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Armutsranking von Grundschulen stößt auf Ablehnung

Schulpolitik Armutsranking von Grundschulen stößt auf Ablehnung

Ein von der Stadt Hannovers veröffentlichtes Ranking der Grundschulen nach den Kriterien Armut, Notendurchschnitt und Ausländeranteil ruft heftigen Widerspruch bei Lehrerverbänden und Eltern hervor.

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Eine Liste der Stadt Hannover zeigt, welche Schulen den größten Anteil von Kindern aus prekären Verhältnissen haben. 

Quelle: dpa

Hannover.  An welchen Grundschulen ist der Anteil von armen Kindern am höchsten? Ein von der Stadtverwaltung veröffentlichtes Ranking gibt darüber genaue Auskunft und stößt auf massive Kritik von Lehrern und Elternvertretern. „Es droht eine weitere Stigmatisierung dieser Schulen, an denen die Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter unter nun amtlich bestätigten schweren Bedingungen sehr engagierte Arbeit leisten“, sagt Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte. Das befürchtet auch der Stadtelternrat. „Jedes Kind wird abgestempelt, wenn es von einer bestimmten Schule kommt“, sagt Ralf Struppert, Vorsitzender des Stadtelternrats Hannover. Ein solches Armutsranking hätte nie veröffentlicht werden dürfen. 

Die Stadt hat die Liste erstellt, um den Einsatz von Schulsozialarbeitern besser steuern zu können. Kriterien für die Einordnung der Schulen sind der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund, die Zahl von Alleinerziehenden, der Anteil von Sozialleistungsempfängern und die Zahl der Viertklässler mit unterdurchschnittlichen Noten. Ganz oben auf der Skala prekärer Verhältnisse steht die Grundschule Mühlenberg im gleichnamigen Stadtteil, ganz unten die Grundschule Wasserkampstraße in Kirchrode. In der Ratspolitik stößt die Liste überwiegend auf Zustimmung.

Anders in der Elternschaft. „Als Leiter des Arbeitskreises Grundschulen im Stadtelternrat halte ich das für eine unpassende Stigmatisierung von einzelnen Schulen aufgrund willkürlich gewählter Parameter“, sagt Jens Hundertmark. Intern könne die Verwaltung mit solchen Daten arbeiten, aber die Stadt dürfe ein Ranking  keinesfalls veröffentlichen.  Ähnlich sieht das Michael Balke, Elternvertreter im Schulausschuss des Rates. „Damit werden im Zweifel Vorurteile geschürt, die den Schulen, Lehrern und Schülern nicht gerecht werden“, sagt er. 

Von Andreas Schinkel

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