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Hannover Ratspolitik fordert mehr Plätze in Frauenhäusern
Nachrichten Hannover Ratspolitik fordert mehr Plätze in Frauenhäusern
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00:19 27.09.2018
Ein seltenes Bild: Meist sind die Zimmer in Frauenhäusern belegt. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Rund 400-mal pro Jahr müssen Frauenhäuser in der Region Gewaltopfer abweisen. Darunter sind auch Frauen, die von ihrem Peiniger schwer misshandelt werden und dennoch monatelang auf einen Platz in einem Schutzhaus warten müssen. Die Ratspolitik in Hannover ist alarmiert und fordert, mehr Plätze im städtischen Frauenhaus zu schaffen. SPD und Grüne bereiten Anträge vor, um Geld im kommenden Doppelhaushalt 2019/2020 bereitzustellen. Mehr Kapazitäten für in Not geratene Frauen zu schaffen sei ein Schwerpunktthema in den Haushaltsberatungen Mitte Oktober, heißt es gleichlautend aus beiden Ratsfraktionen. Die CDU schlägt vor, mindestens 5 Millionen Euro für ein weiteres Frauenhaus auszugeben.

Ein zentraler Grund des Platzmangels ist nach Angaben von Dorit Rexhausen vom Frauen- und Kinderschutzhaus Hannover die Unterversorgung mit bezahlbarem Wohnraum in der Region. Aufgrund der schwierigen Situation auf dem Wohnungsmarkt blieben viele Bewohnerinnen viel länger als früher in einem Frauenhaus, sagt Rexhausen. Dadurch fehle Platz für Neuaufnahmen. Die Situation habe sich seit zwei bis drei Jahren deutlich verschärft. Besonders alleinstehende Frauen und Frauen mit mehr als zwei Kindern hätten Probleme, eine Wohnung zu finden. Im Schnitt blieben die Frauen ein Dreivierteljahr im Frauenhaus, manchmal dauere der Aufenthalt aber auch deutlich länger. Ein Beispiel: Eine Frau mit sechs Kindern habe zweieinhalb Jahre warten müssen, bis sie mit ihren Kindern endlich in eine eigene Wohnung ziehen konnte.

„Wir müssen mehr Kapazitäten schaffen“, sagt SPD-Ratsfrau Afra Gamoori, sei es im Frauenhaus oder durch Wohnungen, die angemietet werden. Die Hilfe für in Not geratene Frauen werde voraussichtlich der größte Posten bei den Haushaltswünschen. Das sehen die Grünen ähnlich, wollen aber noch keinen Betrag nennen. Abstimmen müssen sich die Bündnispartner noch mit der FDP. Die Liberalen haben ebenfalls keine Zweifel, dass mehr Plätze nötig sind. „Wir sollten uns dabei mit der Regionsverwaltung abstimmen“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Die CDU will am liebsten einen gemeinsamen Antrag mit den Mehrheitsfraktionen auf den Weg bringen. „Wir sollten unsere Kräfte bündeln“, sagt CDU-Ratsherr Dieter Küßner.

Grüne plädieren für Sofortaufnahmestelle

Die Grünen haben schon konkrete Vorstellungen, wie die Entlastung aussehen kann. „Wir wünschen uns die Einrichtung einer Sofortaufnahmestelle“, sagt Grünen-Ratsfrau Renee Steinhoff. Ähnlich wie in Hamburg könnten Frauen dort zunächst mehrere Tage bleiben, und parallel wird in Beratungsgesprächen geklärt, wie es weitergeht. Zudem überlegen die Grünen, ein Angebot speziell für junge Frauen zu schaffen, etwa Minderjährige, die zur Heirat gezwungen wurden. „Diese Frauen möchten eine sichere Unterkunft, wollen aber auch Freunde einladen“, sagt Steinhoff.

Die Opfer im Frauenhaus Hannover waren 2017 zu 75 Prozent Migrantinnen oder Menschen mit deutschem Pass und Migrationshintergrund. Das habe vor allem damit zu tun, dass Migrantinnen oft keinen anderen Ort hätten, wo sie hingehen können, sagte Silke Dietrich vom Autonomen Frauenhaus Hannover am Montag. In Familien mit deutschen Wurzeln gebe es vielleicht eher noch jemanden, der sage, er nehme die Frau auf: die Eltern des Opfers, Geschwister, Freunde. Die Flüchtlingskrise von 2015/16 habe sich hingegen nicht auf die Bewohnerstruktur in ihrem Haus ausgewirkt.

Drei Häuser für 96 Frauen

Die drei Frauenhäuser der Region verfügen zurzeit über Unterkunftsplätze für 96 Frauen und Kinder. Das Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt wird derzeit jährlich mit rund 440.000 Euro, das Frauen- und Kinderschutzhaus mit rund 435.000 Euro von der Region gefördert. Das Autonome Frauenhaus erhält rund 350.000 Euro von der Stadt Hannover und rund 75.000 Euro von der Region.

Die Regionsverwaltung hat auf die chronische Überfüllung der Häuser mittlerweile reagiert. Anfang 2019 will sie der Regionsversammlung ein Gesamtkonzept zur Sicherung und Weiterentwicklung der Hilfen für Frauen aus gewaltgeprägten Lebensumständen zur Beschlussfassung vorlegen. Eine Erhöhung setzt einen politischen Beschluss in den Haushaltsplanberatungen voraus. Die Stadt stehe in engem Kontakt mit der Region, um die Situation der Frauenhauslandschaft perspektivisch zu verbessern, heißt es vonseiten der Stadt. Eine Erhöhung des Förderbetrags für das Autonome Frauenhaus beispielsweise setze allerdings einen politischen Beschluss in den Haushaltsplanberatungen voraus.

Von Jutta Rinas und Andreas Schinkel

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