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Hannover In Ahlem eröffnet erster Bauernmarkt mit Online-Shop 
Nachrichten Hannover In Ahlem eröffnet erster Bauernmarkt mit Online-Shop 
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00:17 15.02.2018
Sie öffnet Türen: Friedlinde Volker will in Hannover die erste Marktschwärmerei etablieren Quelle: Körner
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Hannover

 Friedlinde Volker freut sich schon auf den Frühling. Besonders auf den 5. April. Denn dann soll ein Projekt an den Start gehen, in das sie fast ein halbes Jahr Vorbereitungszeit gesteckt hat. Die 54-Jährige, deren Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Seelze hat, organisiert eine in Hannover ganz neue Variante des bekannten Bauernmarktes. Die Erzeuger aus der Region verkaufen dort wie üblich ihre selbst produzierten Waren – doch die Kunden haben diese zuvor online bestellt und auch bereits bargeldlos bezahlt. Marktschwärmerei heißt die Internetplattform, die Verbraucher und Erzeuger regionaler Lebensmittel auf ungewohnte Weise zusammenbringen will. 

Ein ausgeprägtes Faible fürs Internet hat Friedlinde Volker nicht. „Ich bin nicht mal bei Facebook“, sagt sie. Doch als sie von der bundesweiten Bewegung der Marktschwärmerei hörte, war sie sofort begeistert. Sie nahm das Projekt in Angriff, eine Mischung aus Online-Shop und Bauernmarkt auch in der Region Hannover aufzubauen. „Der Bedarf nach hochwertigen Lebensmitteln aus regionalem oder biologischem Anbau ist da“, sagt die Seelzerin. „Heutzutage haben die Menschen aber immer weniger Zeit zum Einkaufen, sie bestellen viel im Internet – warum sollte man nicht beides kombinieren?“

Das sieht auch Prof. Bernhard Beßler so. Der Leiter des Geschäftsbereichs Gartenbau bei der niedersächsischen Landwirtschaftskammer stellt Friedlinde Volker einen Teil des Kammer-Geländes in der Heisterbergallee in Ahlem für ihre Marktschwärmerei zur Verfügung. Vor einigen Jahren gab es dort schon mal einen Bauernmarkt, diese Tradition will die Kammer mit einem modernen Konzept neu beleben.

Vom Erzeuger zum Kunden

In der Initiative Marktschwärmer kann jeder unter der Adresse www.marktschwärmer.de einkaufen, der sich online ein Benutzerkonto einrichtet – wie bei anderen Internetbestellungen auch. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und unverbindlich; es gibt keine Verpflichtung, jede Woche Waren oder eine Mindestmenge abzunehmen. In der Regel startet ein lokales Marktschwärmer-Netzwerk, wenn es 150 interessierte Kunden gibt. Sie zahlen wahlweise mit Kreditkarte, per Online-Banking mit Sofortüberweisung oder über die Online-Verfahren GiroPay und PayPal. Die Kunden bestellen aus dem Internetangebot des Erzeugers und zahlen den Preis, den dieser festlegt. Kosten für Zwischenhändler oder Marktgebühren fallen nicht an. Der Erzeuger gibt von seinem Nettoumsatz eine Servicegebühr von 18,35 Prozent ab – davon gehen 8,35 Prozent an den Organisator des lokalen Netzwerkes und 10 Prozent an die Marktschwärmer-Internetplattform. Im hannoverschen Netzwerk kann zurzeit noch nicht bestellt werden. Einige Händler stellen sich online schon vor. 

In anderen deutschen Städten läuft dies bereits erfolgreich. Im Juli 2014 startete die erste Marktschwärmerei in Berlin. Inzwischen sind in zehn Bundesländern 41 dieser regionalen Erzeuger-Kunden-Netzwerke etabliert; 75 weitere sind im Aufbau. „Gerade in Niedersachsen sind wir bisher noch nicht so gut vertreten“, sagt Volker Zepperitz, Sprecher der Marktschwärmer-Initiative, die ihren Sitz in Berlin hat. Die von Hannover aus nächstgelegene Marktschwärmerei ist im Landkreis Hildesheim zu finden, auch in Osnabrück und Lüneburg läuft das Projekt. Jedes Netzwerk wird von örtlichen „Gastgebern“ aufgebaut, die den Kontakt zu Produzenten und Verbrauchern halten und die wöchentlichen Märkte organisieren. 

Friedlinde Volker tritt als Pionierin für die Region Hannover an. Ab dem 5. April werden die Marktbeschicker jeden Donnerstag in der Zeit von 16.30 bis 18.30 Uhr auf dem Hofgrundstück in der Heisterbergallee 12 ihre Waren auspacken. Ein gutes Dutzend Händler hat die „Gastgeberin“ bereits für ihre Sache begeistern können, weitere sollen folgen.

Schon dabei ist die Backstube Bundschuh, ein Familienbetrieb aus Stückendrebber bei Neustadt am Rübenberge. Seit einem Vierteljahrhundert werden in der Hofbäckerei Bio-Backwaren hergestellt. „Wir finden die Marktschwärmerei sehr interessant“, sagt Landwirt Friedrich Bohm vom Bundschuh-Team. Er und seine Kollegen sind bereits auf vier hannoverschen Wochenmärkten zu finden und beliefern mehr als 20 Bio-Läden, Reformhäuser und Lebensmittelhändler in der Region. Gleichwohl sei der neue Vertriebsweg attraktiv, betont Bohm. Einen großen Vorteil sieht er darin, dass die Liefermenge durch die Internetbestelltungen der Kunden genau planbar sei – und die frische Ware daher nicht verderben könne. „Außerdem ist es eine neue Herausforderung, sich den Internetmarkt zu erschließen.“

Frederic Pein, Mitinhaber der Gärtnerei Rothenfeld im Isernhagener Ortsteil Neuwarmbüchen, verspricht sich auch neue Kundenkreise. „Bisher haben wir keine Direktvermarktung“, erklärt der Bio-Gemüsegärtner, dessen Unternehmen einen Hofladen betreibt und vor allem Naturkostläden, Kantinen und Restaurants in und um Hannover beliefert. Wichtig ist Pein der direkte und intensive Kontakt zu den Kunden, der über die Marktschwärmerei aufgebaut werden könne. Die Bio-Imkerei Bienenwerk aus Suderbruch im Heidekreis und der Milchhof Grimmelmann aus Wietzen im Kreis Nienburg gehören zu den am weitesten entfernten Teilnehmern des Netzwerks. „Die meisten sind in einem Umkreis unter 50 Kilometern angesiedelt“, betont Friedlinde Volker. Schließlich sollten auch die Anfahrtswege möglichst kurz gehalten werden. 

 

 

Von Juliane Kaune

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