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Hannover Angeklagter „Loverboy“ will erpresst worden sein
Nachrichten Hannover Angeklagter „Loverboy“ will erpresst worden sein
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00:24 13.04.2018
Ali B. bespricht sich mit seinem Verteidiger Matthias Steppuhn. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Der 32-jährige Ali B., der als „Loverboy“ mehrere Prostituierte jahrelang ausgebeutet haben soll und sich jetzt wegen Menschenhandels und Zuhälterei vor dem Landgericht verantworten muss, hat am Dienstag über mehrere Stunden ausgesagt. Dabei bestritt der Angeklagte, eine 28-jährige sowie eine 24-jährige Frau – die als Hauptbelastungszeugen auftreten – systematisch „ausgenommen“ zu haben.  So habe die Ältere, mit der er acht Jahre eine Beziehung pflegte, an Kaufsucht gelitten und mindestens 150 Paar Schuhe, 15 hochpreisige Designertaschen sowie einige teure Uhren und viel Goldschmuck besessen: „Und ab und zu hat sie mir mal was abgegeben.“ Allerdings gab B. zu, dass er mehrere Freundinnen hatte, die bezahlten Sex verkauften und zugleich auf eine gemeinsame Zukunft mit dem 32-jährigen hofften. Parallel zu den Einnahmen aus der Prostitution bezog B. Hartz-IV-Leistungen; so wird gegen ihn auch wegen Sozialbetrugs und Steuerhinterziehung ermittelt.

14.000 Euro Verdienst in Dubai

Laut dem Angeklagten war die 28-Jährige, die am ersten Verhandlungstag vor der 18. Großen Strafkammer eine sehr emotionale Zeugenaussage getätigt hatte, keineswegs sein willenloses Werkzeug. Seine Freundin habe ihr Gewerbe in Teilen durchaus selbst organisiert; so habe sie sich gemeinsam mit einer Bekannten fünf Wochen in Dubai prostituiert, ohne dass er mitgefahren sei. Die zwei Frauen hätten dann  an die 14.000 Euro mitgebracht; B. bestritt, dass er sie gezwungen habe, ihm dieses Geld – oder die in der Anklage aufaddierten 550.000 Euro – auszuhändigen: „Es war ein familiäres Geben und Nehmen.“ Immerhin habe er seine Freundinnen häufig gefahren – etwa in Bordellwohnungen in andere Städte –, auch habe er für sie Termine mit Freiern per WhatsApp ausgemacht.

B. gab zu, dass es in der Beziehung zu der 28-Jährigen zunehmend Streit gab und sie schließlich in einer On-Off-Beziehung lebten. Er führte dies auf ihre Eifersucht auf seine anderen Freundinnen zurück, mit denen er ebenfalls zusammenlebte. Dass ihn die Frau 2016 verließ, habe nichts mit Drohungen oder Gewalttätigkeiten seinerseits zu tun.

Drohungen im Imbiss

Im Sommer 2016, als die Behörden schon gegen ihn ermittelten, eröffnete B. in Misburg einen kleinen Imbiss mit Lieferservice, den er nach eigenem Bekunden „etwas unorganisiert“ führte. Ausführlich schilderte der 32-Jährige, wie seine Ex-Freundin und ihr neuer Partner im Frühjahr 2017 über Wochen versucht hätten, ihn einzuschüchtern und zu erpressen. Mehrfach sei er in seinem Imbiss aufgesucht und zur Zahlung von 40.000 Euro aufgefordert worden – sonst werde man bei der Polizei auspacken. Gezahlt haben soll B. nicht, doch wird die Kammer unter Vorsitz von Dirk Gittermann noch etliche Zeugen hören, die zu den Anklagevorwürfen Stellung nehmen sollen. 

Von Michael Zgoll

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