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Hannover Wolffsohn sucht Gemeinsamkeiten der Religionen
Nachrichten Hannover Wolffsohn sucht Gemeinsamkeiten der Religionen
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00:17 03.02.2018
„Keine Überzuckerungssoße“: Michael Wolffsohn sprach vor rund 500 Besuchern  in der Marktkirche. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

 Eigentlich ist die Marktkirche kein Ort angenehmer Erinnerungen für ihn. Im Jahr 2003 ist Michael Wolffsohn sich hier bei einer Diskussion über den Golfkrieg einmal ganz schrecklich mit Margot Käßmann in die Haare geraten. Jetzt ist der Historiker zurückgekehrt, um beim christlich-jüdischen Dialog über die Identität von Kirche, Synagoge und Moschee zu sprechen, und rund 500 Besucher empfangen ihn mit warmem Applaus. Das Kirchenschiff ist so gut gefüllt, dass der Moderator, Rabbiner Gabor Lengyel, ein respektvolles „Whow!“ vernehmen lässt.

Professor Wolffsohn gilt nicht als besonders harmoniebedürftiger Typ. Der Publizist, geboren 1947 in Tel Aviv, mischt sich immer wieder meinungsfreudig in die großen kulturellen Debatten ein und zeigt dabei keine Scheu vor Konflikten. In Fernsehtalkshows gehörte Wolffsohn, laut Selbstaussage ein „deutsch-jüdischer Patriot“, zeitweise zum Inventar – und gab sich durchaus streitbar. Da ist eigentlich keine billige Friede-Freude-Eierkuchen-Rhetorik zu erwarten.

 „Gemeinsamer Urquell“

Gleichwohl lotet Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehr-Uni in München lehrte, vor allem die Gemeinsamkeiten der drei Religionen aus. „Die ersten Christen waren sich gar nicht sicher, ob sie eine eigene neue Religion oder ein Teil der jüdischen Gemeinschaft seien“, sagt er. Der frühe Islam sei wahrscheinlich eher eine besondere Variante des Christentums gewesen: „Im Koran fällt der Name Jesus sehr, sehr häufig.“ Und die Bergpredigt Jesu sei für ihn „der Höhepunkt jüdischer Ethik“. 

Der Historiker spricht frei und schöpft dabei aus einem tiefen Fundus des Wissens. „Die Religionen haben sich aus einem gemeinsamen Urquell heraus entwickelt“, sagt der 70-Jährige, während er jungenhaft federnd hinterm Pult steht: „Wir müssen gar keine Überzuckerungssoße schaffen – so weit sind wir gar nicht voneinander entfernt.“

Droht Islamisierung?

Trotzdem geht derzeit ein Schreckgespenst um in Europa: die drohende Islamisierung des Abendlands. „Das christliche Abendland ist Fiktion“, sagt Wolffsohn dazu – dieses habe nämlich ursprünglich heidnische und jüdische Fundamente. Und ob es angesichts der unbestreitbar wachsenden Zahl von Muslimen auch zu einer Islamisierung komme, hänge vor allem von den Nicht-Muslimen ab: „Wenn diese sich von den eigenen religiösen und philosophischen Wurzeln entfernen, müssen sie sich nicht wundern, wenn der Islam stärker wird.“

Im Streit darüber, ob der Reformationstag in Niedersachsen – trotz Luthers Antijudaismus – gesetzlicher Feiertag werden soll, hätten beide Seiten gute Argumente, sagt er nach dem Vortrag im kleinen Kreis: „Ich hätte nichts gegen den Reformationstag“, bekennt er dann. Schließlich könne gerade ein umstrittener Feiertag zum Nachdenken anregen. Und Luther sei zwar nicht perfekt. „Aber ein ganz großer der Geschichte.“

Von Simon Benne

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