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Hannover Schon 78 Grippetote in Niedersachsen
Nachrichten Hannover Schon 78 Grippetote in Niedersachsen
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00:30 06.04.2018
Eine der intensivsten Grippewellen der vergangenen Jahre ebbt ab. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
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Hannover

 Das Land Niedersachsen hat in diesem Jahr eine der schwersten Grippewellen der vergangenen Jahrzehnte erlebt. 78 Menschen seien bisher an der Krankheit gestorben, sagte die Sprecherin des Landesgesundheitsamtes, Dagmar Ziehm, am Dienstag. Das sind doppelt so viele Tote wie im Vorjahr. 

Es gebe jedoch eine hohe Dunkelziffer, da sich Grippeerreger nicht bei allen Verstorbenen feststellen ließen. Seit dem vergangenen Herbst hat die Behörde mehr als 16.000 Grippefälle im Bundesland registriert.  

Bundesweit sind bisher 971 Patienten durch Influenza-Viren gestorben. Die große Mehrheit dieser Personen – 87 Prozent – war über 60 Jahre alt. Derzeit ebbt die Grippewelle mit den steigenden Temperaturen stark ab. Wenn am Wochenende 20 Grad erreicht würden, dann habe sich die Influenza für diese Saison weitgehend erledigt, sagt der Direktor der Lungenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Prof. Tobias Welte. Welte, der seit 30 Jahren mit Grippepatienten zu tun hat, sagt: „Das war die schlimmste Grippewelle, die wir je hatten.“ Über Wochen war in der MHH, in der die besonders schweren Fälle behandelt wurden, die Hälfte der nichtchirurgischen Betten mit Grippepatienten belegt. 

Ähnlich dramatisch war die Situation auch am Klinikum Siloah in Hannover. „Wir waren sechs Wochen im Ausnahmezustand“, sagte der Sprecher des Regionsklinikums, Bernhard Koch. In den Krankenzimmern sei es zeitweise sehr eng gewesen. Vor allem bei den Ärzten fielen zahlreiche Überstunden an. Zeitweise mussten wegen der hohen Belastung durch die Grippepatienten Operationen verschoben werden. 

Nach Angaben des Gesundheitsamtes der Region Hannover hatte die Influenza-Saison Ende November vergangenen Jahres mit den ersten drei gemeldeten Krankheitsfällen begonnen. Zunächst sei der Verlauf normal gewesen – doch dann habe es einen rasanten Anstieg gegeben, sagt Regionssprecherin Carmen Pförtner. Der Höhepunkt sei Anfang Februar mit fast 500 gemeldeten Neuerkrankungen in einer Woche erreicht worden. Seitdem fallen die Zahlen wieder. Von Karfreitag bis zum Dienstag wurden hier 17 neue Influenza-Fälle gezählt. Wie viele Grippetote es in der Region gab, konnte das Gesundheitsamt nicht sagen. 

Influenza-Experte Prof. Welte vermutet als eine der Ursachen für die hohe Zahl der Grippepatienten die zunehmende Impfmüdigkeit. Deutschland befinde sich bei der Impfbereitschaft auf dem fünftletzten Platz in Europa. Die Ansteckungsgefahr könne auch dadurch zugenommen haben, dass mehr Kinder in Kindertagesstätten untergebracht würden. Dort würden die Viren besonders leicht übertragen, sagt Welte. 

Vor der kommenden Grippesaison soll nun voraussichtlich eine Impfung mit dem sogenannten Vierfachimpfstoff Standard werden, der vor vier statt nur vor drei Virustypen schützt.

Von Mathias Klein

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