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Hannover Wer soll für die Kultur in Hannover verantwortlich sein?
Nachrichten Hannover Wer soll für die Kultur in Hannover verantwortlich sein?
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00:17 27.05.2018
Soll das Land Niedersachsen künftig die Herrenhäuser Gärten betreiben? Quelle: Ribbe/Stratenschulte/dpa/Heusel (Collage: RND)
Hannover

Es geht um die bedeutendsten Kulturinstitutionen Hannovers. Jedes Jahr ziehen die Herrenhäuser Gärten Hunderttausende Besucher an, das Sprengel-Museum erfreut sich größter Beliebtheit, und auch das Staatstheater darf getrost als Leuchtturm in der niedersächsischen Theaterlandschaft bezeichnet werden. Die drei Kultureinrichtungen geraten jetzt in den Strudel einer Debatte zwischen Stadt und Land um finanzielle Trägerschaft, um bessere Vermarktung und darum, wer eigentlich den Hut aufhaben soll. Und ganz im Hintergrund geht es auch um den Neid anderer niedersächsischer Kommunen auf die Theaterförderung in der Landeshauptstadt.

Museums-Meile für Hannover?

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), frisch im Amt, macht mit einem kühnen Vorstoß Schlagzeilen: In einem Brief an Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) schlägt er vor, dass das Sprengel-Museum komplett in die Hände des Landes gehen soll. Bisher ist vertraglich geregelt, dass sich Stadt und Land die Kosten für den laufenden Betrieb teilen. Die jährlichen Zuschüsse liegen bei jeweils rund vier Millionen Euro. „Mit diesem Schritt kämen wir dem Gedanken einer Museums-Meile für die Landeshauptstadt Hannover näher“, schreibt Thümler in seinem Brief, der der HAZ vorliegt. Damit spielt er auf das Landesmuseum an, das nur wenige Schritte vom Sprengel-Museum entfernt liegt. Thümler träumt von einer Chronologie der Kunst – alte Meister im Landesmuseum, moderne Werke im Sprengel-Museum, die zusammen „einen bundesweit und international bedeutenden kulturhistorischen Anlaufpunkt bilden“ könnten.

Zugleich fordert Thümler, dass sich Hannover an der Finanzierung des Staatstheaters beteiligt. Das liegt derzeit komplett in den Händen des Landes, der Etat umfasst in diesem Jahr knapp 71 Millionen Euro. Der Minister schlägt vor, dass die Stadt einen Anteil von 24 Prozent übernimmt. Jährliche Kosten von rund 17 Millionen Euro würden auf die Stadt zukommen. Abzüglich der städtischen Zuschüsse fürs Sprengel-Museum müsste Hannover damit zusätzlich 13 Millionen Euro pro Jahr aufbringen. Als Kompensation soll die Stadt bei den Herrenhäuser Gärten entlastet werden. Das Land prüfe die Übernahme der Trägerschaft, schreibt Thümler. Damit wäre das Stadtkonto annähernd ausgeglichen, die Zuschüsse für die Herrenhäuser Gärten bewegen sich bei etwa 12 Millionen Euro.

Die Reaktionen im Rathaus auf den Vorstoß des Ministers sind zurückhaltend. Man verstehe den Brief als Anregung, über die Finanzierung bedeutender Kultureinrichtungen zu sprechen, teilt ein Stadtsprecher mit. Die Überlegungen Thümlers seien noch „sehr skizzenhaft“, für eine Bewertung sei es zu früh. Einen kurzen Kommentar kann sich Schostok aber nicht verkneifen: Er hoffe, dass es dem Land nicht nur darum gehe, Kosten auf die Landeshauptstadt abzuwälzen.

