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Hannover Abschied von Wilhelm Sandmann
Nachrichten Hannover Abschied von Wilhelm Sandmann
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11:21 09.04.2018
Die Trauergäste haben in der Jakobikirche Platz genommen Quelle: Körner
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Hannover

  Die Bänke sind gut besetzt in der Jakobikirche in Kirchrode, rund 200 Menschen sind am Freitag mittag gekommen. Familie, Wirtschaftsvertreter, Politiker und viele Künstler nehmen Abschied von Wilhelm Sandmann, dem früheren Geschäftsführer und Aufsichtsrat des Madsack-Verlags. Es ist ein sonniger, fast frühlingswarmer Tag. Und als Pastor Jürgen Sewening davon spricht, wie gern Sandmann an der südfranzösischen Küste auf seinem Segelboot unterwegs war, mögen viele Trauergäste gedacht haben: So ein Tag hätte ihm auch gefallen.

Sandmann, Jahrgang 1933, begann seine Laufbahn bei Madsack 1970 – damals war das Haus ein regionaler Zeitungsverlag, der die HAZ herausgab. Sandmann prägte das Unternehmen fast vier Jahrzehnte und war einer der Wegbereiter für die weitere Entwicklung zur heutigen Madsack Mediengruppe, die unter anderem Zeitungstitel in acht Bundesländern publiziert.

Sandmann habe für seinen Beruf gelebt, sagt Pastor Sewening. „Er kannte seinen Laden, von der Pforte bis zu den obersten Etagen.“ Das mag auch daran gelegen haben, dass der Weg vom gelernten Schriftsetzer zum Chef eines Zeitungshauses nicht geradlinig war. Aber konsequent. Beirren lassen habe sich Sandmann nie, schließlich gehörte er zum „eigensinnigen und eigenwilligen Stamm der Westfalen“. Die „Nischen in seinem Leben“ habe Sandmann bei seiner Familie gesucht, sagt Sewening. Mit seiner Frau Ulla, der bekannten Galeristin, habe er die Kulturszene in Hannover mitgeprägt. Ihm ist maßgeblich mit zu verdanken, dass 1997 neben dem Anzeiger-Hochhaus das neue Domizil der Kestnergesellschaft im früheren Goseriedebad entstand. Einen kleinen Eindruck von der liebevollen Beziehung, die Ulla und Wilhelm Sandmann geführt haben müssen, mag ein Ringelnatz-Zitat vermitteln: „Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken ...“ – so hat sich seine Frau von ihm verabschiedet. 

Der ehemalige HAZ-Chefredakteur Wolfgang Mauersberg, der einst von Sandmann eingestellt wurde, würdigt den Verleger in einer sehr persönlichen Rede. Sandmann habe stets darauf geachtet, die inhaltliche Unabhängigkeit der Redaktion zu schützen und den Journalisten so Raum für ihre Arbeit gelassen. 

Unter den Trauergästen sind viele bekannte Gesichter aus der Stadtgesellschaft, darunter Altkanzler Gerhard Schröder, Hirnchirurg Madjid Samii, der ehemalige Messechef Sepp Heckmann, der frühere niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche und Jobst Fiedler, einst Oberstadtdirektor. Auch Madsack-Aufsichtsratschef Karl Baedecker und Thomas Düffert, heute Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung, sowie weitere Madsack-Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglieder erweisen Sandmann die letzte Ehre.

Mit gefühlvollen Worten nehmen Sandmanns Kinder Abschied. „Du hast immer mit Vollgas gelebt – und du warst ein toller Vater“, sagt Sohn Robert. Tochter Katrin zitiert frei den römischen Denker Seneca: „Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück: Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt.“  

 

Von Juliane Kaune

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