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Gericht verhandelt über Weiterverkauf von Tickets

Klage gegen Online-Händler Gericht verhandelt über Weiterverkauf von Tickets

Wer ein Ticket online kauft, sollte auf Überraschungen gefasst sein. Sogenannte Zweitmarkthändler verkaufen teils personalisierte Tickets, mit denen der neue Besitzer dann im Zweifel gar nicht eingelassen wird. Jetzt soll gerichtlich geklärt werden, ob personalisierte Tickets weiterverkauft werden dürfen.

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Quelle: dpa

Hannover. Fast 1250 Euro für zwei Konzerttickets für Sopran-Star Anna Netrebko in der Hamburger Elbphilharmonie, über 1000 Euro für die Champions-League-Partie zwischen FC Chelsea und Real Madrid: Der internationale Ticket-Schwarzmarkt treibt die Preise in die Höhe - zum Ärger sowohl der Fans als auch der Veranstalter. Sogenannte Zweitmarkthändler verkaufen teils auch personalisierte Tickets, auf denen der Name des Käufers vermerkt ist. Wird ein solches Ticket weiterverkauft, ist es Glückssache, ob der neue Besitzer eingelassen wird.

Das sei wettbewerbswidrig, wenn das Risiko, von Veranstaltern abgewiesen zu werden, nicht genannt werde, sagt Johannes Ulbricht vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (BDV). Das ist dem Verband ein Dorn im Auge. Vor allem deshalb, weil personalisierte Veranstaltungstickets eigentlich dabei helfen sollen, den Zweitmarkt in die Schranken zu weisen. Jetzt soll gerichtlich geklärt werden, ob personalisierte Tickets weiterverkauft werden dürfen. Der Verband klagt gegen den Online-Marktplatz Ticketbande mit Sitz in den Niederlanden. Verhandelt wird am Donnerstag am Landgericht Hannover.

Fragen und Antworten

Was bringt der Weiterverkauf personalisierter Tickets den Käufern?

Es gibt sie bei manchen Fußballspielen, auch bei Konzerten - wenn denn die Künstler das wollen: personalisierte Tickets. Kontrolliert der Veranstalter am Eingang in Stichproben die Ausweise und die Namen stimmen nicht überein, dann darf er dem Betreffenden den Einlass verwehren. Darüber werden Kunden der Zweitmarkthändler aber oft nicht informiert, wie Ulbricht betont. Außerdem sind die über den Schwarzmarkt weiterverkauften Tickets oft um ein Vielfaches teurer als der ursprünglich für die Karten bezahlte Preis. Auch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnte unlängst, es gebe Beschwerden zu den Handelsplattformen Viagogo und Ticketbande. Tickets würden dort oft mit hohen Aufschlägen und überraschenden Zusatzentgelten verkauft.

Helfen personalisierte Tickets gegen den Weiterverkauf - oder gibt es bessere Wege?

Nur dann, wenn tatsächlich bei der Einlasskontrolle die Namen auf den Tickets mit dem Ausweis abgeglichen werden. Es gebe Festivals, Großkonzerte oder hochkarätige Shows, deren Tickets personalisiert seien, sagt Ulbricht. Der logistische Aufwand sei dann aber immens. Moritz Schwenkow, Vorstandschef von myticket.de, spricht von einem „Riesen-Kontrollprozess“ und langen Warteschlangen. Zudem müssten die Tickets etwa bei einer unerwarteten Erkrankung des Kunden auf den Namen des neuen Besitzers umgeschrieben werden. Schwenkow setzt eher auf eine technologische Lösung - gewissermaßen das virtuelle Ticket, das die Transaktionen per Blockchain - eine Art digitaler Kontoauszug, eine Technologie, die auch der Digitalwährung Bitcoin zugrunde liegt - speichert. Darin müsse dann festgelegt werden, dass die Tickets nur mit einem gewissen Aufschlag weiterverkauft werden dürfen, schlug er vor.

Wie groß ist das Geschäft der Schwarzmarkthändler?

Das ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall sei der Markt milliardenschwer, sagt Ulbricht. Der Veranstalter Live Nation geht von 3 bis 5 Prozent des gesamten Ticketvolumens in Deutschland aus, wobei dies nur für die relevanten Tourneen gelte. Schwenkow sagte, er könne sich ein weltweites Volumen von rund acht Milliarden Euro gut vorstellen. Beispielsweise seien Ed-Sheeran-Konzerte binnen weniger Minuten ausverkauft gewesen: „Wir sprechen über begrenzte Kontingente, da wird es immer einen Schwarzmarkt geben“, erklärte er. Zu dem Ärger der Kunden, die auf den Schwarzmarkt-Plattformen oft deutlich mehr zahlen müssen als auf dem Ticket steht, komme ein weiteres Problem: Die hohen Preise gerade für die Großveranstaltungen bedeuteten Margen, die an den Künstlern vorbeigingen.

Was will der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft erreichen?

Nach Ulbrichts Angaben wurden bereits mehrere einstweilige Verfügungen erwirkt, nun solle im Hauptsacheverfahren geklärt werden, ob personalisierte Tickets verkauft werden dürfen. „Wir wollen dem Zweitmarkt einen Riegel vorschieben“, sagte er. Dazu setze der Verband auf mehr Personalisierung, aber auch auf eine Gesetzesänderung - es soll damit rechtswidrig werden, Tickets ohne Einwilligung teurer weiterzuverkaufen.

Von dpa

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