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Hannover Ausstellung zeigt Schätze der Klöster
Nachrichten Hannover Ausstellung zeigt Schätze der Klöster
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00:25 22.04.2018
Schätze aus Niedersachsen: Hans-Christian Biallas, Katja Lembke und Jens Reiche (v.l.) präsentieren im Landesmuseum Hannover Preziosen aus Klöstern. Quelle: Rainer-Droese
Hannover

Der Prinzregent war ein gewichtiger Mann. In jeder Hinsicht. Zu Lebzeiten litt der spätere König Georg IV. unter ausgeprägter Fettleibigkeit. Da passt es, dass auch sein überlebensgroßes Porträt mehr als 300 Kilogramm auf die Waage bringt. Die prachtvolle Leihgabe aus dem Vatikan ist jetzt im Landesmuseum zu sehen – als größtes Gemälde, das dort jemals präsentiert wurde.

Georg empfängt die Besucher am Eingang der Ausstellung „Schatzhüterin“. Zum 200. Geburtstag der Klosterkammer zeigt diese rund 200 Objekte aus niedersächsischen Klöstern. Zu sehen sind Gemälde und Urkunden, kunstvoll gefertige Möbel und Statuen, kostbare Kelche, Teppiche und Reliquiare. Zu ihrem Jubiläum präsentiert die Klosterkammer damit eine kunstgeschichtliche Leistungsschau in eigener Sache – und zugleich ein Stück niedersächsischer Geschichte: „Es geht dabei auch um die Identität unseres Landes“, sagt Museumsdirektorin Katja Lembke.

Tausend Jahre Geschichte

Am 8. Mai 1818 unterschrieb ausgerechnet Prinzregent Georg, der sonst als leichtfüßiger Prasser verschrien war, jenes Patent, das die heutige Klosterkammer begründete. Als deren Ahnherrin gilt allerdings Elisabeth von Calenberg. Die Fürstin sorgte schon in der Reformationszeit dafür, dass die Klöster in ihrem Territorium – anders als anderswo – nicht aufgelöst wurden. Sie verfügte auch, dass der Klosterbesitz nicht dem Staatsvermögen zugeschlagen werden sollte. Anstatt sich die Güter selbst unter den Nagel zu reißen, knüpfte Georg daran vor 200 Jahren an.

Heute ist die Klosterkammer eine Landesbehörde, die von politischen Weisungen unabhängig ist – ein wahrscheinlich weltweit einzigartiges Konstrukt. Sie unterhält mehr als 800 Gebäude und rund 12 000 Kunstobjekte, ist der größte Waldbesitzer Deutschlands und betreut 15 noch heute belebte evangelische Frauenklöster in Niedersachsen. Ein Großteil der rund 200 Objekte in der Ausstellung stammt – neben Leihgaben aus Oxford, Kopenhagen und Rom – aus diesen  Klöstern und Stiften. Viele wurden für die Schau aufwendig restauriert: „Wir bewahren einen einmaligen Schatz“, sagt Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas stolz.

Selbstbewusste Frauen

Die Ausstellung versammelt Preziosen aus einem ganzen Jahrtausend: Ältestes Exponat ist ein Evangeliar aus dem Kloster Lamspringe aus dem 10. Jahrhundert, jüngstes ein Urteil des Staatsgerichtshof aus dem Jahr 1972, das die Unabhängigkeit der Klosterkammer bestätigte. Ein besonders bemerkenswertes Stück ist die älteste Brille der Welt: Im Jahr 1953 wurden die Augengläser aus dem 14. Jahrhundert, die einer weitsichtigen Nonne gehört hatten, bei Renovierungsarbeiten im Chorgestühl von Kloster Wienhausen gefunden. Der Rahmen ist aus Buchsbaumholz, die Sehstärke liegt bei 3,4 Dioptrien. In einer Vitrine liegt sie neben mittelalterlichen Schreibutensilien: „Die Frauenklöster waren damals Orte von Bildung und Wissenschaft“, sagt Ausstellungskurator Jens Reiche.

Die oft adeligen Frauen agierten dabei durchaus machtbewusst: Eine lebensgroße Steinstatue zeigt in aufrechter Pose Agnes von Landsberg, die Gründerin des Klosters Wienhausen. Die Skulptur hat das Kloster für die Ausstellung erstmals seit dem 13. Jahrhundert verlassen. Ein weiteres Prunkstück der Schau ist ein prächtiger Äbtissinnenstab, eine kostbare Goldschmiedearbeit im Stil eines Bischofsstabes, den sich die frisch gebackene Äbtissin Margaretha Puffen im Kloster Medingen um 1494 zulegte. Man kann in dem wertvollen Stück ein Paradebeispiel kirchlicher Prunksucht sehen – oder einen Ausdruck weiblichen Selbstbewusstseins. 

Noch heute verwendet die jeweils amtierende Äbtissin von Medingen den Stab bei festlichen Anlässen wie dem alljährlichen Weihfest im August. Filme dokumentieren in der Ausstellung, wie die Jahrhunderte alten Kunstschätze in den Klöstern teils bis heute im Gebrauch sind –  und noch immer ihren spirituellen Sitz im Leben haben.

Planspiele und Workshops

Die Ausstellung „Schatzhüterin – 200 Jahre Klosterkammer“ ist im Landesmuseum Hannover bis zum 12. August zu sehen. Der reich illustrierte Katalog (424 Seiten) kostet 29,90 Euro. Ein Begleitheft für Kinder gibt Einblicke in die Klostergeschichte.

Parallel zur Ausstellung gibt es ein außergewöhnlich umfangreiches Begleitprogramm: So können Schulklassen sich am Planspiel „Wie verwalte ich ein Kloster?“ beteiligen. Familien können sich passend zur Ausstellung einen Museumskoffer ausleihen. Und Gruppen können sich aus einem klösterlich eingerichteten Escape Room befreien. Mehr Informationen unter (0511) 9807686.

Von Simon Benne

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