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Hannover Attacken auf Eltern – Autofahrer muss ins Gefängnis
Nachrichten Hannover Attacken auf Eltern – Autofahrer muss ins Gefängnis
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00:25 06.04.2018
Benjamin M. (l.) wurde von den Anwälten Christoph Rautenstengel (Foto) und Vyacheslav Varavin verteidigt. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Ein 22-Jähriger, der am 13. September 2017 vor der Kronsberger Grundschule An der Feldbuschwende ausrastete und mehrere Eltern mit einem schweren Pick-up sowie einer Müllzange verletzte, ist am Dienstag vom Schwurgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch sprach Benjamin M. wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig. Der Anklagevorwurf des versuchten Totschlags wurde fallengelassen, da M. nach Überzeugung des Gerichts keines seiner Opfer umbringen wollte.  Allerdings muss der 22-Jährige seinen Führerschein abgeben und kann frühestens nach drei Jahren eine neue Fahrerlaubnis beantragen.

Vater des Täters beschimpft das Gericht

Nach der Urteilsverkündung kam es zu einem kurzen, dramatischen Zwischenfall. Der im Zuschauerraum sitzende Vater des 22-Jährigen brüllte, das Gericht wolle seine Familie „töten“ und „kaputtmachen“. Der sehr energisch auftretende Vorsitzende drohte dem Vater an, ihn von Wachtmeistern aus dem Gerichtsgebäude bringen zu lassen, daraufhin gab dieser Ruhe. Eine Viertelstunde zuvor hatte Richter Rosenbusch darauf hingewiesen, dass Bejamin M. bereits sieben Einträge im Vorstrafenregister verzeichnet hat – darunter drei Körperverletzungsdelikte. Der 22-Jährige besitze ein hohes Aggressionspotenzial und habe alle Warnungen, sich an Recht und Ordnung zu halten, in den Wind geschlagen. 

Der Täter will die Grundschule an jenem Mittwoch zur Mittagszeit aufsuchen, um seine kleine Schwester abzuholen. Allerdings nähert er sich dem Gebäude  im schwarzen VW Amarok seines Vaters in viel zu hohem Tempo. Als ihn ein 45-jähriger Vater an der Oheriedentrift deshalb zu Rede stellt, rastet der Jüngere aus. Zunächst versucht er den Kfz-Mechaniker, dem Richter Rosenbusch später „Zivilcourage“ bescheinigen wird, zu schlagen, dann springt er in seinen Pick-up und fährt – aus anderthalb Metern Entfernung – auf den 45-Jährigen zu. Allerdings bremst er sofort wieder ab, so dass das Fahrzeug den zur Seite ausweichenden Vater nur am Oberschenkel streift. 

Jagdszenen an der Oheriedentrift

Anschließend stürmt M. in die Schule, greift sich eine Müllzange und schlägt sie einer Mutter, die ihm im Wege steht, von hinten auf den Kopf. Die völlig überraschte Frau erleidet eine Platzwunde und eine Schädelprellung. Augenblicke später rast der Wüterich mit dem Amarok über einen Fußweg, wo er eine weitere Mutter und ihre Kinder in Gefahr bringt, um wenig später erneut die Verfolgung des 45-jährigen Vaters zu Fuß aufzunehmen. Etliche Dutzend Kinder und Eltern beobachten fassungslos, wie M. minutenlang hinter dem Älteren herhetzt und – als dieser stürzt – ihn mit der Müllzange traktiert. Der kampfsporterprobte Vater erleidet Abwehrverletzungen an den Armen, kann den tobenden M. aber kurz darauf überwältigen.

Die Verteidiger Christoph Rautenstengel und Vyacheslav Varavin plädierten am Dienstag für eine Bewährungsstrafe. Ihr Mandant habe sich aufgrund einer vorherigen Stresssituation in einem „emotionalen Ausnahmezustand“ befunden und einen  alterstypischen Kontrollverlust an den Tag gelegt. Die Anwälte wiesen zudem darauf hin, dass M. dem verletzten Vater ein Schmerzensgeld von 1000 Euro und der verletzten Mutter 500 Euro gezahlt habe. Doch die Kammer folgte Staatsanwältin Friederike Riemer, die  drei Jahre Haft für den Angeklagten gefordert hatte.

Fahrweise war „extrem gefährlich“

Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Fahrweise von M. vor einer belebten Schule sowie die Attacken gegen die Eltern als „extrem gefährlich“. Das Wüten des Täters sei insbesondere für die siebenjährige Tochter des 45-Jährigen, die die Jagd auf ihren Vater aus dem Auto heraus mitansehen musste, nachhaltig belastend gewesen. Das Gericht folgte der Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters, dass M. in vollem Maße schuldfähig ist. Laut Rosenbusch bietet ihm das Strafmaß aber die Chance, dass er – unter Anrechnung seiner halbjährigen Untersuchungshaft – relativ schnell in den offenen Vollzug wechseln und wieder im Bauunternehmen seines Onkels mitarbeiten kann.

Von Michael Zgoll

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