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Hannover Frau Freckmann darf wieder arbeiten
Nachrichten Hannover Frau Freckmann darf wieder arbeiten
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20:12 25.05.2018
Das Juweliergeschäft Rudolph an der Badenstedter Straße. Quelle: Körner
Hannover

 Das Juweliergeschäft von Kathrin und Georg Rudolph an der Badenstedter Straße ist eines von der Sorte, wie man sie nicht mehr so häufig findet. Die Einrichtung kann man als klassisch unaufdringlich beschreiben, es gibt eine Werkstatt und sogar noch eine Mittagspause. Dort bewegt sich nun Brigitte Freckmann als Verkäuferin zwischen Bedientischen mit gläserner Platte, Vitrinen und Regalen, berät Kunden, nimmt Reparaturaufträge entgegen, verkauft Armband- und Wohnraumuhren, Wecker, Ringe, Ketten und Ohrringe. Sie hat ihr berufliches Glück wiedergefunden.

Kathrin Rudolph (links) und Brigitte Freckmann haben beides etwas dringend gesucht – und einander gefunden. Quelle: Körner

Brigitte Freckmann ist ausgebildete Fachverkäuferin , arbeitete in ihrer Laufbahn in inhabergeführten Geschäften ebenso wie bei einem Discounter und in mehreren Kaufhäusern. Sie hat Drogerieartikel verkauft und Mode. Vor drei Jahren war Schluss, die Hannoveranerin ergatterte seitdem nur noch Minijobs. In der Statistik lief die 62-Jährige unter der Rubrik Langzeitarbeislose, Altersgruppe ab 50.

Es ist noch nicht allzu lange her, da hätte der Arbeitsmarkt jemanden wie Brigitte Freckmann dauerhaft aussortiert. Das hat sich aber gewandelt. „Entscheidend ist, dass für einen Arbeitgeber Motivation, Erfahrung und Qualifikation im Vordergrund stehen und nicht das Alter“, sagt Andreas Beensen, Ansprechpartner für Arbeitgeber beim Jobcenter.

Womit man bei Kathrin Rudolph wäre, die das Traditionsgeschäft vor 22 Jahren zusammen mit ihrem Mann übernommen hat. Als eine langjährige Mitarbeiterin in Rente ging, suchte sie ein Jahr nach Ersatz. „Wir brauchen jemanden, der einen Kunden komplett von A bis Z bedient und berät und ihm nicht drei Stücke zur Auswahl vorlegt, um sich dann dem nächsten zuzuwenden“, erklärt sie. Außerdem müsse Vertrauenswürdigkeit gegeben sein und die Chemie stimmen. Das machte es schwierig. „Verkauf im Einzelhandel ist kein attraktiver Beruf mehr, das gesellschaftliche Ansehen ist stark entwertet worden“, findet Rudolph. Zur Wahrheit gehört auch, dass in vielen  anderen Branchen höhere Löhne gezahlt werden. 

Brigitte Freckmann stört das nicht, und die Sache mit der Attraktivität würde sie so auch nicht unterschreiben. Sie wollte nicht einsehen, dass ihre Berufslaufbahn zu Ende gegangen sein sollte, das Nichtstun war überhaupt nicht ihre Sache. Ungefähr 150 Bewerbungen hat sie zwischenzeitlich geschrieben. Als dann über Beensen der Kontakt zum Juweliergeschäft Rudolph zustande kam, ging alles schnell. „Ich verkaufe leidenschaftlich gern, schätze Kundenkontakte und habe einen Hang zum Perfektionismus“, sagt Freckmann. Sie sagt aber auch, dass sie noch viel lernen muss über die Schmuckbranche. Sie macht es gerne.

Arbeitsmarkt im Wandel

Die Arbeitslosenzahlen in der Region Hannover gehen seit Jahren zurück, wovon mittlerweile auch die Klientel der Jobcenter profitiert. In diesem Bereich waren zuletzt im April 31.141 Männer, Frauen und Jugendliche registriert, 700 weniger als noch ein Jahr zuvor. Die Quote, in der Vergangenheit auch schon einmal zweistellig, betrug 5,1 Prozent. Gut 9000 Betroffene sind älter als 50 Jahre.

„Bei den Arbeitgebern hat ein Sinneswandel eingesetzt, sie sind durch den Fachkräftemangel offener geworden“, sagt Andreas Beensen, Ansprechpartner für Arbeitgeber beim Jobcenter Hannover. Es gebe zum einen den Trend, gutes Personal auch in schlechteren Zeiten zu halten. Zum anderen genieße Berufserfahrung einen immer höheren Stellenwert, wenn Stellen zu besetzen seien.

So wächst bundesweit der Anteil derjenigen an der Gesamtbevölkerung, die im Alter zwischen 55 und 64 Jahren sozialversicherungspflichtig arbeiten. Laut Bundesamt für Statistik lag er 1991 bei 38 Prozent, 2014 dann schon bei 66 Prozent. 

Von Bernd Haase

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