst, Gemüse und Heu vor einer Mauer gefüttert. Auf diese waren mit Kreide die Worte „Au Revoir“ geschrieben – Französisch, denn das neue Elefanten-Zuhause ist in der belgischen Wallonie. Nett fürs menschliche Auge, den Elefanten war’s erkennbar egal.

Wann die Reise genau beginnt, ist nicht exakt festgelegt, im Prinzip geben die Elefanten das Startsignal. Die Tiere müssen gesund sein, der Zoo will außerdem darauf achten, dass die Gruppe möglichst wenig Stress hat. Behutsam werden die sechs Elefanten deshalb zunächst an die Container gewöhnt, in denen sie auf Lastwagen die Fahrt nach Belgien bewältigen sollen. Drei der Transportbehälter werden zunächst ins Gehege gestellt. „Wir füttern die Elefanten langsam an die Boxen heran - jeden Tag ein bisschen näher. Den Rest erledigt die Neugierde der Tiere. „Erst wenn sie vollkommen angstfrei und freiwillig in die Kiste gehen, ist an einen Umzug zu denken“ erklärt Dörte Burdorf, Tierpflegerin und zuständig für die Elefanten – sie begleitet die Tiere seit Jahren und hat die Geburten von Sayangs Jungen und Thambi erlebt.

550 Kilometer auf Lastwagen

Der Transport erfolgt dann mit Lastwagen – 550 Kilometer geht die Reise nach Westen. Die Elefantenkühe Sayang und Saphira teilen sich jeweils mit einem Jungen eine Transportbox. Sitara reist allein im dritten Behälter. In regelmäßigen Pausen soll den Tieren dann Futter nachgereicht werden. Die Elefanten werden stehend transportiert und vielleicht auch angeschnallt. „Das steht aber noch nicht fest“ sagt Zoo-Sprecherin Ivonne Riedelt. Zwei Tierpflegerinnen fahren mit nach Belgien und unterstützen dort die Eingewöhnung im neuen Gehege und das Kennenlernen der dortigen Pfleger – erst danach werden sie mit den bereits im Zoo Pairi Daiza gehaltenen Tieren zusammengebracht.

Hannovers Zoochef Andreas Casdorff ist zuversichtlich, dass alles reibungslos funktionieren wird – und er spricht lobend über den Tierpark der belgischen Kollegen. „Das sind optimale Voraussetzungen“, sagt Casdorff und fügt an, er sei sich sicher, dass sich die Tiere dort sehr wohlfühlen werden.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen Direktor Casdorff und die Pflegerinnen und Pfleger um Burdorf der Abreise entgegen. Sie freuen sich, dass die Zucht der bedrohten Tiere im Zoo einen solchen Erfolg hat. Seit 2013 wurden in Hannover 18 Asiatische Elefanten geboren. Ihre Aufzucht in Hannover und anderen Tiergärten im Verbund des Europäischen Zuchterhaltungsprogramms soll ein wichtiger Beitrag zum Überleben der Art sein. Asiatische Elefanten gelten inzwischen als stark gefährdet. Vor 60 Jahren lebten noch rund 160 000 Exemplare in freier Natur. Inzwischen sind es nach Angaben des Zoos noch etwa 30 000 Tiere – vornehmlich in Reservaten und Naturparks in Indien, Sri Lanka, Borneo, Sumatra, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Kambodscha, Vietnam und Laos.

Zoo plant modernere Elefantenanlage

„Wir haben zwar jetzt weniger Elefanten, aber so ist es auch einfacher, unsere Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen“, sagt Zoochef Casdorff mit Blick auf die kommenden Monate. Die Freiflächen sollen erweitert werden, um den großen Tieren genug Möglichkeiten zur Beschäftigung zu bieten und mehrere Futterstellen für unterschiedliche Nahrung einzurichten. Ein Elefant braucht 100 Kilogramm Futter am Tag. In freier Wildbahn sin die Tiere fast immer mit der Futtersuche beschäftigt, wenn sie nicht schlafen oder ruhen. „Das nehmen wir den Tieren hier ab“, sagt Casdorff. Deshalb müssten sie anderweitig beschäftigt werden.

Im Dschungelpalast soll der Randgraben des Elefantengeheges durch ein lang gezogenes Badebecken ersetzt werden. Nutzen die Elefantenkühe dieses im Sommer zur Abkühlung, sind sie noch näher als bisher an den Zoobesuchern dran. Auch das Bullenhaus wird umgebaut. Hier sollen ein Sandbad, eine Dusche und Schattenplätze für die Bullen entstehen. Beim Zoo nennen sie das einen „kleinen Wellnesstempel“. Zum Ende der Bauphase soll schließlich eine beheizte Laufhalle entstehen, in der sich die Tiere auch im Winter ausreichend bewegen können. Der nächste Schritt ist ein Architektenwettbewerb im Spätherbst – Hannovers Zoofreunde werden die Pläne mit Spannung erwarten.

Bald wieder Elefantennachwuchs?

Dass die neue Elefantenanlage wegen der aktuellen Abgänge leer wirken könnte, ist indes nicht zu erwarten. „Die Zucht läuft so gut, dass wir mit Sicherheit wieder Nachwuchs kriegen werden, um den wir uns mit der gleichen Hingabe kümmern werden“, sagt Pflegerin Dörte Burdorf.

Von Patrick Stein und Frank Donat

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