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Hannover Ex-Ehemann steht wegen versuchten Mordes vor Gericht
Nachrichten Hannover Ex-Ehemann steht wegen versuchten Mordes vor Gericht
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11:18 09.04.2018
Mustafa A. stellte sich vor Gericht eher als Opfer denn als Täter dar. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

  Er stach in einer Wohnung am Goetheplatz mindestens fünfmal mit einem großen Messer auf seine geschiedene Frau ein, trat dem schwer verletzten Opfer zum Schluss noch mehrfach mit seinen schweren Schuhen kräftig ins Gesicht: So lauten die Vorwürfe gegen Mustafa A. Der 63-Jährige muss sich seit Freitag vor dem Schwurgericht wegen versuchten Mordes aus Heimtücke, gefährlicher Körperverletzung (seiner Tochter) und wegen eines Verstoßes gegen das Kontaktverbot gegenüber seiner Ex-Frau verantworten. Die 57-jährige Krankenpflegerin, die schon seit Jahren um ihr Leben fürchtete, überlebte die Tat am 15. Oktober 2017 nur knapp. Mehrere Nachbarn des Mietshauses in der Calenberger Neustadt wurden gegen 20.30 Uhr Zeugen des dramatischen Geschehens, infolgedessen die Frau fast verblutet wäre.

Notwehr mit Gaspistole

Mustafa A., so sagten seine ehemalige Frau und die 24-jährige Tochter vor Gericht aus, tritt an jenem Sonntagabend zunächst die Wohnungstür ein, schlägt gleich mit einem in Zeitungspapier eingewickelten Gegenstand auf seine langjährige Lebensgefährtin ein. Dann zieht er ein Messer und sticht zu, reißt ihr büschelweise Haare aus. Die beiden Frauen schreien gellend um Hilfe, die Tür zum Hausflur steht offen, dann schafft es die Krankenpflegerin, im Schlafzimmer eine Gaspistole zu ergreifen und einen Schuss abzufeuern. Doch das stoppt den Rasenden nur kurz: Weiter rammt er der 57-Jährigen das Messer in den Oberkörper.

Als die Tochter versucht, ihren Vater von der heftig blutenden Mutter wegzuziehen, wird auch sie von zwei Stichen in Oberschenkel und Arm verletzt. Die Ältere bricht im Flur zusammen, bekommt noch ein paar Fußtritte verpasst, dann schafft es eine Nachbarin, den Täter mit beruhigenden Worten zum Verlassen des Hauses zu bewegen. Wenige Minuten später lässt sich A. widerstandslos am Ihmeufer festnehmen, das blutbeschmierte Messer noch in der Hand.

Ehe war zerrüttet

Vor der Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch schilderte die immer noch krankgeschriebene Pflegerin,  wie es zu der Bluttat kommen konnte. 33 Jahre waren sie und ihr Mann verheiratet, doch etwa seit 2010 funktionierte die Ehe nicht mehr. Immer häufiger gab es Streit, immer aggressiver begegnete der arbeitslose Mann seiner Frau, drohte ihr, schrie herum. Schon 2015, erzählte sie, habe A. mit einem Messer neben ihrem Bett gestanden und sie mit dem Tode bedroht. Es folgten weitere Attacken, im Februar 2017 reichte A. die Scheidung ein und zog aus.

Doch dann begann der tief gekränkte Mann seiner Ex-Frau nachzustellen und ihr ständig aufzulauern. Die Folge: Zweimal verhängte das Amtsgericht ein Kontaktverbot, untersagte ihm, sich der Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock auf weniger als 50 Meter zu nähern. „Ich hatte immer Angst und darum immer meine Gaspistole dabei“, berichtete das Opfer unter Tränen. Doch am 15. Oktober war es zu spät. „Er wollte mich töten“, schluchzte die 57-Jährige. Und: „Ich hätte nie gedacht, dass es solch einen Hass geben könnte.“ Ihre Tochter sprach davon, ihr Vater habe „wie im Blutrausch“ gehandelt.

Kränkung wegen Hunden

Der Angeklagte äußerte sich nicht zur eigentlichen Tat, gab aber einige Einblicke in die Vorgeschichte. Ihn habe schwer verletzt, dass seine Frau und die beiden Kinder vor etwa zehn Jahren einen Mops ins Haus geholt hätten – gegen seinen Willen. Später seien es sogar drei Möpse gewesen: „Meine Frau liebte die Hunde bald mehr als mich.“ Mustafa A.s Erzählungen über die gefühlten Kränkungen, die er erlitten hatte, wurden immer wieder von Weinen unterbrochen: „Irgendwann bekam ich Depressionen.“ Auslöser für die Messerattacke war offenbar ein bei Facebook hochgeladenes Foto, auf dem seine Frau lächelnd auf einer Geburtstagsfeier zu sehen war – was ihr Ex-Mann nicht ertrug.

Mutter und Tochter sind bis heute traumatisiert, werden mit der Bluttat überhaupt nicht fertig und sind in psychologischer Behandlung. Bis zu einem Urteilsspruch werden sie sich noch bis zum nächsten Monatswechsel gedulden müssen.

Von Michael Zgoll

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