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18:07 27.09.2018
Auf der Lister Meile verlegte Gunter Demnig einen Stolperstein für Toni Kreutzmann. Quelle: Benne
Kleefeld/List

Es ist ein bewegender Brief, den Martin Frommhold seiner Frau hinterließ: „Ich tue es nur, wenn ich annehmen muss, dass mein Scheiden Euch die Lebens-möglichkeit erleichtert“, schrieb der Familienvater, ehe er sich in seinem Büro in der Landesversicherungsanstalt (LVA) erschoss. Es war der 10. April 1933, und die Nazis hatten den liberalen Politiker massiv drangsaliert.

Vor dem schmucken Haus in der Kirchröder Straße, in dem Frommhold einst lebte, gibt es jetzt einen Stolperstein, der seinen Namen trägt. Zum 13. Mal ist der Künstler Gunter Demnig in der vergangenen Woche nach Hannover gekommen, um jene Stolpersteine zu verlegen, die in Gehwegen an NS-Opfer erinnern. Insgesamt gibt es in Hannover jetzt 401 jener Denkmale im Miniaturformat.

Zehntklässler der Schillerschule trugen mit ihrer Lehrerin Annette Wienecke bei der Verlegung des Steins Texte vor, die daran erinnerten, dass Martin Frommhold sich für Rechtsstaat und Völkerverständigung eingesetzt hatte. „Der Stein ist ein Zeichen für die Zukunft“, sagte die Landtagsabgeordnete Sylvia Bruns. Der FDP-Stadtverband hatte die Verlegung gesponsert; ein Stolperstein kostet 120 Euro. „Martin Frommhold hat für die Demokratie gekämpft“, rief Bezirksbürgermeister Henning Hofmann. „Dieser Stein ist ein Ansporn für uns alle.“

Der heute fast vergessene Frommhold, geboren 1880 in Sachsen, gehörte der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an. Unter anderem war er Bürgermeister in Westerland auf Sylt sowie in Stade, ehe er 1925 als Vorstand der LVA nach Hannover zog, die ihr Domizil in der Maschstraße 10 hatte. Mutig warnte er vor den Nazis – und wusste nach ihrer Machtübernahme keinen anderen Ausweg als den Tod.

Ehrung Toni Kreutzmanns

Insgesamt verlegte Demnig 20 neue Stolpersteine in Hannover. Einer von ihnen erinnert in der Lister Meile 77 an Antonie Dahlheim, die in der Familie Toni genannt wurde. Die jüdische Kaufmannstochter aus Springe lebte hier, als die Lister Meile noch Celler Straße hieß. Da ihr Mann kein Jude war, wurde sie bis zum Februar 1945 nicht deportiert. Dann sollte auch sie nach Theresienstadt verschleppt werden.

„Sie war schon am Bahnhof, als sie plötzlich kollabierte“, berichtete ihr Enkel Axel Kreutzmann bei der Verlegung des Stolpersteins. Ein Polizeiarzt habe sie für transportunfähig erklärt: „Das hat ihr das Leben gerettet“, sagt der 69-Jährige, der selbst in der List lebt. Bis zum Ende der NS-Zeit sei seine Großmutter dann in einem Dorf bei Springe versteckt worden: „Wir haben bis heute nicht herausfinden können, wer sie dort verbarg.“

Toni Kreutzmann hatte zwar überlebt, doch ihre Geschwister waren von den Nazis ermordet worden. „Bis zu ihrem Tod im Jahr 1968 litt sie unter massiven Ängsten“, sagt ihr Enkelsohn. Im Beisein zahlreicher Angehöriger legte er am neuen Stolperstein Blumen für seine Großmutter nieder. Zur Erinnerung an eine bescheiden lebende Frau, die der Terror der NS-Zeit gezeichnet hatte.

Von Simon Benne

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