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Hannover Wer zahlt? Kollege verursacht bei Auto-Hilfe Kupplungsschaden
Nachrichten Hannover Wer zahlt? Kollege verursacht bei Auto-Hilfe Kupplungsschaden
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00:40 13.04.2018
Das Amtsgericht entpuppte sich für die Klägerin als Sackgasse Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Eine Autofahrerin ist bei dem Versuch, einem Arbeitskollegen per Zivilprozess die Reparaturkosten für ihre Porsche-Kupplung aufzuhalsen, gegen die Wand gefahren. Amtsrichterin Dagmar Frost lehnte ihr Begehr, den Beklagten – oder seine Haftpflichtversicherung – zur Zahlung von 2927 Euro zu zwingen, rundweg ab. Der gute Mann hatte der 34-jährigen Klägerin auf ihren Wunsch beim Ölnachfüllen geholfen. Kurze Zeit später, so hatte die Frau behauptet, sei die Porsche-Kupplung aufgrund überlaufenden Öls ins Rutschen gekommen und habe erneuert werden müssen. 

„Mach rein!“

Der entscheidende Satz bei dem schon dreieinhalb Jahre zurückliegenden Freundschaftsdienst, den die Klägerin jüngst  in öffentlicher Sitzung mit fröhlicher Stimme bestätigt hatte, lautete: „Mach rein!“ Das war ihre Antwort auf die Frage des Arbeitskollegen, wie viel Öl er nun eigentlich nachgießen solle.

Wie sich im Verlauf der Verhandlung herauskristallisierte, hatte die Autobesitzerin damals keine tiefschürfenden Erkenntnisse über den Ölstand ihres Boxter 987. Das Fahrzeug besaß keinen Messstab, die Fahrerin wurde lediglich durch eine elektronische Anzeige auf den Mangel aufmerksam. Mit einer Flasche bewaffnet, die ihrer Schätzung nach 1,5 bis 2 Liter Motoröl enthielt, wollte sie sich selbst helfen – bekam aber den Deckel des Öleinfüllstutzens nicht aufgeschraubt. Daraufhin bat sie den Arbeitskollegen um Hilfe, der sich nicht lange zierte und nach eigener Erinnerung ungefähr die Hälfte des Flascheninhalts in den Porschemotor goss. Die Aufforderung „Mach rein!“ war auch ihm noch gegenwärtig.

Ölmessstab existierte nicht

Wie die Zivilrichterin ausführte, habe zwischen den Parteien damals nur ein reines „Gefälligkeitsverhältnis“ bestanden. Dabei müsse ein Helfer nur so viel Sorgfalt anwenden, wie er es „auch in eigenen Angelegenheiten anzuwenden“ pflege. Auch bei seinem eigenen Auto, hatte der Beklagte gesagt, fülle er Motoröl nur nach Gefühl nach; zu einem Motorschaden sei es dabei noch nie gekommen. Das Gericht sehe nicht, so Dagmar Frost, dass der Mann mit dem Auffüllen von rund einem Liter Öl grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt habe; zudem sei ihm die Möglichkeit verwehrt gewesen, den Erfolg seines Tuns mithilfe eines Messstabs zu überprüfen. 

In keinem Satz wird die Frage gestreift, ob es überhaupt und tatsächlich ein Übermaß an Öl war, das die Kupplung des Porsche ruinierte – die Richterin brauchte zur Urteilsfindung erst gar nicht die Untiefen automobiler Motorentechnik abzutauchen.

Von Michael Zgoll

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