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Hannover Messe „Veggieworld“: Nudeln aus Algen und Honigwein ohne Honig
Nachrichten Hannover Messe „Veggieworld“: Nudeln aus Algen und Honigwein ohne Honig
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00:17 09.10.2018
Guten Appetit: Die Veggieworld lädt ein – Solvejg Klein und ihre Schokolade. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Regine Behrmann-Thiele isst nichts Warmes mehr und fühlt sich so gesund wie lange nicht. Sie schwört auf Rohkost und Biofrüchte aus Spanien. Seitdem sie sich von Papaya, Mango und Avocado ernähre, sei sie nicht nur gesünder, sondern fühle sich auch ausgeglichener: „Ich habe viel mehr Energie“, sagt die Frau aus Wennigsen, die ihre Früchte als Direktimport aus Spanien nicht nur regelmäßig auf dem Lindener Wochenmarkt anbietet, sondern auch online und an diesem Wochenende auf der Veggieworld in der Eilenriedehalle des Hannover Congress Centrums. Es gibt nicht nur Früchte pur, sondern auch Schichtsalate und Smoothies.

70 Aussteller präsentieren sich, darunter auch Andreas Dietzler (46) mit seinen Beerenweinen, Likören und Schnäpsen. Die Glasflaschen und Tonkrüge tragen Namen wie „Druidenfeuer“, „Hexengalle“ und „Feengold“. Auf Mittelaltermärkten hat der Betrieb aus dem unterfränkischen Westerngrund bei Aschaffenburg längst einen Namen, bei Veganern muss er sich noch einen machen: „Nicht jeder, der Mittelalterfeste besucht, ist auch Veganer“, sagt Dietzler. Für die Messe in Hannover hat er ein besonderes Produkt mitgebracht: „Vonig“, ein Honigwein ohne Honig, aber mit veganem Met. Dass Wein vegan ist, also ohne tierische Stoffe, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn viele Winzer setzen beim Filtern Gelantine in, um die Trübstoffe abzubinden. „Beerenweine“ nimmt stattdessen feine Edelstahlfilter.

Sonst meist auf Mittelaltermärkten: Andreas Dietzler mit seinen Beerenweinen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Bewusstes Essen ist den vier Studentinnen Inger, Marina, Talea (alle 20) und Lisa (23) wichtig. Obwohl das Einkaufen nicht immer leicht sei, wie Lisa sagt. „Soll ich die in Plastik eingeschweißte Biogurke nehmen oder die unverpackte, aber konventionell hergestellte?“ Unter Studenten gebe es immer mehr Veganer oder Vegetaierer, erzählen die vier. Auch Viktoria (19), Jurastudentin aus Leipzig, ist seit 2015 Veganerin. Ihre Mutter Sabine (56) findet das prima. Von Fleischersatzprodukten wie veganen Würstchen hält Viktoria nicht so viel: „Ich verzichte darauf ja gerade bewusst.“

Solvejg Klein (31) aus Wuppertal bietet mit ihrem Unternehmen „Das Bernsteinzimmer“ liebevolle Schokoladenkreationen an, die ganz ohne Milchprodukte auskommen. „Schokolade herzustellen ist meine Bestimmung“, sagt sie. Jeder Mensch habe etwas, was er ganz besonders gut könne, bei ihr sei das, Schokolade und Pralinen herzustellen. „Schokolade ist eine Diva, und die muss man auch so behandeln“, meint Klein, „da kann man nicht mal gedankenlos irgendwas zusammenrühren.“ Sie empfiehlt besonders Salz-Lakritz-Schokolade und passend zum Herbst die Kürbiskernnougatpraline.

2017, als die Messe zum ersten Mal in Hannover stattfand, kamen rund 4000 Besucher. Für dieses Jahr rechnen die Veranstalter mit einem ähnlichen Andrang. Neben Eis ohne Milch, Nudeln aus Algen und Gemüse-Chips gibt es auch Naturkosmetik, zum Beispiel von Jolu aus Dargun (Mecklenburg-Vorpommern). Ihr Haarshampoo ist nicht flüssig, sondern fest und hat die Pflegespülung gleich inklusive, wie Matthias Benkert (44) erläutert. Ebenso wichtig wie vegane Inhalte sei auch die faire Produktion. „Jolu“ arbeitet zusammen mit einer Kooperative aus Uganda, die Pflanzenöle presst. Von jedem verkauften Sheaprodukt gehen 50 Cent an eine dortige Schule.

Festes Shampoo mit Pflegespülung inklusive. Mathhias und Carina Benkert mit ihrer Naturkosmetik „Jolu“. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Veggieworld in der Eilenriedehalle des HCC hat am Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Tickets an der Tageskasse kosten 12, ermäßigt 10 Euro.

Von Saskia Döhner

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