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Leibniz-Universität distanziert sich von Kentler

Neujahrsempfang Leibniz-Universität distanziert sich von Kentler

Beim Neujahrsempfang der Leibniz-Universität geht Präsident Volker Epping auf den Fall Helmut Kentler ein. Der verstorbene Professor hatte Jungen als Pflegekinder an Pädophile vermittelt.

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Neujahrsempfang 2018 an der Leibniz Universität Hannover. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover.  Neujahrsempfänge sind oft Anlass, selbstzufrieden auf Erreichtes zurückzublicken. Aus aktuellem Anlass hat Volker Epping, Präsident der Leibniz-Universität, jetzt mit dieser Tradition gebrochen. Epping betonte vor rund 1200 Gästen, die Uni distanziere sich von Helmut Kentler, der von 1976 bis 1996 Professor an der Hochschule war.  Der bereits verstorbene Sozialpädagoge hatte in den Sechziger- und Siebzigerjahren in Berlin als Teil eines Forschungsprojekts Jungen als Pflegekinder an Pädophile vermittelt – mit bitteren Folgen für die Kinder. Offen blieb bisher jedoch, ob die Uni gewillt ist, ihre eigene Rolle bei Kentlers Karriere zu beleuchten. Epping berichtete nun, mit Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Uni 2016 eine interne Recherche gestartet. Mit Mitarbeitern aus der Zeit würden Gespräche geführt, die Aufarbeitung sei aber nicht abgeschlossen. „Den Vorwurf, sich nicht mit dem Wissenschaftler Helmut Kentler und seinem Wirken an der Universität Hannover auseinandersetzen zu wollen, weisen wir mit aller Deutlichkeit zurück.“

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Von dem bitteren Thema schwenkte Uni-Präsident Epping dann aber doch auch zu Erfolgen der jüngsten Zeit. Dazu zählt allein schon die weiter steigende Zahl an Studenten. Mit den knapp 4000 Erstsemestern lernen 28 700 Studenten an der Uni. In der Vorausscheidung der Exzellenzinitiative, mit der der Bund Spitzenforschung vorantreiben will, stehe Hannover gut da. Die Leibniz-Uni darf vier Vollanträge stellen, zwei davon gemeinsam mit der MHH. Die endgültige Entscheidung über die Anträge fällt im Herbst, der Zwischenstand ist zumindest glänzend. „Dafür sind unsere auch international sichtbaren Schwerpunkte in Physik, Maschinenbau und Biomedizintechnik verantwortlich“, erklärte Epping. „Natürlich müssen wir den Bären erst einmal erlegen.“ Von großer Bedeutung für die Uni sei auch der Erfolg beim Nachwuchspakt, mit dem der Bund Stellen für Jungprofessoren finanziert. Die Uni konnte sich 21 der sogenannten Tenure-Track-Professuren sichern. „Wir können damit Lücken schließen, die Sparrunden der vergangenen Jahre gerissen haben.“

Viel Gesprächsstoff für die Gäste, darunter Sabine Johannsen, Staatssekretärin im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, Oberbürgermeister Stefan Schostok, Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas, Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität Berlin, Sepp Heckmann vom Freundeskreis der Herrenhäuser Gärten, Heinrich Jagau, Vorstandschef der Sparkasse Hannover, Polizeipräsident Volker Kluwe sowie HDI-Vorstandschef Christian Hinsch.

Zur Ehrenbürgerin der Uni ernannte Epping die langjährige Unterstützerin Margrit Harting, Gesellschafterin der Harting AG & Co. KG. Die Firma hat zahlreiche Kooperationsprojekte mit der Uni betrieben, Margrit Harting begleitete außerdem den Umbau des ehemaligen Pferdestalls. Mit Erich Barke, Prof. Viktor Rizkallah und Hans-Dieter Harig sind auch fast alle übrigen Ehrenbürger beim Neujahrsempfang dabei. Nur Alt-Präsident Hinrich Seidel konnte nicht kommen. Für ihren guten Unterricht bekommen Physikprofessorin Michèle Heurs und Maschinenbau-Dozent Lars Panning-von Scheidt den Preis für exzellente Lehre.

Von Bärbel Hilbig

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