Ist das Land tatsächlich vor allem daran interessiert , die Stadt bei den Ausgaben fürs Staatstheater ins Boot zu holen? Schon lange beklagen niedersächsische Kommunen wie Osnabrück, Göttingen und Lüneburg eine Ungleichbehandlung bei Theaterzuschüssen. „Hannover wird zu 100 Prozent vom Land unterstützt, Osnabrück muss zwei Drittel der Theaterkosten selbst tragen, das sind 11 Millionen Euro“, sagt Sven Jürgensen, Sprecher der Stadt Osnabrück. Immer wieder sei Osnabrück beim Land abgeblitzt, wenn ein stärkeres Engagement gefordert wurde. Zusammen mit anderen Städten hat Osnabrück ein Rechtsgutachten beim Experten für Kommunalrecht, Prof. Jörn Ipsen, in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die Vollfinanzierung des Staatstheaters Hannover lasse sich juristisch nicht rechtfertigen, die Ungleichbehandlung der Kommunen sei „verfassungsrechtlich bedenklich“.

„Ein Fass ohne Boden“

Hannovers langjähriger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg erinnert sich allerdings noch gut, wie es zu der Regelung kam. „1992 hatte die Landesregierung unter Ministerpräsident Gerhard Schröder einen neuen Kommunalen Finanzausgleich vorbereitet, der Hannover stark benachteiligte.“ Schmalstieg selbst handelte in der Staatskanzlei aus, dass im Gegenzug das Land die Kosten des Staatstheaters übernimmt. Mehrere Verträge zwischen Stadt und Land regeln, wer für welche Einrichtung im Kulturbereich zahlt. Schmalstieg sagt: „Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, Herrenhausen oder das Sprengel-Museum zur Disposition zu stellen“ – es handele sich um „absolute Leuchttürme“ der hannoverschen Kulturlandschaft. Dass die Stadt die Verantwortung für die Staatstheater losgeworden sei, sei hingegen ein echter Erfolg: „Dieser Bereich ist ein Fass ohne Boden.“

Offiziell geht es Thümler mit seinen Ideen darum, Hannovers Kulturschätze stärker zu vermarkten. „Die Übernahme der Trägerschaft von Sprengel-Museum und Herrenhäuser Gärten durch das Land würde die Chance bieten, das internationale Potenzial dieser kulturellen Highlights noch besser auszuschöpfen“, sagt der Minister. In den ständig stattfindenden Gesprächen mit der Stadtverwaltung gelte es, die Ideen zu prüfen. Ein weiterer Grund für die neue Debatte dürfte auch in der Kostenexplosion beim Brandschutz im Sprengel-Museum liegen. In einer ersten Schätzung ging die Stadt von 4 Millionen Euro aus, jetzt klettert der Betrag auf 11,5 Millionen Euro. Das Land zeigt wenig Neigung, die Mehrkosten zu teilen. Die Stadt müsse nachweisen, wie der Kostenanstieg zustande gekommen sei, heißt es. Dahinter steckt der Verdacht: Die Stadt habe sich verkalkuliert. Daher sei es besser, wenn das Land die Zügel in die Hand nähme.

Die Ratspolitik hält sich mit Kommentaren noch zurück. „Unausgegoren“ sei der Vorstoß, findet die SPD. Die CDU will ihrem Minister nicht in allen Punkten folgen. „Wir können gern darüber sprechen, wie wir das Sprengel-Museum besser vermarkten“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Eine „Museums-Meile“ hält er für eine gute Idee. Dies aber mit der Übernahme der Herrenhäuser Gärten und der Mitfinanzierung des Staatstheaters zu verbinden, sei zu viel. „Der Minister schaut nur auf das Finanzielle, aber das greift zu kurz“, sagt Seidel. Insbesondere die Herrenhäuser Gärten mit ihren zahlreichen Veranstaltungen wie Kleines Fest und Feuerwerkswettbewerb seien eng mit der Stadt Hannover verknüpft. Man dürfe die emotionale Seite nicht ausblenden.

Kommentar: Nichts als Zumutungen

Mit allerlei Ideen zur Neuverteilung von Geld und Kulturschätzen in Hannover meldet sich Landes-Kulturminister Björn Thümler (CDU) zu Wort. Der Vorstoß des Oldenburgers schielt nicht zuletzt auf den Applaus im übrigen Niedersachsen, meint Hendrik Brandt. (

)

Von Andreas Schinkel

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