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Hannover 60 Jahre SPD: Ehrennadel für Egon Kuhn
Nachrichten Hannover 60 Jahre SPD: Ehrennadel für Egon Kuhn
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00:18 15.07.2018
Genossen unter sich: Herbert Schmalstieg (von links), Yasmin Fahimi, Egon Kuhn, Edelgard Bulmahn und Philipp Schmalstieg. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Eilig hatte er es nicht dem Parteieintritt. 31 Jahre alt war Egon Kuhn, als er sich entschloss, Sozialdemokrat zu werden. „Eigentlich“, sagt der Mann, der zu den Urgesteinen der hannoverschen SPD gehört, „stand ich der DKP näher. Ein Prolet war ich, ein Malocher.“ Als Rangierer bei der Hafenbahn, damals noch in Osnabrück, legte sich der Gewerkschafter gern auch mal mit dem Betriebsdirektor an. Das machte ihn in der Chefetage verdächtig. „Die Kollegen sagten dann einfach, ich sei in der SPD.“ Weil es weniger suspekt war. Bei Klassenkämpfer Kuhn wiederum setzte sich die Erkenntnis durch, dass (Arbeiter)geschichte am ehesten wohl doch in der Partei Bebels und Liebknechts geschrieben wird. 1958 war es schließlich so weit: Kuhn ließ sich das SPD-Parteibuch abstempeln.

Längst ist der 91-Jährige selbst ein Teil der sozialdemokratischen Geschichte. Das haben zwei Genossen und zwei Genossinnen aus Hannover nun auf besondere Weise gewürdigt: Für seine sechs Jahrzehnte währende SPD-Mitgliedschaft bekam der überzeugte Lindener die goldene Ehrennadel – überreicht von Oberbürgermeister a. D. Herbert Schmalstieg, dessen Sohn Philipp, der dem SPD-Ortsverein Linden-Limmer vorsteht, der ehemaligen Bundesministerin Edelgard Bulmahn und ihrer Nachfolgerin in der Bundestagsfraktion, Yasmin Fahimi.

Schmalstieg senior hat zu Kuhn eine ganz spezifische Beziehung: „Ohne ihn wäre ich nicht Oberbürgermeister geworden.“ Denn es war Kuhn, damals Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Linden und als Strippenzieher bekannt, der den Sparkassenangestellten und Jungsozialisten Schmalstieg anno 1972 mit 28 Jahren zum jüngsten OB Deutschlands machte. „Das war in der Kneipe Krokodil“, erinnert sich Kuhn. „Ich habe gesagt, der soll es machen.“ Schmalstieg machte es dann 34 Jahre lang.

Kuhn hat ganze acht Volksschuljahre hinter sich, U-Boot-Kommandant wollte er werden. Doch es kam anders, als Autodidakt eignete er sich mit ungebremstem Eifer Wissen in der politischen Jugend- und Gewerkschaftsarbeit an. Auch als er 1965 Leiter des Freizeitheims Linden wurde, förderte er die Bildung „von unten“ – mit bundesweit beachteten Kultur- und Geschichtsprojekten. Er gründete die generationsübergreifende Otto-Brenner-Akademie und das Arbeiter-Stadtteilarchiv.

„Ich bin Marxist und Sozialist“, stellt Kuhn klar. Als streitbarer Genosse hat er stets versucht, die hannoversche Sozialdemokratie an ihre linken Wurzeln zu erinnern. Das war nicht immer leicht: „In den Fünfzigerjahren waren die Linken in der SPD nicht gern gesehen, und nach Godesberg wurde rücksichtslos aufgeräumt“, sagt er in Anspielung auf das 1959 verabschiedete Parteiprogramm, das die einstige Arbeiterpartei offiziell zur Volkspartei machte.

Ob die SPD noch eine Volkspartei ist – mit einem Wahlergebnis von nur 20,5 Prozent bei der jüngsten Bundestagswahl? „Die SPD bleibt immer oben“, sagt Kuhn zur bundesweiten Lage seiner Genossen. Unterzeichnet hat die Urkunde für seine 60-jährige Mitgliedschaft Parteichefin Andrea Nahles. Einverstanden sei er mit ihr nicht, sagt Kuhn rundheraus. Das „linke Bewusstsein“ sei in der Parteispitze zu wenig ausgeprägt. Aber der Altvordere ist sicher: „Das wird wiederkommen.“

Von Juliane Kaune

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