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Großer Andrang beim interkulturellen Weihnachtsfest

Kirchenfest Großer Andrang beim interkulturellen Weihnachtsfest

Rund 400 Besucher haben am Sonnabend in der Lister Matthäuskirche  das traditionelle interkulturelle Weihnachtsfest gefeiert. Die Geschichte von der Geburt Jesu wurde in neun Sprachen verlesen. 

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Kinder der Gemeinde-Kita gestalten den Gottesdienst beim interkulturellen Weihnachtsfest mit.

Quelle: Andreas Schinkel

Hannover.  Keine Orgel spielt zu Beginn des Gottesdienstes, sondern orientalische Gesänge und Bongotrommeln empfangen die Besucher. Alles ist etwas anders bei dieser Kirchenfeier am Sonnabend in der Lister Matthäuskirche. Das beginnt schon bei Titel und Termin der Veranstaltung. Zum Weihnachtsfest lädt die Gemeinde, und das am 13. Januar. „Eigentlich sind die meisten Weihnachtsbäume längst entsorgt“, wird Landessuperintendentin Petra Bahr später in ihrer Predigt sagen. Aber an diesem Nachmittag wird ein Weihnachtsfest für alle gefeiert, auch für jene Christen, die die Geburt Jesu deutlich später zelebrieren, etwa die serbisch-orthodoxe Kirche (am 6. und 7. Januar).

400 Besucher sind in die Matthäuskirche gekommen. Sie erleben einen Gottesdienst mit viel Musik und vor allem vielen Sprachen. Die Weihnachtsgeschichte nach dem weniger bekannten Matthäusevangelium wird in neun Sprachen vorgetragen, auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Finnisch, Serbisch und Vietnamesisch. Auch die Lieder werden in mehreren Sprachen gesungen. Am Schluss fordert Pastorin Nathalie Wolk alle Besucher auf, „O du fröhliche“ in der jeweils eigenen Sprache anzustimmen.

Symbol des interkulturellen Weihnachtsfest ist für Landessuperintendentin Bahr nicht der Tannenbaum, sondern die Palme. In ihrer wie gewohnt sehr bildhaften Predigt greift sie eine alte Legende auf, die sich die Christen in Ägypten erzählen. Eine Dattelpalme in der Wüste, gepflanzt von der Königin von Saba, spendet Maria, Josef und dem Jesuskind Nahrung und Schatten auf ihrer Flucht vor Herodes. 

Für Bahr steht die Palme in dieser Erzählung nicht nur für den Schutz von Geflüchteten, sondern auch für die Nähe von Judentum und Christentum. Denn der Legende nach hatte die Königin den Baum einst für König David gepflanzt. „Wir Christen wissen um unsere Wurzeln“, sagt Bahr. Das sei keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen Antisemitismus wieder salonfähig geworden ist. Bahr führt Beispiele an: ein Rabbiner, der auf offener Straße bespuckt wird, ein jüdisches Schulkind, das hingekritzelte SS-Zeichen auf ihrer Mappe findet. „Das Weihnachtsfest ist nicht das Fest der Trennung vom jüdischen Glauben“, sagt Bahr.

Die Frage, wie Menschen unterschiedlichder Religion und Herkunft zusammenfinden können, beschäftigt eine Podiumsdiskussion nach dem Gottesdienst. Einmal mehr muss der Fußball als Analogie herhalten. Die meistem Nationalteams bestünden aus Spielern mit untrerschiedlichen ethnischen Wurzeln, sagt Pastorin Wolk. „Macht uns Vielfalt besser?“, will sie wissen. „Das ist so, auch in Kunst und Musik“, erwidert Myriam Abdel-Rahman Sherif vom Rat der Religionen in Hannover. Am Schluss der Diskussion wartet Bürgermeister Thomas Hermann mit einer weiteren Analogie auf. Die Zukunft Hannovers sei wie ein bunter, wohlschmeckender Cocktail aus verschiedenen Säften. 

Damit ist das Stichwort für den zweiten, geselligen Teil des Weihnachtsfests gegeben. So vielfältig wie die Sprachen im Gottesdienst ist auch das Buffett, das aufgebaut wird. „Vor allem deswegen bin ich gekommen: Verschiedene Menschen treffen und andere Speisen probieren“, sagt eine französischstämmige Besucherin.

Von Andreas Schinkel

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