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Hannover Starvisagistin Avril Paul feiert Jubiläum mit Make-up-Society
Nachrichten Hannover Starvisagistin Avril Paul feiert Jubiläum mit Make-up-Society
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00:17 08.12.2018
Avril Paul schminkt ihr Model Caroline Schmitz. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Avril Paul. Dass der Familienname auch ein Jungenvorname ist, kann ein Zufall sein. Oder auch eine Verheißung? Auf jeden Fall liebt es Avril, damit zu spielen, manchmal auch Paul zu sein. Damit zu spielen, zwei Gesichter zu haben. Und irgendwie wundert es dann auch nicht, dass Avril Paul Visagistin geworden ist – kürzlich hat sie das Styling der Models beim Modepreis übernommen. Aber auch Stars und Sternchen verpflichten die Könnerin: etwa Natascha Ochsenknecht, Mirja du Mont, Klaus Meine von den Scorpions und Kirk Hammett, der Gitarrist der Band Metallica.

Interviewtermin in Avril Pauls Beautysalon in einem Fachwerkhaus in der Stammestraße: Die Visagistin, die auch Hairstylistin, Sängerin, Model, Songwriterin, Tänzerin, Fotokünstlerin ist, hat sich für das Gespräch ein Auge schwarz geschminkt, eines weiß. Sie erzählt davon, wie sie dort mit ihrem Team Haarschnitte und Kosmetikbehandlungen anbietet. Aber der Laden ist mehr, als ein Friseur und ein Kosmetikstudio. Sie bietet dort auch Make-up-, Styling- und Frisierkurse für Männer und Frauen an, die es selbst lernen wollen. Und sie bildet aus. An ihrer Privatschule kann man sich zum Hair-Stylisten und Make-up-Artist ausbilden lassen. „Ich nenne es Atelier“, sagt Avril Paul über den Laden, „er ist ein kreativer Pol für mich.“ Gerade ist die gelernte Industriekauffrau, die ihre Ausbildung in Hemmingen-Westerfeld absolvierte, 40 Jahre alt geworden. Doch die Zahl ist für Paul nicht wichtig. „Das Alter ist für mich etwas, um Menschen zu kategorisieren.“ Und Kategorien, man ahnt es natürlich, lehnt sie ab. „In meiner Kunst geht es auch darum, gesellschaftliche Klischees aufzulösen.“ Geschlechter, Klasse und Rasse sind für sie nur Raster, die den Menschen eine Orientierung geben, die sich ohne derartige Lebensleitplanken etwas verloren fühlen.

Visagistin Avril Paul startet als Musikerin durch

In ihrem „Atelier“ hängen Bilder wie zum Beweis der Wandelbarkeit. Paul als Femme Fatale in einer Kulisse der Zwanzigerjahre, Paul als maskuliner Paul, der entfernt an Sängerin Skin von Skunk Anansie erinnert. Nicht nur vor der Kamera, sondern auch im Leben sind ihre Rollen stets variabel. Sie ist einerseits eine strukturierte Unternehmerin mit zwei Festangestellten. Aber eben auch ein Fotomodel für das Verruchte und melancholische Philosophin, der die Ungerechtigkeiten dieser Welt den Kopf zerbrechen.

Und immer häufiger ist Paul, die Tochter eines Deutschen und einer Südafrikanerin, jetzt auch wieder Musikerin. „Ich mache Rock mit Gothic-Einflüssen“, erklärt sie. „Ich habe mich fünf Jahre lange nur auf Make-up konzentriert. Jetzt bin ich in eine Phase in meinem Leben gekommen, in der ich mehr und mehr eigene Dinge präsentieren will“, erklärt sie.

Ihr Musikprojekt hat sie Paul V Rila genannt. Ein Anagramm aus den Buchstaben, die sich auch in die Reihenfolge Avril Paul bringen lassen. „Ich reflektiere gerne Gegensätzlichkeiten.“ Die spielerische Auseinandersetzung mit maskulinen und femininen Aspekten, die Ambivalenz des Androgynen reize die 40-Jährige besonders, erklärt sie. Und dabei redet sie lieber vom Mensch, als von Frau und Mann. Das treibe sie um, lasse sie über das Leben sinnieren. Über ihre musikalischen Einflüssen sagt sie: „Ich liebe die Achtziger Jahre. Meine Vorbilder sind Tina Turner, Depeche Mode, Eurhytmics.“ Dementsprechend düster und melancholisch kommt ihr Synthie-Pop zeitweise daher, gesättigt mit Drama und Eindringlichkeit. Wenn sie Songs am Keyboard komponiere, dann komme ihr wandlungsliebender Geist etwas zur Ruhe.

Seit 2001 lebt sie in Hannover. Mittlerweile fühle sie sich angekommen. „Ich bin hier aufgewachsen. Das ist meine Heimat. Ich reise sehr gerne, aber hier bin ich zu Hause.“ Jetzt beginnt für Avril Paul ein neuer Lebensabschnitt. „Ich freue mich auf eine kreative Reise. Wir sind bereit für das Booking.“ Das sagen Musiker, wenn sie meinen: Wir sind bühnenreif, bucht uns! Die Single „Stone on Stone“ wird demnächst im Internet veröffentlicht. Ihre Botschaft? „Ich glaube, wir würden in einer besseren Welt leben, wenn wir uns alle mehr reflektieren würden“, sagt sie mit in die Ferne schweifendem Blick, der den Gesprächspartner spekulieren lässt: Wahrscheinlich vollzieht sich irgendwo in Pauls Kopf gerade wieder die nächste Wandlung.

Von Marleen Gaida

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