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Hannover Festakt zum 200. Geburtstag der Klosterkammer
Nachrichten Hannover Festakt zum 200. Geburtstag der Klosterkammer
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00:19 11.05.2018
Volles Gotteshaus: Rund 450 Besucher feierten das Jubiläum der Klosterkammer in der Marktkirche. Quelle: Benne
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Hannover

 Es ist eine schlichte, aber stilvolle Veranstaltung – und eine sehr traditionsbewusste: Mehr als 450 Besucher haben sich am Dienstagvormittag in der Marktkirche versammelt, um einen einzigartigen Geburtstag zu feiern. Vor genau 200 Jahren unterzeichnete der hannoversch-britische Prinzregent, der spätere König Georg IV., in seiner Londoner Residenz das Patent zur Gründung der heutigen Klosterkammer. Bis heute verwaltet die unabhängige Landesbehörde ehemals kirchliches Vermögen, unterstützt soziale Projekte – und betreut zahlreiche niedersächsische Klöster.

„Das Patent von 1818 sichert unsere Existenz“, sagt Sigrid Vierck, Äbtissin aus dem Kloster Walsrode, in dem heute acht Konventualinnen leben. Sie ist mit Haubenschleier und Handschuhen zum Festakt in die Marktkirche gekommen. Festlich gewandete Äbtissinnen haben in den vorderen Reihen Platz genommen. Oberbürgermeister und Regionspräsident sind gekommen, ebenso wie Vertreter von Landesregierung, Kirchen und Stiftungen. Wenn man die Bedeutung eines Jubilars an der Prominenz seiner Gäste bemessen kann, muss die Klosterkammer so etwas wie die Queen unter den Landesbehörden sein.

Mit Mozart und Bach

Der musikalische Rahmen ist da durchaus angemessen: Organist Ulfert Smidt spielt Bach, der Knabenchor singt ein Magnificat von Agostino Steffani, der Mädchenchor eine Messe von Mozart. Die Klosterkammer sei „eine Brücke zwischen Staat und Kirche“, sagt der Schaumburger Landesbischof Karl-Hinrich Manzke in der ökumenischen Andacht. Norddeutsche Protestanten seien ja oft zurückhaltend mit dem Stolz auf die eigene Geschichte, sagt er augenzwinkernd. Doch „in einem ganz kleinen Moment der Schwäche“ dürfe man schon stolz auf die Klosterkammer sein.

Deren Präsident, Hans-Christian Biallas, zieht nach 200 Jahren eine zufriedene Bilanz: „Aus einer wegweisenden Idee ist eine fruchtbare Institution geworden“, sagt er in seiner bodenständigen Rede: „Wir sind Teil der kulturellen Identität Niedersachsens.“ Auch Kulturminister Björn Thümler geizt nicht mit Lob: „Die Klosterkammer ist eine Perle“, sagt er, „sie ist aus Niedersachsen nicht wegzudenken.“ 

Lob für die Welfen

In seinem Festvortrag betont Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, dass Klöster seit Jahrhunderten Stätten von Wissenschaft und Bildung seien: „Sie sind einzigartige Orte unseres europäischen Kulturerbes.“ Viele in der Marktkirche loben den ansonsten eher prunksüchtigen Prinzregenten Georg posthum dafür, dass er sich den alten Kirchenbesitz damals nicht selbst unter den Nagel gerissen hat: „Heute bekäme das Haus Hannover dafür den Hauptpreis für Nachhaltigkeit“, sagt Dorgerloh.

Das Haus Hannover sitzt in in der zweiten Reihe und hört aufmerksam zu. Ernst August Erbprinz von Hannover ist immerhin der Ururururgroßneffe von Georg IV. Zu diesem Festakt ist er mit seiner Frau Ekaterina gekommen; es ist ihr erster gemeinsamer öffentlicher Auftritt seit der Geburt ihrer Tochter Elisabeth. Seine Familie ist der Klosterkammer über Jahrhunderte verbunden; er selbst ist Vorsitzender des Ehrenkuratoriums der Ausstellung „Schatzhüterin“, mit der sich die Klosterkammer derzeit im Landesmuseum präsentiert. Sein Ururururgroßonkel sei im Umgang mit Geld vielleicht nicht immer vorbildlich gewesen, sagt Ernst August nach dem Festakt: „Aber die Gründung der Klosterkammer war eine vernünftige Entscheidung.“

Von Simon Benne

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