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Hannover Dieter Tasch wird 90 Jahre alt
Nachrichten Hannover Dieter Tasch wird 90 Jahre alt
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00:19 28.05.2018
Der langjährige HAZ-Chefreporter wird 90 Jahre alt. Quelle: Foto: Heidrich
Hannover

Na klar, an seine erste große Story kann er sich noch ganz genau erinnern. „Das war im August 1947, die Eröffnung der allerersten Messe“, sagt Dieter Tasch, und die Erinnerung lässt ein Lächeln über sein Gesicht huschen. „Neben den berühmten Fischbrötchen gab es einen schauderhaften Wein – und die Aussteller schliefen in beschlagnahmten Klassenzimmern.“

Wie gemalt sitzt der weißhaarige Mann da in seinem Sessel. Die Augen spielen nicht mehr mit, doch gedanklich ist Tasch, der am Sonntag 90 Jahre alt wird, schneller als manch junger Mann. Und wenn der langjährige HAZ-Chefreporter erst einmal ins Plaudern kommt, fallen schnell große Namen. Er kann erzählen, wie er Adenauer 1952 bei der Bundesgartenschau begegnete. Wie US-Präsident Lyndon B. Johnson ihn im Oval Office empfing. Willy Brandt begleitete er für eine Reportage im Wahlkampf: „Brandt war oft äußerst heiter“, sagt Tasch diplomatisch.Und für eine Audienz beim Papst musste sich der Reporter extra einen Frack leihen. „Pius XII. war schon ein eindrucksvoller Bursche“, sagt Tasch lässig.

Seit 1949 bei der HAZ

Vielleicht gibt es keinen Menschen in Hannover, der so viel erlebt hat wie Tasch. Als die meisten Deutschen zum ersten Mal mit dem Käfer über die Alpen fuhren, flog er für seine Reportagen schon nach Japan und Australien. Und natürlich schrieb er in seinem anschaulichen, aber zurückhaltenden Stil immer wieder über seine Stadt. Wenn der legendäre HAZ-Fotograf Wilhelm Hauschild als das „Auge Hannovers“ galt, war Tasch mindestens das dazugehörige Ohr.

Wenige seines Jahrgangs 1928 sind so alt geworden wie er; viele wurden bei Kriegsende sinnlos verheizt. Tasch, geboren und aufgewachsen in der Südstadt, hatte immer Glück. Als 12-Jähriger zeigte der Bismarckschüler beim Sprengstoffmischen so viel Talent, dass er nach der Detonation ein halbes Jahr im Henriettenstift verbringen musste – doch er wurde wieder gesund. Später überlebte er Bombennächte und einen aberwitzigen Einsatz als Luftwaffenoberhelfer.

Zum Journalismus kam er nach dem Krieg gewissermaßen durch einen Akt der Nachbarschaftshilfe: Sein Freund Achim war der Stiefsohn des damaligen SPD-Ratsfraktionschefs Karl Wiechert. Der Journalist lud den jungen Tasch in die Redaktion der „Hannoverschen Presse“ ein. Dort verfasste dieser erste Artikel, und über die „Norddeutsche Zeitung“ kam er schließlich wenige Monate nach deren Gründung im August 1949 zur HAZ.

Ein präziser Erzähler

„Verleger Erich Madsack war vornehm bis in die Fußspitzen“, sagt Tasch. Fast täglich ging der Chef durch den Betrieb, und als er den jungen Reporter dort in seinem verschlissenen Sakko aus einer kanadischen Kleiderspende sah, ließ er ihm diskret Geld für anständige Klamotten zukommen. Und er schickte Tasch auf Reportagen. Dieser berichtete vom Erdbeben in Japan und von einer US-Militärstation im ewigen Eis der Arktis. Er war 1966 beim WM-Endspiel in Wembley dabei („Ich meine, der Ball war im Tor“), bei der Hamburger Sturmflut und der Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München.

Ruhig und unaufgeregt spricht Tasch über all das. Ein präziser Erzähler. Bei der HAZ ging der Chefreporter und Buchautor 1993 in den Ruhestand, doch bis heute steht er seiner Redaktion immer wieder als Zeitzeuge zur Verfügung. „Ich war in der besten Zeit dabei“, sagt der Vater einer Tochter dankbar. Den Jüngeren rät er zur Gelassenheit: „Jede Generation meint ja, die Welt sei nie so kompliziert gewesen wie in ihrer eigenen Zeit“, sagt er. „Doch 1945 war die Welt ganz sicher nicht weniger kompliziert als heute.“

Dieter Tasch spricht am Dienstag, 12. Juni, im Gespräch mit HAZ-Redakteur Simon Benne über sein journalistisches Wirken. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Historischen Museum. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die HAZ-Weihnachtshilfe wird gebeten.

Von Simon Benne

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