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Hannover Museum zeigt Adventskalender
Nachrichten Hannover Museum zeigt Adventskalender
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12:56 26.11.2018
Kurator Emil Schoppmann zeigt einen mit Kerzenschein illuminierbaren Adventskalender aus den Dreißigerjahren. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Der Weg nach Weihnachten ist mit Schokolade gepflastert. Oder mit Hundefutter, mit Parfüm, mit Bierflaschen, Pralinen, erotischen Bildchen oder Radiobausätzen. Eben mit allem, was in einen Adventskalender passt und vermarktet werden will. „Dabei sind Adventskalender keine Erfindung der Industrie – sie stammen aus dem religiösen Volksbrauchtum“, sagt Emil Schoppmann.

Der Historiker ist Kurator einer kleinen Ausstellung, mit der das Historische Museum jetzt die Weihnachtszeit einläutet. Zu sehen sind Dutzende von Adventskalendern – zum Aufklappen und zum Abreißen, zum Hinstellen und zum Leeressen.

Eine Wurzel hat der Adventskalender im Rauen Haus bei Hamburg, einer evangelischen Einrichtung für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Der Pastor Johann Heinrich Wichern stellte dort 1838 einen Kranz mit 24 Kerzen auf, die nach und nach angezündet wurden. Anderswo waren Zählbräuche mit dem Aufsagen von Bibelversen oder dem Wegwischen von Kreidestrichen verbunden. Ein christlicher Countdown bis zum Fest.

Lichterglanz über Tannenwipfeln

„Im Jahr 1908 brachte der Verleger und Pfarrerssohn Gerhard Lang dann den ersten käuflichen Adventskalender aus Papier auf den Markt“, sagt Kurator Schoppmann. „Im Lande des Christkinds“ zeigte eher religiöse Szenen– eine Kopie davon ist in der Ausstellung zu sehen. Bald überboten sich Hersteller mit immer neuen Motiven; renommierte Illustratoren inszenierten Bilder von Schneelandschaften mit Aufklapptürchen.

In der NS-Zeit gab es für Kinder vorweihnachtliche Ausmalbögen mit Hakenkreuzen, Panzern und Torpedos. „Christliche Motive wurden zugunsten von Runen und Sonnenrädern ersetzt“, sagt Schoppmann. In der DDR fanden sich auf Adventskalendern dann eher neutrale Wintermotive als etwa der Stern von Bethlehem oder die Heilige Familie.

Zur Wirtschaftswunderzeit dominierten später liebliche Idyllen mit Sternschnüppchen und Lichterglanz über verschneiten Tannenwipfeln. Und Kaffeefirmen wie Machwitz oder Jacobs entdeckten Adventskalender als Werbeträger. Ein Exemplar, gestaltet 1987 von der Designerin Beate Schmidt für das Fremdenverkehrsamt, zeigt Hannovers Rathaus in voller Schönheit. „Heute geht ein Trend zum Selberbasteln“, sagt Emil Schoppmann. So spiegeln sich ein Adventskalendern immer auch die Züge der Zeit.

Adventskalender“ ist im Historischen Museum bis zum 6. Januar zu sehen. Infos unter (0511) 168 43052.

Von Simon Benne

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