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Hannover Sollte Hannover lieber selbst Fahrräder verleihen?
Nachrichten Hannover Sollte Hannover lieber selbst Fahrräder verleihen?
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00:16 02.02.2018
Die Bahn bietet hinter dem Hauptbahnhof Leihfahrräder an.  Quelle: Haase
Hannover

  An dem Projekt eigener Fahrradverleih arbeitet die Stadt seit geraumer Zeit. Problem sind die Kosten. Wegen der benötigten Stückzahl der Räder und des Aufwands für die Infrastruktur wie etwa Stationen und Buchungssystem schätzen Experten die benötigte Investitionssumme auf bis zu zwei Millionen Euro. Auch de spätere Betrieb wäre wohl ein Zuschussgeschäft. Helfen könnten Sponsoren, die bisher aber nicht in Sicht sind. „Ansonsten muss die Politik entscheiden, ob ihr ein städtischer Fahrradverleih soviel Geld wert ist“, sagt Tim Gerstenberger vom Fachbereich Stadtplanung im Rathaus.

Die Debatte um das Fahrradverleihsystem wurde durch die Firma Obike aus Singapur befeuert, als diese im vergangenen Herbst 500 Leihfahrräder einfachster Bauweise aus asiatischer Massenproduktion im öffentlichen Raum in Hannover verteilte. Genaue Zahlen zum Geschäftsverlauf nennt Obike nicht. Auch die Stadt tut sich schwer, Erfolg und Attraktivität des Angebots einzuschätzen. „Man sollte abwarten, bis die Fahrradsaison wieder richtig in Gang gekommen ist“, sagt Gerstenberger.

Politiker etwa von CDU und Grünen hätten gern etwas stadteigenes – und edleres. Prof. Heiner Monheim vom Institut für Raumentwicklung und Kommunikation warb dafür in einer Anhörung zum Thema im Bezirksrat Mitte. „Dann muss man aber vorher festlegen, was man genau will, und darf dabei nicht zu klein denken“, erklärte er. Im Citybereich seien für den Anfang schon mindestens 500 Räder erforderlich. „So ein System muss sichtbar und präsent sein“, sagte Monheim.

Als Vorbild in dem Metier gilt Hamburg. Die Hansestadt seit 2008 zusammen mit der Deutsche Bahn Connect als Betreiber den Fahrradverleih „Stadtrad“ mit festen Stationen etabliert  und ihm ein eigenes, rotes Markendesign verpasst. „Wir haben mittlerweile 2450 Räder an den Stationen und wollen weiter ausbauen“, sagte Olaf Böhm von der Hamburger Verkehrsbehörde. Sie würden für rund drei Millionen Fahrten im Jahr gebucht. Mehr als die Hälfte aller Touren entfielen auf den Freizeitverkehr; beim Berufsverkehr seien es knapp 20 Prozent. Das Tarifsystem ist so gestaltet, dass die erste halbe Stunde für den Nutzer kostenlos ist. „Das gilt für 90 Prozent aller Fahrten“, bilanzierte Böhm. 2,4 Millionen Euro schoss Hamburg zuletzt pro Jahr zum Verleihsystem hinzu. „Daran gibt es keinerlei Kritik. Stadtrad ist Ausdruck von moderner Urbanität und Werbung für die Stadt“, befindet Böhm.

Hamburgs Partner Deutsche Bahn Connect ist mit dem Call-a-Bike-Angebot auch in Hannover unterwegs. Es handelt sich dabei um zwei Dutzend Leihräder, die etwas verloren vor dem Seitenausgang des Hauptbahnhofs in Richtung ZOB stehen.

Von Bernd Haase

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