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Hannover Gartenfreunde protestieren gegen Kleingartenkonzept
Nachrichten Hannover Gartenfreunde protestieren gegen Kleingartenkonzept
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00:16 11.09.2018
Die Botschaft des „Aktionsbündnisses gegen Kleingartenzerstörung" vor dem Gebäude des Bezirksverbands der Kleingärtner in der List war durchaus plakativ: „Wir kämpfen für alle Grashalme“ war in großen Lettern zu lesen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

„Wir kämpfen für alle Grashalme“ war auf dem langgestreckten Plakat zu lesen, mit dem rund 40 Kleingärtner am Sonnabend in der Gottfried-Keller-Straße (List) eine halbstündige Demonstration umrahmten. Drinnen, im Haus des Bezirksverbands Hannover der Kleingärtner, war der örtliche Verbandstag anberaumt. Nun darf man davon ausgehen, dass auch die rund 100 Delegierten ein Herz für Grashalme haben, die Differenzen sind aber anderswo begründet. Seit sich der Bezirksverband und die Stadt Hannover auf das „Kleingartenkonzept 2016-2025“ geeinigt haben, geht eine Gruppe oppositioneller Gartenfreunde auf die Barrikaden. Das „Aktionsbündnis gegen Kleingartenzerstörung“ wehrt sich dagegen, dass im Laufe der kommenden Jahre rund 800 Kleingärten und 200 Grabelandparzellen aufgelöst und zu Bauland umfunktioniert werden sollen. Und sie protestieren – nun schon zum dritten Mal seit 2016 –, weil sie zu den Betroffenen gehören, deren Kolonien in Herrenhausen, Kleefeld und Friedenau zu den ersten zählen würden, die dem Erdboden gleichgemacht werden. Insofern ist es erklärlich, dass auch Linken-Politiker aus den Bezirksräten Buchholz-Kleefeld und Herrenhausen-Stöcken vor dem Verbandsgebäude Flagge zeigten.

Kündigungen vertagt

„Wir wollen, dass der Rat das Kleingartenkonzept wieder kippt“, sagte Carsten Hanisch vom Kleingartenverein Herrenhausen-Burg. Die vielen grünen Inseln in Hannover seien als Freizeitflächen und grüne Lungen lebenswichtig für die Stadt, darum sollte künftige Wohnbebauung besser in die Fläche gehen. Nun gibt es viele Stimmen, die auch eine Verdichtung von Wohnraum in Hannover fordern, aber ernsthaft ausgebrochen ist der Konflikt ja noch gar nicht. Die Kündigung von 200 Parzellen im Jahr 2018, erklärte Aktionsbündnis-Sprecherin Sylvia Remé, sei erst einmal vertagt worden, und so wurde bislang nur ein gutes Dutzend Gärten aufgelöst. „Kleingärten erfreuen sich inzwischen wieder großer Beliebtheit, auch bei Familien und jungen Leuten“, brach Hanisch eine Lanze für die grünen Parzellen in der Stadt. So liege die Leerstandsquote derzeit nur bei ein bis zwei Prozent, was mit einer ganz normalen Fluktuation zu erklären sei.

Zu den Delegierten, die beim Verbandstag in vorderster Reihe standen, zählt Vizepräsident Reinhard Martinsen. Es zeigte sich nicht gerade hellauf begeistert, dass die Kleingärtner-Opposition ihren Protest weiterhin so öffentlichkeitswirksam wie draußen vor der Tür kundtat, mag die Differenzen aber auch nicht überbewerten. Derzeit hätten die Bauträger in der Stadt schließlich alle Hände voll zu tun, die ihnen in mehreren Quartieren zugesprochenen Baurechte auszuschöpfen und neuen Wohnraum auf freien Flächen zu schaffen. Und abgesehen davon gebe es das Versprechen, die Gesamtzahl der Kleingärten in Hannover nicht zu verringern, sondern für jede aufgelöste Parzelle Ersatz zu schaffen. Dass das für die Betroffenen vor Ort oft wenig tröstlich wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Mehr Rechtssicherheit

Als potenzielles Vorhalt-Gelände, so Martinsen, habe die Stadt jetzt ein Areal mit 50 Freizeitgärten in Sahlkamp erworben. Die mit 1000 Quadratmetern meist sehr großen Parzellen könne man teilen, sollten die bisherigen Pächter durch neue ersetzt werden, so dass die Zahl von Kleingärten in der Nähe des Mittellandkanals noch deutlich steigen könnte. Vertrieben werde natürlich keiner der bislang dort ansässigen Gartenfreunde, sagte Martinsen, allerdings müssten sich diese nun Kleingartenvereinen anschließen – was ihnen deutlich mehr Rechtssicherheit beschere als früher.

Bei den Vorstandswahlen wurde der bisherige Vorsitzende Karl-Heinz Rädecker in seinem Amt bestätigt, ebenso wie Vize Reinhard Martinsen. Neuer zweiter Vizepräsident ist Werner Kreuter, zum Kassierer wurde Erwin Benkert gewählt, zur Schriftführerin Doris Melchert.

Von Michael Zgoll

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