Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Das Kino im Sprengel feiert 30-jähriges Jubiläum
Nachrichten Hannover Das Kino im Sprengel feiert 30-jähriges Jubiläum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 10.05.2018
Zehn Jahre Kino im Sprengel: So sah die Feier vor 20 Jahren aus – mit 3-D-Brillen mit grünen und roten Plastiklinsen. Quelle: Fotos: Archiv, Kino im Sprengel (3)
Nordstadt

 Als Leinwand diente ein altes Bettlaken, als junge Kinoenthusiasten vor 30 Jahren den ersten Film auf dem Sprengel-Gelände zeigten. Den 16-mm-Projektor hatten die Filmfreaks, zumeist Studenten, ausgeliehen. Auch sonst war alles improvisiert: Dem Kinosaal in einem leer stehenden Trakt der ehemaligen Schokoladenfabrik fehlte eine Wand. Über das Bettlaken flimmerten am 8. Mai 1988 Kurzfilme, eine krude Mischung aus französischen Klassikern und (damals neuen) deutschen Stücken.

Das Kino im Sprengel sieht die Aufführung als Startpunkt der eigenen Geschichte und feiert im Mai und Juni mit einem Jubiläumsprogramm. Dafür haben zahlreiche langjährige Kooperationspartner ihre Wunschfilme ausgewählt. 

Beim Start war an Kontinuität noch nicht zu denken. Die ersten Aufführungen waren Teil von Solidaritätsveranstaltungen für die Besetzer des Sprengel-Geländes. Die Kinomacher, die aus verschiedenen Initiativen kamen, wollten aber tatsächlich auch regelmäßig Filme zeigen. Die Stadt ließ den Saal nach drei Monaten räumen und zumauern. „Als wir hinausflogen, dachten wir nicht, jemals wieder einen Raum zu bekommen“, erinnert sich Silke Schröder. Ab Herbst 1988 organisierte das Kollektiv sein Kino an verschiedenen Orten in der Nordstadt, im Sommer auch im Welfengarten. 1992 öffnete das Kino im Sprengel in einer Werkstatt der ehemaligen Kofferfabrik an der Schaufelder Straße. Zuvor hatten die Cineasten den Kinosaal mit viel Eigenarbeit ein Jahr lang hergerichtet. Die Bewohner des Sprengel-Geländes hatten den Kinoleuten das Gebäude zuvor angeboten. 

„Wir hatten häufig gegen die Vorstellung anzukämpfen, das Kino im Sprengel sei ein privater Treffpunkt der Bewohner des Sprengel-Geländes, um sich durch russische Revolutionsfilme agitieren zu lassen“, erzählt Volker Siebel. Ein Grund für die Gerüchte dürfte durchaus die Motivation der Beteiligten in den Anfangsjahren gewesen sein. Die Gruppe wollte explizit politische Filme zeigen, Aufklärung betreiben, eine „Gegenöffentlichkeit“ schaffen zur vermeintlich einseitigen Darstellung der Welt in etablierten Medien. Experimentelles, Einblicke in fremde Gesellschaften, Filme mit politischem Anspruch finden sich weiter im Programm.

Doch vor allem geht es schlicht um die Liebe zum Kino. „Uns ist es wichtig, gute Filme zu präsentieren. Wenn das funktioniert, belohnt sich das von selbst“, stellt Franz Isfort fest. Für die Auswahl reisen die Kinoleute auf eigene Rechnung zu Filmfestivals, versuchen – oft erfolgreich – Regisseure für einen Besuch zu gewinnen.

Was aus ihrem Programm gut ankommt, bleibt für die ehrenamtlichen Kinomacher manchmal rätselhaft. Der Kinosaal bietet gut 80 Plätze, vor der Leinwand auch Cocktailsessel und ein Sofa. Mafiafilme aus Japan oder Spaghettiwestern aus China liefen hier schon. „Gar nicht gut funktionierte eine Trash-Reihe mit ‚Sharknado’. Vielleicht hat sich das wirklich überholt“, meint Isfort. Dafür strömten zahlreiche sehr junge Zuschauer in „Colonia Dignidad“, die Hauptdarsteller Daniel Brühl und Emma Watson wirkten trotz des schweren Themas wie Magneten.  Auch der oskarprämierte Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ im Original-Südstaatenslang fand kürzlich spielend sein Publikum.   

Filme und Versteigerung zum Jubiläum

Das Jubiläumsprogramm startet am Donnerstag, 3. Mai, um 20.30 Uhr mit „Newcomers“, einem Wunschfilm des Niedersächsischen Flüchtlingsrats. In dem Dokumentarfilm erzählen Geflüchtete ihre Geschichte. Regisseur Ma'an Mouslli ist zu Gast. Freitag, 4. Mai, geht es zur gleichen Uhrzeit weiter mit „Salvador“, einem Wunsch des Bildungswerks Ver.di. Daniel Brühl spielt einen Anarchisten, der im letzten Jahr der Franco-Diktatur gegen das Regime kämpft. Der Eintritt kostet 5 Euro, mit Hannover-Aktiv-Pass 2,50 Euro.

Die Kinomacher versteigern Sonntag, 10. Juni, ab 14 Uhr Plakate aus 30 Jahren Kino im Sprengel. Bei Kaffee und Kuchen können handgemachte Unikate sowie Klassiker der Filmplakatkunst erworben werden. Der Eintritt ist frei.

Von Bärbel Hilbig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem Unfall mit drei Fahrzeugen im Norden von Hannover sind drei Personen verletzt worden. Ein Auto blieb auf dem Dach mitten auf der Kreuzung der Meelbaumstraße/Ecke Grambartstraße liegen.

07.05.2018

Er bedeckt Autos, Fenster, Balkone und macht Allergikern zu schaffen: Überall in Hannover ist der gelbe Pollen-Staub gerade zu sehen. Doch woher kommt er eigentlich? Und wann verschwindet er wieder?

07.05.2018

In diesem Jahr seien die Birkenpollen besonders aggressiv. Das bemerkt auch die 20-jährige Leonie Löffler. die zudem noch auf Gräser, Erle und Haselnuss allergisch reagiert. Wie auch bei tausenden Hannoveranern setzt  ihr das Mastjahr der Birke zu.

10.05.2018