Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Experten fordern: Lasst weniger Autos nach Hannover
Nachrichten Hannover Experten fordern: Lasst weniger Autos nach Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 10.05.2018
Experten für Luftverschmutzung, Gesundheit und Mobilität diskutieren über eine Verkehrswende : Oliver Bayer, Vorsitzender der Enquetekommission (v. l.), Umweltaktivist Arne Käthner und Prof. Axel Haverich. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

 Der Verkehr auf Hannovers Straßen nimmt zu, die Luft wird schmutziger, Schadstoffgrenzwerte werden nicht eingehalten – was ist zu tun, damit die Luft sauberer wird und die Hannoveraner mobil bleiben? Diese und andere Fragen standen am Montag im Mittelpunkt einer Expertenanhörung im Rathaus. Vertreter von Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer oder Wirtschaftsverbänden fehlten, die von Politikern eingeladenen Fachleute aus den Bereichen Medizin, Verkehrsplanung und Umweltberatung waren sich dafür weitgehend einig: Hannover braucht eine Verkehrswende. Die Zahl der Autos, vor allem mit Dieselmotoren, muss in der City verringert werden, dafür soll der Anteil von Radverkehr sowie öffentlichem Nahverkehr steigen. 

„Klar muss sein: Es wird Verluste geben“, sagt Oliver Bayer, Vorsitzender einer Enquetekommission zum öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Denn alles zusammen funktioniere nicht – grüne Welle für Autos, schnelles Durchkommen für Radler, Vorfahrt für Busse und Bahnen.

Luftverschmutzung ist Ursache vieler Krankheiten

Luftverschmutzung ist kein Kavaliersdelikt, das belegen die Studien von renommierten Medizinern. Hannovers Herzspezialist Prof. Axel Haverich forscht seit fünf Jahren über den Einfluss von Feinstaub auf die Gesundheit. Sein Ergebnis: Die mikroskopischen Partikel können diverse Krankheiten befördern. „Es gibt nachweislich Korrelationen zwischen Feinstaub Bluthochdruck, Krebs und Lungenerkrankungen“, sagt Haverich.

Wie sich Feinstaub auf die Lunge auswirkt, hat der Direktor des Pulmologischen Forschungsinstitut in Cottbus, Prof. Hans Schweisfurth, untersucht. „Das Lungenkrebsrisiko steigt mit der Feinstaubkonzentration“, sagt er. Feinstaub werde weniger vom Verkehr verursacht als vielmehr von Landwirtschaft und Industrieabgasen. Aber auch Stickstoffdioxid, das vor allem Dieselautos ausstoßen, lasse das Krebsrisiko nach oben schnellen. „Je näher die Menschen an einer befahrenen Straße wohnen, desto häufiger können sie Lungenkrebs bekommen“, sagt Schweisfurth.

Elektromobilität soll gefördert werden

Um die Luftverschmutzung zu bekämpfen, sollte die Zahl der Autos sinken, darin sind sich die Experten einig. Axel Friedrich, Umweltberater und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesumweltamt, sieht in Fahrverboten für Dieselautos die einzige Möglichkeit, kurzfristig die Messwerte für Stickstoffdioxid zu drücken. „In bin optimistisch, dass die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Stadt Hannover Erfolg hat“, sagt er.

Die Stadtverwaltung startet jetzt ein Programm, um Elektromobilität zu fördern, etwa durch den Bau von Ladestationen. „Das ist nicht die Lösung“, sagt der Journalist und Politikwissenschaftler Winfried Wolf. Der Anteil von E-Autos werde auch künftig zu gering sein, um Luftqualität zu verbessern. Er plädiert dafür, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, etwa mit kostenlosen Tickets oder der 365-Euro-Jahreskarte. 

Im Grunde habe Hannover bereits einen guten Plan, um den Verkehr anders zu organisieren und die Luft zu verbessern, findet Prof. Wolfgang Haller vom Ingenieurbüro SHP. Das Büro hat am sogenannten Masterplan Mobilität mitgearbeitet und begutachtet häufig Bauvorhaben der Stadt, unter anderem den Ausbau der D-Linie. „Wir haben jedoch ein Vollzugsdefizit“, meint Haller. Beim öffentlichen Nahverkehr sei weniger die Geschwindigkeit als vielmehr der Takt der Busse und Bahnen entscheidend. Und der Cityring funktioniere auch mit einem Fahrstreifen weniger. Das Auto, so zeichne sich ab, verliere in großen Städten ohnehin an Bedeutung. 

Von Andreas Schinkel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vorbildliches urbanes Flächenrecycling: Der Umbau des Klagesmarkts in der Innenstadt vom Parkplatz zum Wohngebiet hat eine Auszeichnung erhalten.

10.05.2018

Es wird voll auf den Straßen in und um Hannover. Angesichts des langen Wochenendes warnt der ADAC vor massiven Staus. 2017 herrschte am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt das größte Chaos des Jahres.

08.05.2018

Unternehmer nutzen Architektenwettbewerbe zu wenig, findet die Architektenkammer. Bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch gibt es Tipps aus der Praxis – von denen auch das Stadtbild profitieren kann.

10.05.2018
Anzeige