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Hannover Gaffer bringen Bahnverkehr zum Erliegen
Nachrichten Hannover Gaffer bringen Bahnverkehr zum Erliegen
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00:15 15.09.2017
Die Feuerwehr verteilt die Brandreste, um Glutnester besser löschen zu können. Quelle: Oliver Kühne
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Hannover

„Das war extrem leichtsinnig“, sagt Martin Ackert, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover. Zwischen 19.16 und 20.07 Uhr fuhr kein Zug auf der Strecke, die Schuldigen konnten aber nicht festgenommen werden. Beim Großfeuer auf dem Holzlagerplatz einer Lehrter Recyclingfirma filmten und fotografierten sie die wütenden Flammen – und positionierten sich dabei so auf angrenzenden Gleisen, dass der Bahnverkehr gestoppt werden musste.

Bärbel Gollasch aus Ilsede-Bülten saß mit Hunderten anderen Reisenden in einer Westfalenbahn von Hannover in Richtung Braunschweig fest. „Der Zugführer machte mehrfach die Durchsage, dass sich die Abfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern würde“, sagt sie. Als Grund wurden demnach „Gaffer auf den Gleisen“ angegeben. Viele Passagiere hätten angesichts dieser Nachricht ungehalten reagiert. „Wie kann man nur so bescheuert sein?“, habe Gollaschs Sitznachbarin verständnislos gefragt. Erst etwa 20 Minuten später habe die Bahn losfahren können.

"Hochgradig lebensgefährlich"

Die Bundespolizei hatte die Bahnstrecke sofort sperren lassen. „Eine Streifenwagenbesatzung ist umgehend zum betroffenen Abschnitt gefahren“, sagt Ackert. Die Gleise liegen direkt neben dem Gelände der Recyclingfirma Timberpak. Die Beamten aber konnten dort keine Schaulustigen mehr ausfindig machen. Offenbar waren sie kurz zuvor verschwunden. Der Aufenthalt auf den Gleisen sei „hochgradig lebensgefährlich“ gewesen, sagt Bundespolizeisprecher Ackert, schließlich „herrschte wegen des dichten Rauchs auch noch schlechte Sicht“. Womöglich hätte ein Lokführer die Schaulustigen zu spät sehen und nicht mehr rechtzeitig bremsen können.

Das Betreten der Gleise stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. „Als Buße drohen 25 bis mehrere Tausend Euro“, sagt Bundespolizist Ackert. Doch es kann noch empfindlichere Strafen geben: „Wenn der Zugführer eine Notbremsung einleitet, können Reisende in der Bahn stürzen oder durch herumfliegendes Gepäck verletzt werden“, sagt Ackert. Dann werde das Betreten der Gleise als gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr gewertet - eine Straftat.

Generell beklagen Einsatz- und Rettungskräfte, dass Unbeteiligte immer öfter zum Smartphone greifen. Sie stören beim Filmen Einsätze und missachten bei Unglücken oft auch die Privatsphäre der Opfer. Dass Gaffer nun aber offenbar auch Gleise betreten, um Unglücksorte zu filmen, ist für die Bundespolizei neu. „Das habe ich so noch nicht erlebt“, sagt Ackert. Zugreisende Bärbel Gollasch ist immer noch fassungslos. „Wieso filmen Gaffer so etwas?“, fragt sie. „Das ist doch einfach nur bescheuert.“

Drei Großbrände seit Januar

Das Feuer auf dem Recyclinghof ist bereits der dritte Großbrand in Lehrte seit Januar. Damals brannte eine Turnhalle, im März wiede­rum ging schon einmal ein Holzstapel beim Timberpak in Flammen auf. Möglicherweise ist ein Brandstifter in der Stadt aktiv, die Polizei ermittelt und bittet um Zeugenhinweise.

Unterdessen löscht die Feuerwehr weiterhin den Berg aus rund 1000 Tonnen Altholz. Der Brand war am Sonnabend gegen 16 Uhr bemerkt worden. Die Einsatzkräfte entschieden sich, den mehr als zehn Meter hohen Berg kontrolliert abbrennen zu lassen. „Alles andere hätte einen immensen Material- und Personalaufwand benötigt“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Keil, „außerdem wären riesige Mengen an verunreinigtem Löschwasser angefallen.“pah/ok     

von Peer Hellerling

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