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Hannover Nachfrage nach blauen Säcken sinkt, gelbe Säcke oft knapp
Nachrichten Hannover Nachfrage nach blauen Säcken sinkt, gelbe Säcke oft knapp
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00:15 30.11.2018
Übergabe der Altpapiersäcke an der Supermarktkasse. Quelle: Samantha Franson
Hannover

In den Ausgabestellen wie Supermärkten werden immer wieder die gelben Säcke knapp. Dafür liefert der Abfallwirtschaftsbetrieb (Aha) nur noch ein Viertel an blauen Säcken aus seit für die Rolle mit 20 Tüten ein Euro fällig wird. „Vermutlich werden die Altpapier-Sammelsäcke jetzt seltener zweckentfremdet“, sagt Aha-Sprecher Stefan Altmeyer. Weil immer mehr Kunden die blauen Säcke offenbar massenhaft auch als Mülltüten oder ähnliches missbraucht haben, verlangt Aha seit Anfang des Jahres eine Gebühr. Die sparsamen Kunden haben reagiert – es werden 75 Prozent weniger kostenpflichtige Tüten verlangt.

Die gelben Säcke indes, in denen Plastikmüll wie Joghurtbecher oder Zahnpastatuben gesammelt werden, sind immer häufiger vergriffen. „Wenn ich morgens nicht schnell genug bin, gehe ich regelmäßig leer aus“, meint Anton Wieschler aus der List. Wenn in seinem Supermarkt ein Karton geliefert werde, sei der nach ein paar Stunden leer. „Und eindecken kann ich mich mit den Rollen ja nicht, da immer nur eine pro Person ausgegeben wird“, so der Senior. Manchmal gebe es eine Woche lang gar keine Säcke. Die Kassiererin hat gerade zwei volle Kartons unter ihrer Kasse. „Im Moment geht es, aber oft kommen die Tüten einfach nicht nach.“

Mittags sind die Säcke oft schon weg

In einem großen Einkaufsmarkt an der Vahrenwalder Straße kommt ab mittags regelmäßig das „Gelbe Säcke sind aus-Schild“ auf den Tresen. „Wir bekommen für jeden Tag zwei Kartons, ab mittags sind alle weg“, so eine Mitarbeiterin. Der große Markt könne gut und gerne das Doppelte gebrauchen, auch jetzt stehen schon wieder Kunden Schlange. Nach Aussage des Aha-Sprechers ist das Nachordern kein Problem. „Die Belieferung der Märkte mit gelben Säcken läuft nach Bestellung.“ Würden konkret Märkte mit Engpässen benannt, könne im Einzelfall geprüft werden, nachzuliefern. „Natürlich kann es auch mal vorkommen, dass in einem Markt die Säcke vergriffen sind. Deshalb bitten wir die Märkte auch, dass die Mitarbeiter jeweils nur eine Rolle pro Person und Tag herausgeben, damit möglichst viele Kunden etwas bekommen“, so Altmeyer. Neben rund 400 Geschäften und Supermärkten gebe es die gelben Säcke zudem auf jedem der 21 Wertstoffhöfe in der Region Hannover.

Werden die Säcke zweckentfremdet?

Ob die Nachfrage nach kostenlosen gelben Säcken gestiegen ist, kann der Aha-Sprecher nicht beurteilen. „Wir geben die gleichen Mengen heraus wie sonst auch. Bei uns gibt es auch keine Lieferengpässe.“ Die Mitarbeiterin an der Kasse eines Discounters in der Südstadt hat dennoch den Eindruck, dass viele Kunden häufiger nach den gelben Rollen fragen. „Vermutlich werden diese jetzt genauso zweckentfremdet wie zuvor die blauen Säcke.“ Für Kundin Karin Bleckerdt trifft das nicht zu. „Ich packe da rein was sich gehört. Wenn die Tüten zweckentfremdet werden, sollen sie die gelben Rollen doch auch kostenpflichtig machen.“

Genau das kann Aha allerdings nicht initiieren. Denn mit dem Einsammeln der gelben Säcke ist der Abfallwirtschaftsbetrieb nur beauftragt – und zwar vom Dualen System. Die Verantwortung für das Altpapier dagegen liegt komplett bei Aha.

Weniger Säcke fürs Papier

Mehr als 40 Millionen blaue Säcke hat Abfallentsorger Aha bis Ende 2017 jährlich in der Region verteilt, damit die Menschen ihr Altpapier darin zur Entsorgung bereitstellen können, sofern sie keine Tonne nutzen oder keinen Container zur Verfügung haben. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es die Altpapier- und gelben Säcke kostenlos im Einzelhandel, für die blauen Tüten wird seit Jahresbeginn ein Euro pro Rolle fällig. Abgesehen davon, dass viele Bürger die blauen Tüten für den Restmüll zweckentfremdet haben, wollte Aha die Plastikflut eindämmen. Vor wenigen Jahren noch wurden nur halb so viele Wertstoffsäcke ausgegeben, die gesammelte Papiermenge aber ist nicht gestiegen. Aha ist vor Erhebung der Gebühren davon ausgegangen, dass die Hälfte der Tüten fremdgenutzt wird – nach knapp einem Jahr im Praxistest wird deutlich, dass es offensichtlich noch deutlich mehr waren. Die Ausgabe der Tüten ist um 75 Prozent gesunken. sub

Von Susanna Bauch

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