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Hannover Ladenverkäufer wegen Beihilfe zu Drogenhandel angeklagt
Nachrichten Hannover Ladenverkäufer wegen Beihilfe zu Drogenhandel angeklagt
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00:43 12.04.2018
Sechs Angeklagte - hier mit ihren Verteidigern - müssen sich vor der 19. Großen Strafkammer verantworten. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Den in der Südstadt unter dem Namen „Euphoria Treibhaustechnik“ firmierenden Laden gab es viele Jahre – und es gibt ihn immer noch. Doch sollen die Produkte, die dort verkauft werden, häufig für Betreiber illegaler Cannabis-Indoor-Plantagen bestimmt gewesen sein: Pflanzenstecklinge und Dünger, Growzelte, Lüftungsanlagen und Speziallampen oder Raubmilben zur Bekämpfung von Schädlingen.  Deshalb müssen sich seit Montag sechs Männer vor dem Landgericht Hannover wegen 21 Straftaten wie unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln (BTM) und – schwerpunktmäßig – Beihilfe zum BTM-Handel verantworten. Die weitaus meisten der Angeklagten im Alter von 31 bis 61 Jahren sind nicht vorbestraft, leben in der Region Hannover und gehen inzwischen anderen Geschäften nach.

Hilfe bei Tomatenzüchtung?

Der Hauptangeklagte ist Mischel D. (41), ehemals Gründer und Geschäftsführer des Shops in der Hildesheimer Straße. In der Anklageschrift, für deren Verlesung Staatsanwalt Alexander Dlugaiczyk rund eine Stunde brauchte, wird auch mehrfach ein in Laatzen beheimater Großhandel für Treibhaustechnik und Raucherbedarf erwähnt; die Fahnder bescheinigten den beiden verbundenen Unternehmen schon vor Jahren eine „bundesweit herausragende Stellung“. Betreiber und Verkäufer argumentieren, man habe den Kunden lediglich beim Kultivieren legaler Pflanzen wie Tomaten, Salat und Chili geholfen. Doch eine Monate währende Observation im Jahr 2014 sowie die Aufzeichnung diverser Telefonate deuten darauf hin, dass die Mitarbeiter Interessenten auch manch gute Tipps zum Anbau von Marihuana gaben und ihnen das nötige Zubehör verkauften – bis hin zur Erntemaschine im Wert von 13.500 Euro. Immerhin sind inzwischen auch schon einige Kunden des Südstädter Growshops im Zuge von Strafverfahren verurteilt worden.

Die Straftaten, mit denen sich jetzt die 19. Große Strafkammer unter Vorsitz von Stefan Joseph beschäftigt, sollen zwischen 2006 und 2014 begangen worden sein. Auf der Anklagebank sitzen neben D. auch Bernd L. (61), Florian R. (39), Roman K. (31), Alexander K. (47) und Andre J. (39). Im Jahre 2014 hatten die Ermittler zugeschlagen: Bundesweit gab es 104 Hausdurchsuchungen, 66 davon im Großraum Hannover. Dabei wurden etliche Indoor-Plantagen aufgespürt.

Große und kleine Fische

Breitgefächert ist die Kundschaft, die von den Dienstleistungen der Läden in Südstadt und Laatzen profitiert haben soll. In der Anklageschrift finden sich ein Döhrener, der in einem Schrank zwei Cannabis-Pflanzen für den Eigenkonsum hochzog, oder zwei Männer aus Vahrenheide, die im Dachgeschoss eines Hauses in Vahrenheide 55 Pflanzen züchteten. Bei dem Kunden, der die teure Pflückmaschine erwarb (laut Eigenwerbung der „Lamborghini unter den Erntemaschinen“), zählte die Polizei stolze 1842 Pflanzen, auch eine Plantage in einem abgelegenen Haus in Sachsen-Anhalt war laut Anklage üppig mit Stecklingen aus der Südstadt bestückt. Betreiber von Marihuana-Kulturen in Stöcken, Limmer, Mellendorf und Burgdorf sollen ebenso wie ein Hanfanbauer aus Österreich von Beratungsgesprächen und Produkten aus den Euphorbia-Sortiment profitiert haben. Meist gingen pro Kunde Waren im drei- bis vierstelligen Euro-Bereich über den Ladentisch.

Das Gericht hat bis Ende Juni ein Dutzend Verhandlungstage terminiert. Doch erklärte der Vorsitzende Joseph , dass vor wenigen Tagen auf Wunsch der Kammer Verständigungsgespräche stattgefunden hätten. Die Richter möchten ein Endlos-Verfahren vermeiden – doch ob die Angeklagten und ihre Verteidiger der Kammer mit strafmildernden Geständnissen entgegenkommen, ist noch völlig offen. 

Von Michael Zgoll

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