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Hannover Stadt will Roderbruch sozial sanieren
Nachrichten Hannover Stadt will Roderbruch sozial sanieren
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10:00 30.11.2018
Bedarf für Verschönerung? Der Roderbruchmarkt. In Roderbruch leben etwa 90 Nationen. Quelle: Foto: Michael Zgoll
Groß-Buchholz

Ob der Roderbruch in den nächsten Jahren mit einer Millionenförderung aus dem Programm „Soziale Stadt“ rechnen kann, ist noch offen. Aber ein erster Schritt ist getan: Der Bezirksrat Buchholz-Kleefeld stimmte jetzt einstimmig dem Antrag der Stadtverwaltung zu, ein Vorgutachten in Auftrag zu geben. Die Untersuchung soll klären, ob ein Förderantrag beim Land sinnvoll ist und welche Viertel konkret infrage kommen.

Aktuell gibt es in Hannover fünf Quartiere, die aufgrund ihrer besonders schwierigen sozialen Lage als mögliche Sanierungsgebiete geprüft werden. Der Roderbruch, in dem etwa 90 Nationen leben, wird wie Davenstedt oder der Nordosten von Oberricklingen im städtischen Sozialatlas als sogenannter Aufmerksamkeitsbereich eingestuft. Etwa jedes zweite Kind wächst in armen Verhältnissen auf. 90 Prozent der Familien, die ihre Kinder zur IGS Roderbruch schicken, haben ausländische Wurzeln.

Als sozialer Brennpunkt steht der Roderbruch bereits seit vielen Jahren auf der Förderliste der Stadt. Im Rahmen des Quartiersmanagement werden soziale Projekte wie „Hallo Einstein“ oder „Rucksack Schule“ unterstützt. Aber mit dem Geld aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“, finanziert von Bund, Land und Stadt, könne man weitaus mehr bewegen, um die Lebensbedingungen im Stadtteil zu verbessern, betonte der zuständige städtische Koordinator Stephan Lehmann in der Sitzung des Bezirksrats.

Mögliche Mietsteigerungen als Folge einer Sanierung der Hochhäuser, die die Linke befürchtet, werde man mit Preisbindungen verhindern, sagte Lehmann. Außerdem will die Stadt als Gegenleistung zu Fördermitteln Belegrechte für Wohnungen im Viertel verlangen. Die Großwohnsiedlung am Osterfelddamm, Nobelring und Kosselhof, einstmals im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBH, gehört mittlerweile der Vonovia, Deutschlands größtem Wohnungskonzern. Die Sorge der Politiker ist nicht ganz unbegründet: In der Großsiedlung Sahlkamp-Mitte hat die Vonovia in den vergangenen Jahren alle städtischen Belegrechte in ihrem umfangreichen Wohnungsbestand durch Rückkauf abgelöst, um höhere Mieten verlangen zu können.

Kommentar: Beistand für die Brennpunkte

Als sozialer Brennpunkt ist der Roderbruch in Groß-Buchholz schon seit Jahren eingestuft. Rund 90 Nationen wohnen hier zusammen, jedes zweite Kind lebt in Armut. Schon jetzt wird viel investiert in den Stadtteil – sowohl finanziell als auch mit etlichen Projekten, die vor allem Familien unterstützen sollen. Eine zusätzliche Millionen-Förderung aus dem Programm Soziale Stadt von Bund, Land und Stadt käme dennoch sehr gelegen.

Vor allem steigende Mieten machen den Menschen im Viertel zu schaffen. Viele Belegrechte vornehmlich in den Hochhaussiedlungen laufen aus und es wird befürchtet, dass viele Wohnungen dann aufwendig saniert und damit deutlich teurer werden. Auch das Miteinander funktioniert an vielen Ecken nicht besonders gut, mittlerweile ist auch das wöchentliche Marktgeschehen auf dem Platz im Herzen des Roderbruchs kein Garant mehr für den nachbarschaftlichen Austausch. Die Gebühren für die Standbetreiber erhöhen sich – ohnehin zieht es nur noch wenige Menschen und Händler zum Obst- und Gemüsekauf auf den Roderbruchmarkt.

Mit einer finanziellen Förderung könnte man in bereits laufende Projekte investieren und vor allem das Miteinander im Viertel stärken, Angebote für Familien und Kinder ausweiten und auch wieder mehr Leben auf die öffentlichen Plätze bringen. Die Chancen stehen nicht schlecht für den Roderbruch – allerdings hat das Quartier in puncto Zuwendung auch eine starke Konkurrenz – so sind ein Teil Oberricklingens sowie Davenstedts ebenso als Förderschwerpunkte im Gespräch. Es ist gut, dass alle diese schwierigen Brennpunkte nicht aus den Augen verloren werden.

Von Gabi Stief

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