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Hannover Gutachten lässt betagten Unfallfahrer alt aussehen
Nachrichten Hannover Gutachten lässt betagten Unfallfahrer alt aussehen
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00:23 06.05.2018
Am Amtsgericht endete die juristische Reise des Berenbostelers. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Ein 72-jähriger Rentner aus Berenbostel ist bei dem Versuch, einen Strafbefehl wegen Unfallflucht ungeschehen zu machen, gegen die Wand gefahren. Doch hatte Amtsrichter Olaf Wöltje leichtes Spiel bei der Urteilsfindung: Aufgrund der eindeutigen Beweislage mit Zeugen und einem Sachverständigengutachten räumte Verteidiger Matthias Sassenberg bereitwillig ein, dass sein Mandant im März 2017 beim Einparken ein anderes Auto beschädigt hatte. Immerhin konnte der Anwalt das Gericht dazu bewegen, die Höhe der Geldstrafe zu überdenken – und weil die Höhe der 30 Tagessätze am Donnerstag von 50 auf 10 Euro reduziert wurde, muss der Hartz-IV-Empfänger jetzt nur noch 300 statt 1500 Euro zahlen. Außerdem wird der Führerschein des Seniors für zehn Monate eingezogen.

Zeuge fotografiert Kennzeichen

Der 72-Jährige hatte mit seinem Mazda 626 bei dem Versuch, im Roderbruchviertel in einen Senkrecht-Parkplatz zu rangieren, Schiffbruch erlitten. Er prallte an einem Mittwoch zur Mittagszeit mit der rechten Stoßstange seines blauen Wagens gegen den hinteren linken Kotflügel eines silbernen Skoda Fabia. Die kleine Karambolage verursachte bei beiden Autos Kratzer und Schleifspuren im Lack. Dann setzte der Rentner zurück und stellte seinen Mazda 20 Meter weiter in einer breiteren Parklücke ab. Ein junger Mann, der den Parkrempler beobachtet und ein ungewöhnliches Geräusch vernommen hatte, fotografierte geistesgegenwärtig das Kennzeichen des Unfallfahrers. 

Im weiteren Verfahren tat der Rentner etwas, das viele Unfallfahrer probieren: Er behauptete, überhaupt nichts von dem Missgeschick mitbekommen zu haben. Daraufhin reagierte die Staatsanwaltschaft so, wie sie in solchen Fällen regelmäßig zu reagieren pflegt: Sie gab ein Gutachten in Auftrag, das über die wahrscheinliche Wahrnehmung des Autofahrers zum Zeitpunkt des Crashs Auskunft geben sollte.  Drei Punkte galt es dabei zu prüfen: Was konnte der Unfallfahrer sehen, hören und  fühlen?

Unüberhörbare Geräusche

Das Ergebnis der Expertise war eindeutig – auf allen drei Ebenen muss der Senior die Karambolage registriert haben. Der Skoda habe sich direkt in seinem Sichtfeld befunden, außerdem sei einem „dumpfen Anstoßgeräusch“ zwangsläufg ein „schabendes Geräusch“ gefolgt. Natürlich hört sich ein Zusammenprall für einen außenstehenden Passanten anders an als für den Insassen eines Fahrzeugs, der vielleicht auch noch Musik hört. Und doch gibt es Töne und Geräusche, die niemand überhören kann.

Auch zu der taktilen Wahrnehmung des 72-Jährigen hatte der Sachverständige eine klare Meinung: Das „Popometer“ des Fahrers habe den Zusammenprall registrieren müssen. Den Begriff des „Popometers“ verwenden Fachleute gern, wenn sie über das Verhältnis von Beschleunigungskräften, Massenträgheit und Gleichgewichtsorgan dozieren; so wird das plötzliche Rucken eines Wagens via Sitz und Lenkrad zwangsläufig an den Fahrer übertragen.

Weil der Rentner die Unfallflucht letztendlich nicht mehr in Abrede stellte, musste auch die 64 Jahre alte Besitzerin des Skoda nicht mehr als Zeugin gehört werden. Der Schaden an Stoßstange und Kotflügel ihres Autos war auf 2150 Euro taxiert worden, nach eigenem Bekunden bekam sie schließlich 1400 Euro ausgezahlt. 

Von Michael Zgoll

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