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Hannover Kleingärtner freuen sich über Rekordernte
Nachrichten Hannover Kleingärtner freuen sich über Rekordernte
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14:23 06.08.2018
Die Äpfel hängen so prall am Baum wie Weintrauben: Gisela Karner freut sich über die opulente Ernte in ihrem Kleingarten. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

So etwas hat es hier noch nicht gegeben. Nicht in ihrem Garten. Renate Börner ist eine erfahrene Kleingärtnerin. Im Jahr 1954 bekamen ihre Eltern diese Parzelle in der Kleingartenkolonie Bischofshole; die 77-Jährige hat hier einen großen Teil ihres Lebens verbracht. Sie weiß, was bei einer Ernte zu erwarten ist. Doch jetzt hält sie fast ungläubig eine Tomate in der Hand, die so groß ist, dass sie von fern auch als Paprika oder als kleiner Kürbis durchginge. „Das ist die größte, die wir hier je geerntet haben“, sagt sie stolz.

Seit Wochen klagen Landwirte über Ernteausfälle infolge der Trockenheit. Für die Bauern ist die andauernde Hitzewelle ein Fluch. Für Kleingärtner hingegen ist das sonnige Wetter ein Segen. Etliche von ihnen verzeichnen Rekordernten. „In den meisten Gärten ist die Situation sehr gut – einige haben sogar erfolgreich mit Kiwis experimentiert“, sagt Reinhard Martinsen, Vizepräsident des Bezirksverbands der Kleingärtner. Dass die Ernte in diesem Jahr teils sensationell gut ausfällt, liege allerdings nicht allein an der Sonne: „Kleingärtner sind meist fleißige Leute, die ihren Garten hegen und gut wässern“, sagt Martinsen.

Äpfel hängen wie Weintrauben

Tatsächlich: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß und das Gießwasser gesetzt. „Der Rasensprenger lief oft“, sagt Kleingärtnerin Gisela Karner, „wir haben an manchen Tagen morgens und abends gegossen.“ Ein Service, den Landwirte mit riesigen Flächen ihren Pflanzen kaum bieten können. Für Gisela Karner hat es sich gelohnt: „Die Apfel- und Birnenernte ist in diesem Jahr ausgesprochen gut“, sagt die 75-Jährige. An den Zweigen ihres Apfelbäumchens hängen die Äpfel so prall und dicht wie Weintrauben. Sie zeigt zu ihrem kleinen Kirschbaum hinüber: „Drei riesige Eimer Kirschen haben wir gepflückt“, sagt sie, „wer den Baum gesehen hat, hat nur rot gesehen.“

Auch ihre Gartennachbarin Rosemarie Thomsen hat reichlich gewässert. „Außerdem habe ich für das Hochbeet einen sonnigen Platz ausgesucht und gute Komposterde genommen“, sagt die 76-Jährige. Es hat sich gelohnt: „Obwohl ich gar nicht so viele Kartoffeln gesetzt habe, habe ich zehn Kilo geerntet“, sagt sie, während Insekten zwischen ihren Blumen summen und Mischlingshündin Bonni durch den Garten springt.

Rund 20 000 Kleingärten gibt es in Hannover. Die meisten sind eine Mischung aus privatem Naherholungsgebiet, Biotop und Ackerstelle. Idyllen im Miniaturformat, ein Garten Eden hinterm Maschendrahtzaun. Zur Zeit der Industrialisierung, als Bauern zu Arbeitern wurden und nicht mehr der Sonnenaufgang, sondern die Stechuhr ihren Arbeitstag strukturierte, eröffneten Schrebergärten den Städtern kleine Fluchten ins Grüne: Laube, Liebe, Hoffnung. Dazu boten sie frische Luft – und frisches Gemüse. Das ist heute nicht anders als damals, nur dass das Gemüse in diesem Jahr besonders üppig wächst.

Gärtner sparen beim Einkaufen

„Für uns ist es eine absolute Rekordernte – passend zum Rekordsommer“, sagt Michael Stöckel. Der 59-Jährige beackert eine Parzelle im Kleingartenverein Bischofshole. Zufrieden zählt er auf: Kartoffeln, Tomaten, Bohnen, Kürbis. „Wir haben von allem mindestens 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr geerntet, das so verregnet war“, sagt er. Zwei Tomatenpflanzen brachten ihm zwei volle Eimer Tomaten, Körbeweise erntete er Bohnen, und üppig rankt der Kürbis am Maschendrahtzaun zum Nachbarn.

Der Supersommer hilft den Hitzegewinnlern, beim Einkauf spürbar zu sparen: „Das alles ist preiswerter als im Supermarkt – und es ist garantiert ungespritzt“, sagt Michael Stöckel: „Mehr bio geht nicht.“ Der TV-Techniker erntet so viel, dass er auch Freunde und Bekannte mit den Erträgen seiner Parzelle beschenken kann.

Drei Gartenwege weiter hat Sylvia Weich sogar so viele Äpfel geerntet, dass sie immer wieder gefüllte Tüten an ihren Gartenzaun hängt. Passanten dürfen sich gerne bedienen. „Kürzlich sind binnen einer halben Stunde zwei Tüten weggegangen“, sagt sie. Einmal hatte jemand einen kleinen Brief in die Tüte gelegt, auf dem er sich bedankte für die geschenkten Früchte. Eine ganz eigene Art von Erntedank.

Von Simon Benne

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