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Hannover Steht das Figurentheaterhaus vor dem Aus?
Nachrichten Hannover Steht das Figurentheaterhaus vor dem Aus?
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05:46 24.02.2018
Vor dem Aus im gelben Haus? James MCDowell vom Theatrio. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Hannover will Kulturhauptstadt werden und setzt dabei auf seine kulturelle Vielfalt. Ob Figurentheater künftig noch dazugehören wird, ist derzeit fraglich. Die Stadt hat den Betreibern des einzigen hannoverschen Figurentheaterhauses Theatrio angekündigt, den Mietvertrag für das markante gelbe Haus am Großen Kolonnenweg nicht zu verlängern. Der Zehnjahresvertrag ist bereits Ende 2017 ausgelaufen, derzeit wird der Betrieb geduldet – bis zum 30. Juni, dann ist Schluss. Deshalb kann das Theater derzeit keine Verträge für das zweite Halbjahr abschließen, was nach Aussage von Geschäftsführer James McDowell aber höchste Zeit wäre, „sonst bekommen wir keine Künstler mehr“, besonders das Weihnachtsgeschäft sei für das Theater bitter nötig. 

McDowell, der das Haus 2015 übernommen hat, ist ratlos. Nicht nur, weil das Theater als Gastspielhaus unter seiner Ägide 23 Prozent an Zuschauern zugelegt hat und 2017 in rund 190 Vorstellungen etwa 11000 Besucher hatte. Sondern auch, weil die Stadt sich ihm gegenüber nicht zur Zukunft des Theatrio äußert. Bereits im November hat McDowell ein Konzept für eine Umstrukturierung eingereicht, eine Antwort hat er bislang nicht bekommen. „Ich habe das Gefühl, die Stadt sitzt es einfach aus.“ 

Das Konzept sieht vor, die gGmbH, unter deren Trägerschaft das Theater derzeit steht, aufzulösen, bestehende Altlasten in Höhe von etwa 18.000 Euro – zumeist Rechtsanwaltskosten und Gehälter früherer Geschäftsführer - zu bereinigen und das Haus unter dem Dach des bereits bestehenden Vereins Figurentheaterhaus e.V. weiterzuführen. Dazu ist nach Worten McDowells wichtig, die jährliche Spielstättenförderung der Stadt weiterzubekommen. 50.000 Euro sind das bislang, wobei knapp 20.000 Euro für Mietkosten an die Kommune zurückfließen. Für 2018 ist die Spielstättenförderung bereits genehmigt – für das komplette Jahr. 

Wenn die Stadt, so sieht es das vorgelegte Konzept vor, bis 2020 auf die Miete verzichtete, hätte das Theatrio eine Chance, so zu existieren, dass „wir nicht nur von der Hand in den Mund leben müssen“, wie der Geschäftsführer sagt. Die Eintrittsgeld-Einnahmen hielten sich bei Kindertheater naturgemäß in Grenzen. Den Betrieb des Gastspielhauses wickeln eine FSJlerin, eine Halbtagskraft und freie Mitarbeiter auf Honorarbasis ab. McDowell als Geschäftsführer arbeitet seit Amtsantritt unentgeltlich. Für den in New York geborenen ehemaligen Balletttänzer, der bereits renommierte Theaterfestspiele in Bad Hersfeld und Worms leitete, war die Übernahme des Theatrio von vornherein eine reine Herzensangelegenheit. „Mein einziges Interesse ist, dass das Haus weiterbesteht.“ Einen Vorstoß der Stadt, das Theatrio im Kindertheaterhaus in der Kestnerstraße unterzubringen, war vor einem Jahr gescheitert, weil es logistisch und terminlich unmöglich war. Und im gelben Haus am Großen Kolonnenweg ist kaum eine andere Kulturform möglich bei dem kleinen Theaterraum mit winziger Bühne ohne Backstagebereich. 

In einer Stellungnahme des Kulturdezernats auf Anfrage dieser Zeitung hieß es gestern, die derzeitige inhaltliche Entwicklung der Spielstätte zu einem Gastspielbetrieb entspreche nicht der im Spielstättenvertrag getroffenen Vereinbarung, die grundsätzlich eine Förderung des Spielbetriebs der hannoverschen produzierenden Figurentheater und bestehenden Theatrio-Gesellschafter vorsieht. Man habe in Abstimmung mit den Theatrio-Gesellschaftern gemeinsam die Möglichkeit einer geordneten Abwicklung der GmbH erörtert, die im ersten Halbjahr 2018 vollzogen werden könnte. So könntedie Stadt das Anlagevermögen wie die technische Ausstattung übernehmen und „im zweiten Halbjahr 2018 eine offene Ausschreibung für die zukünftige theaterspezifische Nutzung des Gebäudes einleiten“. Eine schriftliche Interessensbekundung des Vereins liege dem städtischen Kulturbüro „trotz mehrfacher schriftlicher Nachfrage“, nicht vor. Der Verein könne sich aber „selbstverständlich bei einer offenen Ausschreibung für die zukünftige Nutzung des Hauses eine Konzeption und Angebot vorlegen“. 

Wie es weitergeht, ist derzeit völlig unklar. Lange, so viel stehe fest, könne man nicht mehr warten, sonst sei das Thema Künstlerbuchung für die zweite Jahreshälfte durch. Ihm tue es vor allem für die 9000 Kinder leid, die bislang pro Jahr in den Saal kämen. „Ich bin ein Theatermann“, sagt McDowell, „ich halte nichts davon, Theater zu schließen. Schon gar nicht, wenn man Kulturhauptstadt werden will.“ 

Von Uwe Janssen

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