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Hannover Firmen kritisieren Teilzeitgesetz
Nachrichten Hannover Firmen kritisieren Teilzeitgesetz
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00:36 16.06.2018
Wenn Kinder kommen, gehen Frauen oft in Teilzeit. Später wieder aufzustocken, ist oft nicht möglich. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Vor allem Frauen, die einst wegen der Kinder ihre Arbeitszeit reduziert haben, kennen das Problem: In manchen Branchen haben sie später kaum noch Chancen, wieder auf eine volle Stelle zu kommen. Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz das Recht auf Rückkehr in Vollzeit stärken. Ob das im Einzelfall hilft, ist jedoch noch ungewiss. Unternehmer auch in der Region Hannover sehen die Neuregelung meist kritisch, fühlen sich in ihrer Handlungsfreiheit beschnitten.

„Wenn das geht, sollen Mitarbeiter natürlich in Vollzeit zurückkehren“, betont Friederike Krüger, Geschäftsführerin und Personalchefin der Michael Wessel Informationstechnologie GmbH. Bisher hatte sie diesen Fall noch nicht. Nur vier der rund 90 Angestellten der Service- und Beratungsfirma haben ihre Stunden reduziert. Dennoch kann Krüger sich bevorstehende Probleme gut ausmalen. Denn was ist ein passender Arbeitsplatz für einen technischen Berater, der wieder Vollzeit arbeiten will? „Das ist auch eine Frage der Fähigkeiten. Vielleicht brauche ich für eine freie Stelle einen besonders kommunikativen Mitarbeiter.“ Die Personalchefin geht davon aus, dass sie mit dem neuen Gesetz nun ausformulieren und nachweisen muss, warum der bisherige Teilzeit-Mitarbeiter nicht auf die Stelle passt. „Das ist auch für den Kollegen nicht erfreulich.“

Auf Großbetriebe mit mehreren Standorten sieht Dirk Siebels von der Continental AG besondere Schwierigkeiten zukommen. „Wir bieten unseren Mitarbeitern hochflexible Lösungen und ausdrücklich auch Teilzeit an, schon aus Eigeninteresse, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, betont Siebels, Leiter für Arbeitsbeziehungen. Eingeführt hat Conti diese Arbeitszeitmodelle speziell, um Frauen ans Unternehmen zu binden, sagt Nicole Goettlicher, Pressesprecherin Personal. „Wir haben eine ganze Reihe von Frauen, die trotz Teilzeit Karriere machen.“ Am Standort Hannover sind mehr als 9.000 Mitarbeiter beschäftigt, die Teilzeitquote beträgt 7,5 Prozent.

Dennoch sieht Siebels Grenzen bei der Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit. „Wir versuchen, das möglich zu machen. Aber das ist ganz klar nicht immer möglich.“ In kleinen Abteilungen werde es schwierig. Frühere Aufgaben des Teilzeitbeschäftigten hat ja inzwischen ein Kollege übernommen. Siebels stört vor allem, dass Arbeitgeber in solch einem Fall nach dem neuen Gesetz beweisen sollen, dass kein passender Arbeitsplatz frei ist. „Für ein Unternehmen mit zahlreichen quer durch die Republik verteilten Standorten ist das völlig lebensfremd.“ Denn die Mitarbeiter wollen in der Regel am bisherigen Wohnort wieder in Vollzeit gehen. „Ich müsste aber für das gesamte Unternehmen nachweisen, was geht und was nicht. Das ist kaum zu leisten.“

Wenig Sorge bereitet das Gesetz dagegen Torge Brandenburg. „Wir kriegen es bisher auch hin, wenn Mitarbeiter wieder in Vollzeit gehen wollen“, berichtet der Personalleiter beim Kopfhörer- und Mikrofonhersteller Sennheiser. Am Stammsitz des Unternehmens in Wennebostel haben aktuell 107 von 1269 Angestellten ihre Arbeitszeit reduziert, meist weil sie sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. „Spätestens bei der Personalplanung für das nächste Jahr sprechen wir mit den Mitarbeitern“, erzählt Brandenburg. Es sei dann eine Frage der Abstimmung zwischen Firma und Angestellten.

Mehr Druck auf die Arbeitgeber hätte sich allerdings Detlev Ahting, Verdi-Landesleiter Niedersachsen, gewünscht. „Bevor ein Arbeitgeber neue Teilzeit-Stellen schafft, müsste er prüfen, ob er Teilzeit-Mitarbeiter in Vollzeit bringen kann.“ Das ist nun im Gesetz nicht vorgesehen. Ahting bedauert das mit Blick auf die zahlreichen Menschen, die unfreiwillig in Teilzeit arbeiten. In Niedersachsen ist jeder vierte Arbeitnehmer nicht Vollzeit tätig. Besonders in Einzelhandel und Sozialberufen wie der Altenpflege gibt es wenig andere Angebote. „Im Handel arbeiten meist Frauen, die mit ihrem Lohn kaum über die Runden kommen.“ Daran ändert auch das neue Gesetz wenig.

Von Bärbel Hilbig

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