Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Gemeinden wählen am Wochenende
Nachrichten Hannover Gemeinden wählen am Wochenende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 07.11.2018
„Eine Chance für Gemeinden“: In Misburg tagt der Kirchenvorstand im Pfarrheim von St. Anna – die katholischen Pfarreien wählen am Wochenende ihre Leitungsgremien neu. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Am Anfang steht das große Tischerücken. Ein gutes Dutzend Männer und Frauen schiebt lange Tafeln zusammen, dann breiten alle plaudernd ihre Ordner vor sich aus und beugen sich über die Tagesordnung: Kindergärten, Finanzen, Bauangelegenheiten. St. Anna ist der Vorposten des Katholizismus in Misburg, und an diesem Abend tagt im Pfarrheim der Kirchenvorstand (KV). „Die Arbeit macht Spaß, und der zeitliche Aufwand hält sich eigentlich in Grenzen“, sagt Carola Thaden. Seit vier Jahren ist sie im Kirchenvorstand, der etwa alle zwei Monate zusammenkommt.

Am kommenden Wochenende wählen die Katholiken im Bistum Hildesheim ihre Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte (PGR) neu. Im gesamten Bistum sind mehr als eine halbe Million Katholiken wahlberechtigt; allein in der Region Hannover sind es mehr als 95 000. Die Wahl fällt in eine Zeit des Umbruchs: Kirchenschließungen und Priestermangel machen den Katholiken zu schaffen. In Hannover werden mehrere Pfarreien sukzessive in sogenannten Pastoralbereichen gebündelt. „Auch deshalb sind die Wahlen diesmal besonders wichtig“, sagt Franz Kurth.

„Eine Chance für Gemeinden“

Seit gut einem Jahr ist der 57-Jährige Pfarrer in der Pfarrei St. Martin, zu der insgesamt vier Kirchen gehören – darunter St. Anna in Misburg. Seit gut einem Monat ist er mit seinem Team aber zusätzlich auch für die vier Kirchen von St. Bernward in Lehrte zuständig, und irgendwann wird sein Pastoralbereich noch um Burgdorf und Uetze erweitert – dann sollen 24 000 Seelen zum Beritt von Franz Kurth gehören. Die Zeiten, in denen sich in der katholischen Kirche alles um den Herrn Pfarrer drehte, sind vorbei – schlicht, weil es an vielen Orten gar keinen Herrn Pfarrer mehr gibt.

„Viele Traditionen werden abbrechen“, sagt Pfarrer Kurth illusionslos, „doch die Gemeinden haben dadurch auch die Chance, das Gemeindeleben selbst in die Hand zu nehmen.“ Tatsächlich wächst die Bedeutung der Laien rapide; Ehrenamtliche übernehmen immer mehr Aufgaben. „Man kann tatsächlich viel bewegen, wenn man sich engagiert“, sagt Ulrich Dietze. Als vor einigen Jahren der Herz-Jesu-Kirche in Misburg die Schließung drohte, kämpfte er dagegen an. Am Ende blieb das Gotteshaus erhalten. Dort wurde ein Kolumbarium eingerichtet, ein Beisetzungsort für Urnen.

Dennoch ist die Wahlbeteiligung traditionell mager. Vor vier Jahren lag sie bistumsweit nur bei 7,1 Prozent, in der Stadt Hannover war sie noch geringer. Auch deshalb appelliert der neue Bischof Heiner Wilmer an die Katholiken, wählen zu gehen: „Stärken Sie den Menschen den Rücken, die sich für unsere Kirche engagieren.“ Viele Pfarreien mussten zudem händeringend nach Kandidaten suchen. St. Martin ist eher die Ausnahme: Für die jeweils zwölf Posten in PGR und KV gibt es immerhin jeweils 16 Bewerber. „Eine ganze Reihe von Kandidaten sind neu dabei“, sagt Pfarrer Kurth.

Der 69-jährige Ulrich Dietze wird nach Jahrzehnten aus dem Kirchenvorstand ausscheiden. Dafür will Stephan Pahlitzsch erstmals in das Gremium einziehen. „Wenn man viel bekommt“, sagt der Kandidat, „dann muss man auch etwas zurückgeben.“

Mehr als 95 000 Katholiken dürfen wählen

Wahlberechtigt sind am Wochenende katholische Gemeindemitglieder, die mindestens 16 Jahre alt sind – in der Region Hannover sind das mehr als 95 000 Menschen. Allerdings haben einige Gemeinden die Wahlen aus verschiedenen Gründen auf 2019 verschoben, darunter St. Heinrich, St. Bernward, St. Godehard, St. Augustinus, St. Oliver in Laatzen und Heilige Dreifaltigkeit in Seelze.

In der Regel werden zwei Gremien gewählt: Der Pfarrgemeinderat (PGR) ist für seelsorgliche und gesellschaftliche Belange zuständig, beispielsweise die Organisation des Kindergottesdienstes, Seniorenbesuche oder die Flüchtlingshilfe. Der Kirchenvorstand (KV) befindet über Bau- und Finanzfragen, er beschließt auch den Haushalt.

In einigen Gemeinden sind die Gremien allerdings anders aufgestellt. In St. Joseph, St. Maximilian Kolbe und St. Raphael in Garbsen etwa gibt es einen Pastoralrat, der die Aufgaben von PGR und KV vereint.

Von Simon Benne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Posttochter DHL hat in ihrer Zustellbasis am Weidendamm zwei neue Elektrofahrzeuge vom Typ Streetscooter Work XL präsentiert. Sie sind für die Paketzustellung konzipiert.

07.11.2018

Hunderte Kinder wurden mutmaßlich in der Wunstorfer Jugendpsychiatrie mit veralteten Behandlungsmethoden gequält. Die Region will die Fälle aufklären. Ein Symposium zu den Versuchen zeigt, dass die Untersuchungen noch Zeit brauchen.

10.11.2018

Nach der Abweisung von 300 kleinen Patienten an der MHH und der Schließung einer neurochirurgischen Station im Nordstadtkrankenhaus gehen jetzt Krankenschwestern und Pfleger an die Öffentlichkeit.

10.11.2018