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Hannover Handyverbot? Das sagen Hannovers Schulleiter
Nachrichten Hannover Handyverbot? Das sagen Hannovers Schulleiter
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00:20 10.08.2018
Gehört das Handy auf den Schultisch wie Schreibblock und Apfel? Quelle: dpa
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Hannover

Ein landesweites Handyverbot für Schulen in Niedersachsen hält Philologenchef Horst Audritz für unnötig: „Nicht der Gebrauch, sondern der Missbrauch ist das Problem.“ So dürften Schüler Smartphones natürlich nicht nutzen, um in Prüfungen zu schummeln, wenig hält er auch davon, wenn Kinder auf dem Schulhof ins iPhone gucken anstatt miteinander zu reden oder Fußball zu spielen. Als notwendiges Ergänzung im Unterricht könnten Handys aber durchaus sinnvoll sein, sagt er, auch wenn Audritz überzeugt ist, dass man zwar englische Vokabeln im Smartphone nachgucken kann, aber der Umgang mit einem gedruckten Wörterbuch vermittle den Schülern noch mehr: „Das Anfassen, die Haptik fehlt beim digitalen Nachschlagen.“ Wichtig sei, dass Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien lernten. Das könnten Schulen am besten vor Ort entschieden, jeder Standort für sich selbst.

Chancen und Risiken digitaler Medien lernen

Auch von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kommt ein klares Nein zu einem generellen Handyverbot: „Das halten wir für nicht zielführend und (das) wird daher nicht erwogen“, lässt er über einen Sprecher miteilen. Im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule hätten die Schulen in Spielräume, eigene Regeln zur Handynutzung aufzustellen, etwa über Nutzungsvereinbarungen zwischen Schule und Schülerinnen und Schülern. Das Ziel sei, den Einsatz digitaler mobiler Endgeräte als ein Lernwerkzeug pädagogisch und didaktisch fundiert im Unterricht zu verankern – und zwar nicht in einem speziellen Fach, sondern fächerübergreifend. Dazu gehöre es auch, die Gefahren und Risiken digitaler Medien zu thematisieren.

Von der Stadt kommt nur das Netz

Nach Auskunft der Stadt ist der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht und die Entwicklung von Medienkompetenz eine Anforderung von Schulen und Eltern, dazu bedürfe es auch einen Zugangs zu diesen Medien. Die Stadt stelle als Schulträger hierfür allenfalls die technische Ausstattung für die Nutzung von „zugelassener“ elektronischer Ausstattung zur Verfügung, sagte eine Sprecherin. Das könne auch ein WLAN-Zugang sein. Wer dann mit welchem Gerät Zugang finde, sei durch die Schule, die Landesschulbehörde, das Kultusministerium zu regeln. Wenn die Schüler ihre eigenen Geräte mitbrächten (“Bring your own device“), muss der Schulträger sicherstellen, dass sie nicht auf verbotene Seiten oder auf Hilfen in Prüfungen zugreifen können. Dabei kann in Pausen eine andere Regel gelten als im Unterricht. dö

An der Tellkampfschule in Hannover gibt es über die Schulordnung ein Handyverbot für Schüler der Sekundarstufe I, also bis zur 10. Klasse. „Ein generelles Verbot befürworte ich aber nicht“, sagte Leiterin Katharina Badenhop, Leiterin der Tellkampfschule. Ältere Schüler hätten bei einer Umfrage angegeben, dass sie selbst rückblickend eine grenzenlose Freigabe der Handynutzung für die Jahrgänge 5 bis 8 nicht befürworten würden, ergänzt Badenhop, da seien Jugendliche vielleicht sogar strikter in ihrer Ansicht als Lehrer. Zudem müssten Schulen in Notsituationen auch den Kontakt zu den Eltern gewährleisten. Am schnellsten dürfte die Kontaktaufnahme im Ernstfall tatsächlich über das Handy der Kinder funktionieren. Auch an der IGS Kronsberg gibt es kein generelles Handyverbot, wohl aber Regeln, an die sich alle Schüler halten, wie Leiterin Kathleen Fleer sagt.

„Handys hindern am gemeinsamen Spiel“

An der Grundschule Mengendamm dürfen die Kinder kein Mobiltelefon mit in die Schule bringen. Für Rektor Andreas Kathmann sprechen vielerlei Gründe für ein solches Verbot. Handys störten im Unterricht, es gebe die Gefahr des Abhörens im Unterricht, was den Persönlichkeitsschutz verletze. Und Lehrer könnten nicht kontrollieren, auf welche Internetseiten die Kinder in der Schule, auch in den Pausen, zugreifen würden. Das Wichtigste aber sei: „Gemeinsames Spiel ist pädagogisch sinnvoll und fördert die Kommuniktionsfähigkeit, Bewegung tut Kindern gut.“ Handys seien da nur im Weg. Smartphones seien zudem ein Prestigeobjekt, durch Neid und Angeberei werde der Schulfrieden gestört. Wenn die teuren Geräte dann entwendet würden, gebe es noch mehr Probleme, heißt es auf der Homepage der Grundschule.

Digitales Lernen geht oft nur über das Smartphone

Ein generelles gesetzliches Verbot helfe nicht weiter, sagt auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Andererseits hätten die Schulen oft vor „steinzeitliche Ausstattungen“, da müssten sich Lehrer auf das besinnen, was Schüler mitbrächten, und das seien eben Smartphones.

Von Saskia Döhner

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