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Hannover 81-Jähriger muss für wiederholten Ladendiebstahl zahlen
Nachrichten Hannover 81-Jähriger muss für wiederholten Ladendiebstahl zahlen
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00:31 27.05.2018
Der Verhandlung im Gerichtsgebäude am Volgersweg blieb der betagte Angeklagte fern. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Immer mehr Senioren in Deutschland haben so wenig Geld zur Verfügung, dass sie als arm gelten. Damit steigt auch die Zahl der von Altersarmut Betroffenen, die kriminell werden – und sich beispielsweise mithilfe von Ladendiebstählen etwas mehr gönnen als sie es sich eigentlich leisten können. So musste sich jetzt ein 81-Jähriger aus Groß-Buchholz wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten: Er hatte in einem E-Center nahe Noltemeyer eine Flasche Prosecco im Wert von 1,79 Euro eingesteckt. Gegen einen Strafbefehl in Höhe von zehn Tagessätzen à zehn Euro hatte der Rentner Einspruch eingelegt. Seine Rente betrage nur 780 Euro pro Monat und „damit komme ich nicht zurecht“, teilte er den Justizbehörden per Brief mit. Doch weil der Senior nicht zur nunmehr anberaumten Verhandlung erschien, verwarf Amtsrichterin Monika Pinski seinen Einspruch – mit einem unguten Gefühl, wie sie anmerkte.

Brotkauf sollte ablenken

Ein Ladendetektiv schilderte am Rande der Verhandlung, dass der 81-Jährige an der Ladenkasse ein Toastbrot bezahlt habe: „Brot wird gerne genommen, um von einem Diebstahl abzulenken.“ Nachdem er ertappt worden sei, habe sich der Rentner gegenüber Filialleiter und Polizeibeamten überaus uneinsichtig gezeigt. Wie der Detektiv berichtete, träten Ältere eher selten als Ladendiebe in Erscheinung, aber auch er habe schon einige gestellt.

Der Senior aus Groß-Buchholz geriet offenbar erst im Alter von 77 Jahren auf die schiefe Bahn: 2014 wurde er zum ersten Mal bei einem Ladendiebstahl erwischt. Der aktuelle Fall war sein fünftes Delikt. Generell hatte er Lebensmittel wie Wurst, Käse oder ein Getränk eingesteckt, generell lag die Schadenssumme jeweils unter zehn Euro, und bislang waren alle Verfahren eingestellt worden. Nun aber war der Anklagebehörde der Kragen geplatzt und sie hatte den Strafbefehl über 100 Euro auf den Weg gebracht. „Wir können nicht immer wegsehen, nur weil jemand betagt ist“, erklärte die Staatsanwältin. Der 81-Jährige sei in fünf verschiedenen Läden in Groß-Buchholz und Bothfeld als Ladendieb in Erscheinung getreten, habe also offenbar alles versucht, um nicht entdeckt zu werden. Auch die Anklagevertreterin bestätigte, dass die Zahl älterer Ladendiebe zunimmt.

Einstellung nicht möglich

Richterin Pinski haderte ein wenig damit, dass sie den Einspruch des Angeklagten gegen den Strafbefehl – juristisch korrekt – verwerfen musste. Die 100 Euro Strafe und die rund 100 Euro Verfahrenskosten, die der Rentner nun zahlen muss, machen immerhin ein Viertel seines Monatseinkommens aus. „Könnte man Menschen, die im hohen Alter nicht mehr zurechtkommen mit ihrem Geld, nicht Essens-Angebote etwa vonseiten der Tafeln unterbreiten?“, lautete eine ihrer Fragen. Es deute einiges darauf hin, dass es dem Senior an Geld zur Deckung seiner täglichen Bedürfnisse mangele, er möglicherweise auch keine persönliche Ansprache und Unterstützung habe. Doch während dieser Mann nun wegen einer vergleichsweise geringen Summe zur Kasse gebeten werde, würden Verfahren gegen Angeklagte, die wesentlich höhere Schäden verursacht hätten, oft eingestellt – vor allem bei Ersttätern, oft gegen Zahlung einer Geldbuße. Möglicherweise hätte die Amtsrichterin das neuerliche Diebstahlsverfahren gegen den 81-Jährigen auch eingestellt – wenn er denn erschienen wäre.

Von Michael Zgoll

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