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00:19 08.02.2018
Landschaften aus Plastik und Fantasie: Robert Packeiser hat über die Jahrzehnte eine beeindruckende Playmobil-Sammlung zusammengetragen.  Quelle: (Alexander Körner)
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Hannover

Der Traum kehre immer wieder, sagt er. In diesem Traum geht Robert Packeiser durch ein Kaufhaus, in die Playmobil-Abteilung. „Und dort entdecke ich dann lauter Pakete, die ich noch nie gesehen habe.“ Träume gelten gemeinhin als Spiegel unserer tiefsten Sehnsüchte – und sie gelten als unrealistisch. In diesem Fall zu Recht, denn dass Robert Packeiser Playmobil-Produkte entdecken könnte, die er noch nicht kennt, ist sehr unwahrscheinlich. „Ich habe etwa 98 Prozent aller in Deutschland erschienenen Artikel“, sagt der 45-Jährige. Gut, die Achterbahn, die 1980 für den japanischen Markt produziert wurde, die hat er nicht. Er kennt aber auch keinen Sammler, der sie hat.

Der Lehrer steht in einer Halle, die er im Hinterhof seines Wohnhauses am Altenbekener Damm eingerichtet hat – und er steht zwischen lauter selbst geschaffenen Welten. Auf 135 Quadratmetern hat er in dieser ehemaligen Werkstatt einen Mikrokosmos aus Playmobil errichtet. Da sind der Bagger und der Blumenladen, die Westernwelt mit Saloon und Kavalleriefort, die Schule und das Zirkuszelt, Polizeihubschrauber und Palmeninseln, Tankstelle und Windmühle. Auf mehreren Regalebenen übereinander türmen sich die Spielzeuglandschaften. Ein begehbares Wimmelbild.

Seine erste Figur bekam er 1976

„Meine erste Figur bekam ich mit vier Jahren“, sagt Robert Packeiser. Damals, anno 1976, ging er an der Hand seiner Mutter in ein Geschäft und durfte sich ein Männchen aussuchen. Er entschied sich für die Putzfrau mit Staubsauber und Handfeger. „Die hat alles, was du hast“, sagte er zu seiner Mutter. Das war als Kompliment gemeint. Die Figur hat er immer noch, sie liegt in seiner Halle in einer Glasvitrine: „Dass sie ein Original aus den Siebzigern ist, sieht man auch daran, dass das Gesicht noch aufgemalt und nicht eingegossen ist“, sagt er.

Auf Schulhöfen gab es seinerzeit zwei Fraktionen. Playmobil stand zu Lego wie Pelikan zu Geha oder die Beatles zu den Stones. „Lego ist ein anderes Spielprinzip“, sagt Packeiser ganz wertneutral. Bei Lego gehe es darum, technische Geräte nachzubauen. „Bei Playmobil stellt man eher Situationen nach“, sagt er, „es geht um soziale Aspekte.“ Jedenfalls sofern man Einkauf, Schwertkampf und Drachentöten unter dem Rubrum der sozialen Interaktion subsummiert.

Im Jahr 1974 wurden die ersten Playmobil-Figuren produziert. Seither gehören die Männchen zu einer kreativen Kindheit wie weiland Schiefertafel und Pindopp. Generationen von Kindern haben mit kleinen Figuren als Ritter gegen Drachen gekämpft, sie haben die Männchen mit Chinaböllern in die Luft gejagt und mit dem Piratenschiff in der Badewanne gespielt, bis die Finger schrumpelig waren. Am Vorabend der Pubertät verblasste die Leidenschaft dann meist.

„Meditative Beschäftigung“

Auch Packeiser deponierte die Schätze seiner Kindheit irgendwann auf dem Dachboden. Dann entdeckte er 1989 das neue Playmo-Puppenhaus mit den detailgetreu gestalteten Barockmöbeln. Damals interessierte er sich schon für Kunst und Geschichte: „Da habe ich wieder angefangen.“ Welchen Wert seine Kollektion heute hat, wagt er nicht präzise zu schätzen. Auch nicht, wie viele Männchen er hat; es müssen Zehntausende sein. Seine Sammlung ist eine der größten in ganz Deutschland.

Sammlung wird im Museum gezeigt

Die Playmobil-Sammlung von Robert Packeiser ist eine der größten in Deutschland – und sie ist reif fürs Museum: Vom 19. August an ist ein Teil seiner Miniaturwelten im Historischen Museum am Hohen Ufer zu sehen. Die Ausstellung „Geschichte spielen“, die von einem umfangreichen Familienprogramm flankiert wird, soll fünf großflächige Dioramen zeigen. Dabei geht es um die Entwicklung des urbanen Raums: Die Playmobil-Welten widmen sich den Themen Mittelalter und Barock sowie der Stadt im 19. und im 20. Jahrhundert.
 

„Für mich ist das auch eine meditative Beschäftigung“, sagt Packeiser, der an der Wilhelm-Raabe-Schule Kunst und Geschichte unterrichtet. „Man vergisst dabei alles um sich herum.“ Allerdings nimmt er auch kleine Korrekturen an den Idyllen vor, die die Spielzeugindustrie designt. Für eine Arbeiterwohnung aus dem 19. Jahrhundert malt er dann selbst Risse an die Wände. Und für seine Darstellung der Französischen Revolution hat er eigenhändig eine Guillotine konstruiert. „Manche Dinge muss man eben selbst bauen“, sagt er.

Zwischen mittelalterlichen Fachwerkbauten gibt es bei ihm einen Karren mit Pesttoten, einen achtstöckigen Wolkenkratzer hat er aus mehreren handelsüblichen Zwei-Etagen-Häusern selbst konstruiert, mit Platz für 16 Mietparteien. Eine Puppenstube de luxe. Unweit davon tagen in seinem Playmobil-Reich die Ritter der Tafelrunde. Die Wände in seiner Halle zieren Playmobil-Kartons, in Vitrinen ruhen Playmo-Quartette, -Essbestecke und DVDs.

„Die Weltraumsachen habe ich in Kartons verpackt“, sagt er. Er hat schlicht nicht genug Platz, um alles aufzubauen. „Wenn ich 1000 Quadratmeter im Ihme-Zentrum zur Verfügung hätte – ich könnte sie problemlos mit einem eigenen Museum bespielen“, sagt er.

Das ist noch so ein Traum. Aber einer, von dem niemand weiß, wie realistisch er ist.

Von Simon Benne

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