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Hannover Ehemaliger Anwalt wegen Betrugs verurteilt
Nachrichten Hannover Ehemaliger Anwalt wegen Betrugs verurteilt
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00:47 31.05.2018
Der ehemalige Rechtsanwalt Andreas M. (l.) wird von Anwalt Marcus Bartscht vertreten. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Hannover ist am Montag vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von 17 Monaten verurteilt worden. Richter Lars Stanull sprach den 43-jährigen Andreas M. wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung schuldig. Außerdem muss der Jurist, der seine Zulassung vor einem Jahr zurückgab, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. M. war 2014 als Geschäftsführer einer Import-Export-Firma aus Waldhausen aufgetreten und hatte mit einem Unternehmen aus Kasachstan einen Vertrag über den Verkauf von Elektronik-Bauteilen im Wert von 200.000 Euro geschlossen. Die Firma zahlte 146.000 Euro an – doch die versprochene Lieferung unterblieb ebenso wie die Rückzahlung des Geldes.

Hohe Schulden

Wie M. erklärte, sei sein Leben in den vergangenen Jahren aus den Fugen geraten. Privat hätten ihn die Trennung von seiner Frau sowie eine Erkrankung belastet und auch geschäftlich sei einiges schief gelaufen. Dank seiner Wurzeln in Kirgisistan habe er viele geschäftliche Kontakte nach Russland und in angrenzende Staaten gepflegt; aufgrund des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland gebe es nun aber etliche Schuldner, die ihre Außenstände bei ihm nicht beglichen hätten. Als M. den Deal mit der Firma aus Kasachstan abschloss und die Anzahlung überwiesen bekam, stand ihm das Wasser schon bis zum Hals. Rund 25.000 Euro wurden ihm binnen weniger Monate gepfändet, zudem beglich er mithilfe der Anzahlung eigene Verbindlichkeiten in Höhe von weit mehr als 50.000 Euro. Vor Gericht behauptete der Ex-Anwalt, außerdem seien ihm bei einer Feier 45.000 Euro in bar, die für ein Immobiliengeschäft gedacht waren, gestohlen worden – irgendwelche Belege für diesen Deal oder den Diebstahl konnte er allerdings nicht vorlegen.

Auffällig war, dass der Angeklagte mehreren Zeugen – darunter dem früheren Chef der kasachischen Firma – mehrfach versicherte, die ergaunerten 146.000 Euro wieder zurückzahlen zu wollen. Hat M. etwa Angst vor unliebsamen Reaktionen seiner früheren Geschäftspartner? „Es gibt genug Leute, die solche Forderungen auf die russische Art eintreiben“, erklärte M. Angeblich soll ein Trupp von Geldeintreibern in einer hannoverschen Kleingartenkolonie bereits finstere Drohungen gegen den 43-Jährigen ausgestoßen haben; das aber wurde vor Gericht nicht thematisiert. Letztendlich folgte der Richter der Sichtweise der Staatsanwaltschaft, dass M. zumindest billigend in Kauf nahm, seine finanziellen Verpflichtungen bei der kasachischen Firma nicht erfüllen zu können. Lars Stanull blieb aber einen Monat unter dem vom Anklagevertreter geforderten Strafmaß.

Möbel nicht bezahlt

M. hat bereits zwei Vorstrafen wegen einer Trunkenheitsfahrt und 31-facher Verletzung seiner Unterhaltspflichten kassiert. 2016 stellte das Amtsgericht ein Betrugsverfahren gegen Zahlung von 500 Euro ein; damals hatte der Vater von zwei Kindern eingeräumt, 2014 beim Möbelhaus Ikea am Kronsberg zwei Schränke und zwei Sideboards im Wert von 1000 Euro gekauft, die Lastschrift aber kurz danach widerrufen zu haben. Wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn überwies er 900 Euro – mehr konnte er offenbar nicht auftreiben. Schon damals hatte der Jurist mit eigenwilligen Erzählungen aufgewartet: So habe ihm die ukrainische Presse eine Liaison mit dem FDP-Politiker Guido Westerwelle angedichtet.

Der gescheiterte Rechtsanwalt saß vorübergehend in Untersuchungshaft. Derzeit ist er bei seinen Eltern im Heidekreis gemeldet und lebt von Hartz-IV-Unterstützung. „Mein Mandant schreibt aber viele Bewerbungen und ist optimistisch, sein Leben bald in den Griff zu bekommen und wieder als Berater bei einer Firma anheuern zu können“, sagte sein Verteidiger Marcus Bartscht. Eine erste Bewährungsprobe für den 43-Jährigen dürften die 150 Stunden gemeinnützige Arbeit sein.

Von Michael Zgoll

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