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Hannover Apotheker bedient sich selbst – und wird verurteilt
Nachrichten Hannover Apotheker bedient sich selbst – und wird verurteilt
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00:49 01.03.2018
Karel A. (l.) legte über seinen Verteidiger Hermann Schade ein Geständnis ab. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Ein Apotheker, der mehrere Jahre als Filialleiter einer Apotheke am Kronsberg tätig war, ist am Montag vom Amtsgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Lars Römermann sprach den 51-jährigen Karel A. schuldig, sich in 73 Fällen unerlaubt Betäubungsmittel beschafft zu haben; hinzu kommen fünf Fälle von Urkundenfälschung sowie Untreue. Die starken Schmerzmittel, die der Täter auf Kosten der Apotheke für seinen Eigenkonsum abzweigte, hatten einen Wert von knapp 37.000 Euro, zudem nahm A. zwischen Anfang 2015 und Sommer 2016 Bargeld in Höhe von 14.500 Euro aus der Ladenkasse und ergänzte fünf Kundenrezepte um zusätzliche Schmerzmittel-Bestellungen. Römermann bescheinigte dem 51-Jährigen hohe kriminelle Energie: „Sie haben das Vertrauen Ihres Chefs massiv missbraucht.“

Vor dem Schöffengericht präsentierte sich ein sehr stiller Mann, der schwer an Krebs erkrankt ist –und einen beispiellosen Fall erlebt hat. 1993 hatte sich A. im Raum Neustadt am Rübenberge als Apotheker selbstständig gemacht, war zwölf Jahre später Inhaber von drei Filialen und einem Pharma-Großhandel. 2007 dann ließ ein schwerer Autounfall seine gesamte Lebensplanung zusammenbrechen.

2008 musste der Vater dreier Kinder Insolvenz anmelden, begann zu trinken, wurde depressiv. Bis heute bestreitet er, dass er sich später in suizidaler Absicht in den Kopf schoss, behauptet unverändert, dies sei ein Unfall gewesen. Über seinen Verteidiger Hermann  Schade räumte Karel A. alle Tatvorwürfe ein, begründete den erheblichen Konsum von Opioiden mit Rückenschmerzen, die ihn seit dem Autounfall plagen –und dem Versagen einer Restschuldbefreiung im Jahr 2015. „Es war eine aussichtslose Situation“, erklärte der Apotheker mit kaum hörbarer Stimme.

Doch bereits in den Vorjahren kam er nicht mehr klar mit den veränderten Rahmenbedingungen, war 2010 und 2013 vom Amtsgericht Neustadt wegen kleinerer Betrugsdelikte und 2015 in der Schweiz wegen Veruntreuung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu Geldstrafen verurteilt worden. 2017 musste A. wegen Fahrerflucht eine Strafe von 2000 Euro zahlen.

Die Selbstbedienung in der Kronsberger Apotheke währte rund anderthalb Jahre. Annähernd im Wochenrhythmus bestellte A. auf Rechnung der Firma Packungen mit Schmerzmittel-Ampullen, die er sich selbst injizierte. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Mann mit dem schütteren Haar 2017 eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit; eine verminderte Schuldfähigkeit liege allerdings nicht vor, auch sei keine Einweisung in eine Entzugsklinik geboten. 

„Mein Mandant ist ein gebrochener Mann, meilenweit von seinem einstigen Leben als erfolgreicher Apotheker entfernt“, sagte Verteidiger Schade. Das Schöffengericht folgte im Strafmaß dem Antrag der Staatsanwältin und begründete die Bewährungschance mit der schwierigen Lebenssituation von A. „Man hätte auch drei Jahre Haft ohne Bewährung vertreten können“, merkte Lars Römermann an. Auch andere Menschen seien aufgrund von Schicksalsschlägen schon tief gefallen, deshalb aber nicht in die Kriminalität abgedriftet. Der Apotheker wird seine Zulassung verlieren, zudem scheint seine Ehe auf der Kippe zu stehen. Ob es der 51-Jährige aufgrund seiner Krankheit noch schaffen wird, die als Bewährungsauflage verhängten 250 Sozialstunden abzuleisten, ist fraglich; auch wird sein ehemaliger Chef die verlorenen 51.500 Euro wahrscheinlich nie wiedersehen. Ganz sicher wird  es keine juristischen Nachwehen mehr geben – das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Von Michael Zgoll

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