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Hannover Ausstellung zu Hexenwahn in Calenberg
Nachrichten Hannover Ausstellung zu Hexenwahn in Calenberg
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00:45 05.05.2018
Erhellen ein düsteres Kapitel: Ausstellungsmacher Kerstin Faust und Hubert Brieden. Quelle: Benne
Hannover

 Erst unter der Folter gestanden die Angeklagten: Aus der pulverisierten Leiche eines totgeborenen Kindes, so gaben sie zu Protokoll, hätten sie ein Gift zusammengebraut, um den Herzog ermorden. Das heute grotesk anmutende Geständnis war für die Frauen, die Hart, Timme und Badelen hießen, ein Todesurteil. Sie wurden vor dem Neustädter Schloss verbrannt.

Zwischen 1567 und 1574 kam es im Fürstentum Calenberg-Göttingen, zu dem auch die heutige Region Hannover zählte, zu einer Welle von Hexenprozessen. Etwa 60 Menschen wurden eingekerkert, 41 verbrannt. An ihr Schicksal erinnert jetzt die Ausstellung „Hexen, Juden, Sündenböcke“, die am Donnerstag in den Verdi-Höfen eröffnet wird.

„Die skandalösen Prozesse sorgten damals überregional für Aufsehen“, sagt Hubert Brieden vom Arbeitskreis Regionalgeschichte Neustadt, der die Ausstellung in Kooperation mit dem Bildungswerk Verdi auf die Beine gestellt hat. Mit Text- und Bildtafeln zeichnet die Schau, die im vergangenen Jahr bereits in Neustadt zu sehen war, die Hintergründe der Hexenverfolgung nach.

Das Land war seinerzeit von einer Wirtschaftskrise gebeutelt, die mit Hungersnöten und Aufständen einherging. Dazu kamen politische Wirren der Reformationszeit – und ein banaler Beziehungsclinch zwischen Herzog Erich II., einem katholischen Parteigänger des Kaisers, und seiner Ehefrau Sidonie. Diese warf ihrem Mann nicht nur vor, seine ehelichen Pflichten zu vernachlässigen – sie förderte auch den Protestantismus.

Kaum zufällig richteten sich die Hexereivorwürfe vor allem gegen einflussreiche Personen aus protestantischen Kreisen. Im März 1572 ließ Erich II. im Neustädter Schloss fast täglich angebliche Hexen foltern – so lange, bis endlich Anschuldigungen gegen seine missliebige Frau auf den Tisch kamen. Diese ergriff die Flucht, beschwerte sich beim Kaiser in Wien – und dieser machte dem Treiben ein Ende. Vor einer kaiserlichen Kommission beschrieben einige befreite Frauen, welche Qualen sie unter der Folter erlitten – ein seltenes Zeugnis von Opfern des Hexenwahns.

Die Ausstellung ist in den Verdi-Höfen, Goseriede 10, bis zum 30. Juni zu sehen. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 3. Mai, um 19 Uhr. Am 31. Mai, 19 Uhr, spricht Hubert Brieden dort über Luther und die Judenverfolgung. Infos unter (0511) 12400400.

Von Simon Benne

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