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Hannover 29-Jähriger schlägt Jesiden wegen Religionszugehörigkeit
Nachrichten Hannover 29-Jähriger schlägt Jesiden wegen Religionszugehörigkeit
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00:24 12.05.2018
Die früheren Aussagen von Pascal B. bei der Polizei und seine aktuelle Einlassung vor Gericht wichen voneinander ab. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

 Ein 29-jähriger Pflegehelfer, schon mehrfach wegen Körperverletzung verurteilt, hat am Mittwoch eine neue Strafe kassiert. Das Amtsgericht Hannover sprach Pascal B. schuldig, einem 20-Jährigen an der Stadtbahnstation Langenhagen Zentrum einen Faustschlag verpasst zu haben. Die Strafe: Drei Monate Gefängnis auf Bewährung und 1000 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung. Die Attacke am 2. Februar dieses Jahres hatte einen rassistisch-religiösen Hintergrund, denn B. hatte das auf eine Bahn wartende Opfer gefragt: „Warum sind deine Haare schwarz?“ und „Von welcher Religion bist du?“ Als der Jüngere antwortete, er sei Jeside, bekam er einen heftigen Schlag auf sein linkes Auge verpasst. Er flüchtete, verfolgt von B. und einem Freund, und rief die Polizei.

Beleidigung von „Moslems“?

Der Angeklagte behauptete, drei Stunden vor dem Haltestellen-Angriff – also gegen 20 Uhr – von einer vorbeiradelnden Gruppe orientalisch aussehender Jugendlicher beleidigt worden zu sein. „Scheiß Christen“ hätten sie ihm und seinem Kumpel (37), mit dem er Bier und Wodka trinkend auf einer Mauer saß, zugerufen. Zeugen für diese angebliche Beleidigung gibt es allerdings nicht. Deshalb, so führte B. gegenüber Amtsrichter Melle Klinkenborg aus, hätten er und sein Freund den 20-Jährigen am Haltepunkt angesprochen; sie hätten vermutet, er gehöre zu der Gruppe der „Moslems“ auf den Rädern. Dass eine tiefe Kluft zwischen Moslems und Jesiden klafft, war dem angetrunkenen Radaubruder offenbar nicht bekannt – er schlug einfach zu.

Einem Polizeibeamten gegenüber hatte B. kurz nach der Tat erklärt, er habe das Opfer lediglich geohrfeigt. Vor Gericht wollte er überhaupt nichts mehr von einer körperlichen Attacke wissen. Doch waren seine Aussage und die seines 37-jährigen Kumpels, ebenfalls als Pflegehelfer tätig, derart identisch, dass sie wie abgesprochen wirkten.

Rote Linie überschritten

Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass sie für fremden- und religionsfeindliche Äußerungen und Aktionen wie von B. getätigt überhaupt kein Verständnis habe – zumal der Angeklagte und sein Freund polnische Staatsbürger und damit selbst Ausländer in Deutschland seien. Richter Klinkenborg sagte, es sei für den 20-Jährigen sicher schlimm gewesen, aus heiterem Himmel Opfer eines solchen Angriffs zu werden. Bislang sei B. für seine Körperverletzungs-Delikte noch mit Geldstrafen davongekommen, doch mit der Attacke gegen den jungen Jesiden habe er eine rote Linie überschritten.

Von Michael Zgoll

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