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Hannover Toter Elfjähriger: Lkw-Fahrer kommt vor Gericht
Nachrichten Hannover Toter Elfjähriger: Lkw-Fahrer kommt vor Gericht
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17:30 01.08.2018
An der Kreuzung von Vahrenwalder Straße und Industrieweg erinnert seit dem Unfall ein weißes Fahrrad an den getöteten Manuel. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Der rumänische Lkw-Fahrer, der Mitte April einen Elfjährigen in Vahrenwald beim Abbiegen überrollt hatte, muss sich noch diesen Monat vor Gericht verantworten. „Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung“, sagt Amtsgerichtssprecherin Catharina Erps. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte Bogdanel B. den kleinen Manuel sehen müssen ehe er von der Vahrenwalder Straße in den Industrieweg abbog. Der Unfalltod des Elfjährigen hatte eine Debatte um die Sicherheit an den großen Kreuzungen Hannovers entfacht, unter anderem der ADFC setzte sich vehement für eine Entschärfung der Gefahrenbereiche ein.

Laut Anklageschrift hielten sowohl der Rumäne in seinem Renault-Sattelzug als auch der Elfjährige mit seinem Elektrorad an der roten Ampel. Als beide Grün bekamen, sei der 37-Jährige „ohne anzuhalten und dem Jungen den Vorrang zu überlassen“ abgebogen, sagt Erps. Der Renault-Lkw habe ein Tempo von rund 14 Stundenkilometern gehabt, als Manuel erfasst und überrollt wurde. Der Elfjährige starb noch an der Unfallstelle, seine 51-jährige Mutter musste alles miterleben – sie war direkt hinter ihrem Sohn. Die Eltern mussten von Notfallseelsorgern betreut werden. Der Lkw-Fahrer hatte unmittelbar nach dem Unfall eingeräumt, den Elfjährigen übersehen zu haben.

Unfall war vermeidbar

„Bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte der Fahrer das Kind erkennen müssen“, zitiert Erps aus der Anklageschrift. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte der Unfall dadurch vermieden werden können.“ Nach dem tödlichen Unfall wurde zwar Haftbefehl gegen Bogdanel B. erlassen, dieser sei laut Erps aber „unter hohen Auflagen“ sofort außer Kraft gesetzt worden. Die Bedingung: Der 37-Jährige muss regelmäßig mitteilen, wo er sich aufhält. Der Prozess gegen den Rumänen beginnt am 14. August. Die Justiz geht auch davon aus, dass der Angeklagte erscheinen wird. „Sollte es Zweifel daran geben, wäre der Haftbefehl schon längst wieder in Kraft“, so Erps.

Als Reaktion auf den tödlichen Unfall ließ die Stadt im Juni die Kreuzung Vahrenwalder Straße/Industrieweg mit leuchtend roten Fahrradfurten markieren – dies stehe aber nach Angaben der Verwaltung in keinem direkten Zusammenhang zum Unfall. Auch die übrigen großen Kreuzungen entlang der Vahrenwalder Straße sind inzwischen umgestaltet worden. Unter anderem der ADFC forderte seit April deutliche Änderungen an den vielbefahrenen Gefahrenpunkten in der Stadt. Auch die Unfallkommission empfahl Nachbesserungen. Dazu gehören neben der farblichen Abgrenzung der Radwege auch eine Optimierung der Ampelschaltungen. Die Forderung: Radler und Fußgänger sollen eine eigenen Grünphase bekommen und nicht mehr gemeinsam mit Rechtsabbiegern.

Gutachten steht noch aus

In diesem Punkt hat sich bislang jedoch nicht viel getan. Zusammen mit dem Ziehen der roten Fahrradfurten hatte die Stadt ein Ingenieursbüro beauftragt, das die Machbarkeit separater Ampelphasen analysieren soll – allerdings „unabhängig vom Unfall und von der Unfallkommission ausgesprochenen Empfehlungen“, wie es damals hieß. Baulich und betrieblich entspreche die Kreuzung den Richtlinien. Wie Stadtsprecherin Michaela Steigerwald auf HAZ-Anfrage mitteilt, dauern die Untersuchungen der Ingenieure weiter an. „Das Gutachten liegt der Stadt noch nicht vor“, sagt sie. Wann es fertig sein soll, ist offen.

Von Peer Hellerling

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